Kampagne für die Rechte der Sexarbeiterinnen ausgezeichnet

Im Rahmen des Internationalen Frauentages wurde die Caritas-Kampagne für die Rechte von Sexarbeiterinnen ausgezeichnet. In Oberösterreich gibt es 85 Bordelle. Von Werner Rohrhofer.
Frauentag 1951

Oberösterreich steht heute im Zeichen des Internationalen Frauentages, der seit mehr als 100 Jahren am 8. März begangen wird. Landesweit gibt es zahlreiche Veranstaltungen von Kundgebungen über Konzerte bis zu Kabaretts. 

Eine Besonderheit in diesem Zusammenhang ist der jährlich vergebene „Frauenpreis der Stadt Linz“. Heuer geht er an die Caritas-Einrichtung LENA, die sich für die Rechte der Sexarbeiterinnen einsetzt und dafür eine spezielle Informationskampagne auch für deren „Kunden“ ins Leben gerufen hat.

Streik der Textilarbeiterinnen 1857 in New York 

Dass der 8. März zum Frauentag wurde, dafür gibt es verschiedene Entstehungsmythen. Zum Beispiel, dass es am 8. März 1857 in New York zu einem spontanen Streik von Textilarbeiterinnen gegen niedrige Löhne und unzumutbare Arbeitsbedingungen gekommen sei. Die Polizei habe den Streik brutal niedergeschlagen, zahlreiche Frauen seien dabei ums Leben gekommen. Auch im Vorfeld der Oktoberrevolution 1917 in Russland hatten die Arbeiter- und Soldatenfrauen sowie die Bäuerinnen am 8. März in St. Petersburg eine Streikwelle in Gang gesetzt.

UNO beschließt 1977 den Frauentag

Am Anfang der Frauentage standen neben sozialen Fragen vor allem das Frauenwahlrecht und die klare Positionierung der Frauen gegen den Krieg im Zentrum. 1977 beschloss die UNO-Generalversammlung offiziell den 8. März als Internationalen Frauentag anzuerkennen.

Die soziale Komponente wird in diesem Jahr durch den Frauenpreis der Stadt Linz an die Initiative LENA besonders deutlich. LENA ist eine Beratungsstelle für Frauen, die als Sexarbeiterinnen tätig sind oder waren. Obwohl Prostitution in Österreich nicht strafbar ist und die Ausübung einschlägigen Gesetzen unterliegt, seien die Frauen in diesem Bereich „häufig Stigmatisierung und Ausgrenzung ausgesetzt, was den Zugang zu sozialen Rechten erschwert“, sagt LENA-Leiterin Elke Welser. 

85 Bordelle, Laufhäuser und einschlägige Clubs

Verschärft wird die Problematik dadurch, dass es zwar in Oberösterreich rund 85 Bordelle sowie Laufhäuser und einschlägige Clubs gibt, die dort geltenden Auflagen und hohe Mieten führen aber dazu, dass die Tätigkeit der Sexarbeiterinnen sich vermehrt in private Wohnungen verlagert. Der Schutz der Frauen und deren Rechte sind dann nicht mehr gewährleistet. Daher hat LENA jetzt einen neuen Ansatz gewählt, wie Elke Welser erläutert: „Gleichstellung ist nur dann real, wenn sie auch die Lebensrealitäten von Sexarbeiterinnen einschließt, daher ist es eine zentrale Herausforderung unserer Arbeit, auch jene zu erreichen, die meist im Verborgenen bleiben: die Kunden sexueller Dienstleistungen.“ Das LENA-Team hat daher jetzt spezielle Visitenkarten mit dem Slogan „Alles, was Spaß macht“ gestaltet, die an die Kunden verteilt werden. Dabei geht es vor allem darum, ungeschützten Sex mit all seinen gesundheitlichen Risiken zu vermeiden.

Ungeschützter Sex

Elke Welser: „Die Kampagne sensibilisiert Kunden für ihre Verantwortung bei der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und HIV. Sie trägt wesentlich zur Gesundheitsförderung innerhalb der Szene und der Gesellschaft bei“. So heißt es auch in der Begründung der Jury für die Verleihung des Frauenpreises an LENA: „Die Kampagne setzt ein klares Zeichen für Safer Sex für alle – insbesondere durch die Verankerung der Verantwortung zum Safer Sex bei den Kunden der Sexarbeiterinnen“. Frauenstadträtin Eva Schobesberger bei der Preisverleihung: „Über die Kampagne hinaus wird das LENA-Team insgesamt ausgezeichnet, dass es gemeinsam mit Sexarbeiterinnen gegen Stigmatisierung und für Selbstbestimmung kämpft“.

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