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Chronik Oberösterreich
12/05/2011

Kind angegriffen, Republik wird geklagt

Ein Schuldirektor soll einen Siebenjährigen mehrmals tätlich angegriffen haben - ein "Arbeitsunfall". Die Eltern klagen.

Ein siebenjähriger Bub klagt die Republik Österreich. Der Direktor einer Linzer Volksschule soll mehrmals tätlich gegen das Kind vorgegangen sein. Obwohl die Republik (als Dienstgeber des Pädagogen) eingeräumt hat, dass dessen Vorgehen rechtswidrig war, sieht sie die Alleinschuld beim Schüler: Dieser habe den Direktor entsprechend provoziert. Kommende Woche startet der Prozess in Linz, berichtete das ORF-Radio Oberösterreich am Freitag.

Als der Taferlklassler seinen Eltern von den Übergriffen berichtete, hätten diese das zunächst nicht geglaubt, so Anwalt Kurt Lichtl zum ORF. Lichtl vertritt den Schüler im Prozess gegen die Republik.

Als der Bub dann aber Schulangst entwickelte und zum Bettnässer wurde, seien sie aktiv geworden. Ein Disziplinarverfahren sei jedoch eingestellt worden, daher hätten die Eltern nun im Namen ihres Kindes Klage eingebracht.

Ein "Klaps" als "Arbeitsunfall"

Laut Lichtl gibt der Diplompädagoge zwei Vorfälle - einen "Klaps" und ein festes Anpacken am Arm - sogar zu. Die Finanzprokuratur habe in einer Klagsbeantwortung auch eingeräumt, dass das Vorgehen des Direktors rechtswidrig gewesen sei, so der Anwalt. Laut dem Schreiben sei das Ganze jedoch ein " Arbeitsunfall" und den Buben treffe das Alleinverschulden an dem Vorfall, denn er habe das Verhalten des Direktors provoziert.

Lichtl hat auf Schmerzensgeld geklagt und verlangt für seinen Mandanten 3500 Euro. Der Bub hat mittlerweile die Schule gewechselt. Seine psychischen Probleme seien seither verschwunden, heißt es in dem Bericht.

AKS: "Kein Einzelfall"

Wie die Bundesvorsitzende der Aktion kritischer SchülerInnen, Eleonara Kleibel, erläuterte, sind "übergriffige" Lehrer keine Seltenheit. Täglich wenden sich mehrere Schulpflichtige an den SchülerInnen-Notruf und bitten um Hilfe. "In 70 Prozent der Fälle geht es um Probleme mit Lehrern", berichtete Kleibel. Oftmals würden Burschen und Mädchen bei schlechten Noten gehänselt und lächerlich gemacht, wobei bereits verbale Demütigungen an sich rechtswidrig sind: Gemäß § 11 Absatz 3 Leistungsbeurteilungs-Verordnung (LB-VO) haben Lehrer dem Schüler die für die Beurteilung maßgeblichen Vorzüge und Mängel seiner Leistung mit der Beurteilung bekanntzugeben, "ohne ihn jedoch zu entmutigen oder seine Selbstachtung zu beeinträchtigen".

Kommt es zu psychischen oder gar physischen Übergriffen, empfiehlt Kleibel Betroffenen, dies in der Schule unverzüglich zum Thema zu machen und vor den Schulgemeinschaftsausschuss zu bringen. Gerade bei körperlicher Gewalt stelle sich dann meistens heraus, dass der betreffende Lehrer nicht zum ersten Mal tätlich geworden ist. Gegen einen prügelnden Pädagogen vorzugehen, sei trotzdem schwierig. Wenn die Schulbehörden die Vorwürfe überprüfen, fehlen oft Zeugen für die behaupteten Verfehlungen, da sich die ins hierarchische Schulsystem eingebundenen Mitschüler des Opfers davor scheuen, gegen ihren Klassenlehrer auszusagen. "Es läuft dann auf die Frage der Glaubwürdigkeit des betroffenen Schülers heraus, und da sitzen Lehrer in der Regel auf dem längeren Ast", so die AKS-Bundesvorsitzende.

Selbst wenn die Schulbehörden feststellen, dass ein Lehrer die Grenzen des Zulässigen überschritten hat, muss dieser nicht damit rechnen, aus dem Verkehr gezogen zu werden. "In solchen Fällen wird er üblicherweise vom Landesschulrat an eine andere Schule versetzt", stellte Kleibel fest.

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