Klaus Fronius mit seinen Bioölen im Verkaufsraum des Schlattbauerngutes

© Harald Dostal

Chronik | Oberösterreich
03/23/2019

„Jährlich 100.000 Dächer mit Fotovoltaik ausrüsten“

Der Unternehmer, Techniker und Umweltpionier Klaus Fronius ist Bauer geworden und produziert Bioöle.

Klaus Fronius (73) bewirtschaftet seit der Übergabe seines gleichnamigen Unternehmens (Schweißtechnik, Fotovoltaik, Batterieladetechnik, rd. 4400 Mitarbeiter) im Jahr 2012 das Schlattbauerngut in Ried im Traunkreis (Bez. Wels-Land), das er komplett umgebaut hat.

Warum sind Sie in die Landwirtschaft eingestiegen und warum bauen Sie Urkörner an? Klaus Fronius: Landwirtschaft hat etwas Herausforderndes und man lernt Demut kennen. Sie hat mich immer schon interessiert, aber ich wollte nie Tiere, sondern einfach nur Nahrungsmittel.

Sie haben von Beginn an auf Bio gesetzt. Warum?

Ich habe die chemischen Vernichtungsmittel von jeher verabscheut. Die Natur bietet aus sich heraus viel mehr Kräfte, um Schädlinge fernzuhalten. Das reicht aus.

 

Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz waren Ihnen schon seit jeher ein großes Anliegen.

Ja, ein sehr hohes. Wenn wir vom Mond aus die Erde beobachten, sehen wir, dass wir der Erde sehr viele Verwundungen zugefügt haben, nach wie vor zufügen und auch künftig zufügen werden. Es bedarf eines enormen Aufwandes, um die Verwundungen zu heilen und unseren Nachkommen eine gesündere Welt zu hinterlassen. Das treibt mich in meinem ganzen Leben an.

Als wir unsere Bio-Produkte angeboten haben, haben wir gesehen, dass auch andere anbieten. Das hat den Preis gedrückt. Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, Lebensmittelöle und Essige zu erzeugen.

Sie haben sich für eine Nische entschieden.

Hinter Essigen und Ölen steckt ein riesiges Potenzial. Wir haben uns darauf konzentriert, Versuche unternommen und in der Firma Fronius als Werbeartikel verteilt. Wir haben gesehen, dass das der richtige Weg ist. Als ersten größeren Kunden haben wir die Firma Hofer gewonnen. Hofer bestellt rund 30.000 Flaschen (0,25 L.), das sind drei verschiedene Öle. Wir sind mit dem Geschäft zufrieden, wie es sich jetzt entwickelt hat.

Warum soll ich als Konsument ein Öl von Ihnen kaufen und nicht ein anderes?

Unser Boden hat eine Biodiversifizierung. Wir sind frei von Pestiziden. Der Prozess der Herstellung ist ebenfalls zertifiziert. Jeder Tropfen Öl beinhaltet die höchste Qualität.

Sie waren Unternehmer und haben entschieden, auch in Ihrer Pension Unternehmer zu bleiben. Sie hätten sich das Leben auch einfacher gestalten können. Gibt es so etwas wie ein Unternehmergen?

Mein Vater, er war ebenfalls Ingenieur, war sehr wissbegierig. Er war sehr schnell zu begeistern, hat sie aber auch schnell wieder verloren. Meine Mutter hatte eine andere Stärke, nämlich eine hohe Ausdauer. Diese zwei Dinge haben sich in mir vereint. Wenn man beides hat, braucht man auch keine Bank, um Dinge zu finanzieren.

Welche Schritte sollte die Gesellschaft im Klimaschutz nun setzen?

Ich bin in Oberösterreich im Rat für Forschung und Technologie der Energiepate und wurde gebeten, ein Strom-Konzept für das Land für die Jahre 2020 bis 2030 zu erstellen. Ich habe Stefan Stallinger, den technische Vorstand der Energie AG, Josef Fürlinger von der Firma Rotax und Thomas Rührlinger von Fronius um Mitarbeit gebeten. Ergebnis: Die Wasserkraft ist einigermaßen ausgeschöpft, die Biomasse hat ihre Probleme, somit bleibt nur die Fotovoltaik. Unser Energiebedarf wird steigen. Oberösterreich versteht sich als Industrieland. Der große Nachteil ist aber, dass wir den höchsten -Ausstoß aller Bundesländer haben und die höchsten Zuwachsraten beim Strom.

Weniger CO2-Ausstoß

Wir denken an ein Programm, pro Jahr 100.000 Dächer mit Fotovoltaik auszurüsten. Und das für die nächsten zehn Jahre. Das ist eine der Maßnahmen, die wir vorschlagen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Eine weitere Überlegung: Die Rohöl- und Erdgasgesellschaft RAG hat ihre Suche in Österreich eingestellt. Aber es sind sehr viele leere Erdgasfelder vorhanden. Markus Mitteregger von der RAG und meine Wenigkeit sind auf die Idee gekommen, sie mit Wasserstoff zu füllen. Die Felder sind rund 3000 Meter tief, die Rohre sind alle vorhanden. Der Projekt heißt Underground Sun Conversion und hat riesiges Potenzial. Mit Sonne und Wasser wird erneuerbares Erdgas erzeugt.

Mission Innovation

Es gibt ein weiteres Projekt, das sich Mission Innovation nennt. 22 Länder haben sich verpflichtet, die Welt positiv zu verändern. Österreich ist auch dabei. Ich arbeite hier mit. Eines der Projekte ist die Zillertalbahn, die künftig mit Wasserstoff betrieben werden soll. AVL List Graz hat ein Projekt eingereicht, um einen Wasserstoffhauptstrang für Lkw zu entwickeln. MPreis, eine westösterreichische Supermarktkette, will die gesamte Lkw-Flotte mit Wasserstoff zu betreiben. Rotax will ebenfalls die Snow-Mobile und Pistenraupen mit Wasserstoff antreiben.

Gehört dem Wasserstoff auch im Autoverkehr die Zukunft?

Auf jeden Fall. Es wird ein Miteinander von verschiedenen Antrieben geben. Für den Stadtverkehr und kurze Strecken die Elektroautos. Es wird Lösungen geben, wie man die Batterien aufladet.

Wenn man wo Wasserstoff erzeugen kann und ihn in großen Flächen bunkert, dann kann man beim Wasserstoffauto den Tankvorgang genau so schnell erledigen wie man heute die Autos mit Benzin oder Diesel befüllt. Fronius hat eine Wasserstofftankstelle gebaut.

Wie lange wird die Umstellung auf Wasserstoffautos noch dauern?

Fronius hat Wasserstoffautos. Wir arbeiten daran, dass das Thema Wasserstoff auch in der Lehre aufgenommen wird.

Wann ist die Autoindustrie so weit?

Die Südkoreaner, die Japaner und Chinesen überholen uns bei diesen Technologien bereits. Das wird so weiter gehen. Diese Technologie geht derzeit an Österreich und Europa vorbei.

Die Grünen kritisieren, dass die Autoindustrie die neuen Entwicklungen verschläft.

Sie haben recht.

Die Zukunft gehört dem Wasserstoff?

In jedem Fall. Weil er in der Energiedichte hinter dem Diesel und Benzin kommt, er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, keine Abgase und kein erzeugt. Er ist speicherbar. Die Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit, damit ihn sich jeder leisten kann. Ich fahre selbst ein Wasserstoffauto, es funktioniert problemlos und hat 45.000 Euro gekostet. Wir haben in Österreich leider nur fünf Wasserstofftankstellen. Wasserstoff wird pro Kilogramm um neun Euro abgegeben. Ein Kilogramm reicht beim Auto für 100 km.