Indische Schwestern betreiben die letzten Hostienbäckerei

Eine Nonne hält eine Schachtel mit Hostien in der Hand.
Im Kloster St. Anna in Ried/I. wird Oberösterreichs letzte Hostienbäckerei betrieben. 8.500 Kinder empfangen in diesen Wochen die Erstkommunion. Von Gerhard Marschall.

Die Vorbereitung ist abgeschlossen, das große Fest ist bereits gefeiert worden oder steht demnächst bevor.

Rund 8.500 Kinder empfangen in diesen Wochen in Oberösterreich die Erstkommunion. Sie ist ein Sakrament der katholischen Kirche, mit welcher der Eintritt in die Gemeinschaft mit Jesus Christus markiert wird. Überreicht wird der „Leib Christi“ in Gestalt einer Hostie. Die kommt aus Ried im Innkreis, aus dem Kloster St. Anna in Ried im Innkreis.

Einmal pro Monat

Das Haus an der Braunauer Straße beherbergt die letzte Hostienbäckerei im Land, seitdem in Linz und Vöcklabruck nicht mehr produziert wird. Schwester Tessy ist für die Hostienfertigung hauptzuständig, sie erklärt ihre Arbeit. Es handelt sich um eine kontemplative Tätigkeit, die Geduld und Sorgfalt verlangt. Einmal im Monat wird gebacken, zwischen 110 und 120 Kilo Mehl werden dabei verarbeitet. Auf ein Kilo kommt ein Liter Wasser. Der dünnflüssige Teig wird auf heiße Platten gegossen. Danach müssen die hauchdünnen, rechteckigen Oblaten einige Tage lang auskühlen. Von Zeit zu Zeit, ganz nach Bedarf, werden die Hostien ausgestanzt.

40.000 pro Tag

An einem Tag werden dabei rund 40.000 Stück gefertigt, Durchmesser drei Zentimeter. Die Priesterhostien mit Bruchlinien gibt es in drei Größen, zwischen sieben und 20 Zentimeter. Wie viele Hostien im Jahr gemacht werden, verraten die Schwestern nicht. Produktionsmengen, Umsatz oder Profit sind hier keine vorrangigen Themen. Sehr viel Geld komme nicht herein, wird versichert. „Es ist eine Art Evangelisierung, das ist unser Charisma“, sagt Schwester Reshmi, die Oberin.

Eine Gruppe von Nonnen steht vor dem Kloster St. Anna.

Die Schwestern des Klosters St. Anna

Wie Schwester Tessy und vier Mitschwestern kommt sie aus Indien. Sie alle gehören der Kongregation „Missionsschwestern der Königin der Apostel“ an. 1830 wurde in Wien die erste Niederlassung der Redemptoristen außerhalb Italiens gegründet. Der kontemplative Orden widmet sich ganz dem Gebet. Wegen politischer Unruhen flüchteten die Ordensleute nach Witten/Holland, 1852 kehrten sie zurück. Einige Redemptoristinnen ließen sich damals in Ried nieder. Mangels Neueintritten ging die Zahl der Schwestern in jüngerer Vergangenheit mehr und mehr zurück, aufgrund fortgeschrittenen Alters konnten sie die Arbeiten in Haus, Garten und Hostienbäckerei nicht mehr in vollem Umfang leisten.

Schwestern aus Indien

Es fügte sich gut, dass 2014 die Missionsschwestern aus Indien hierherzogen und vier Jahre später das Kloster übernahmen. Sie pflegen auch die drei noch lebenden, betagten Redemptoristinnen. „Sie haben uns aufgenommen, wir sind für ihr Vertrauen sehr dankbar“, sagt Oberin Sr. Reshmi. Auch das Verhältnis zur Bevölkerung sei sehr gut.

Jeden Tag wird in der Klosterkirche eine Messe gelesen, die Gläubigen kommen aus der Stadt ebenso wie aus dem Umland. Die Hostienbestellung erfolgt per Telefon oder Mail. Versendet wird mit der Post in das ganze Bundesland, auch nach Wien und Niederösterreich. Sr. Tessy macht gerade eine Lieferung für die Pfarre Frankenburg fertig, aus der näheren Umgebung werden die Pakete abgeholt. Seit Corona sei der Absatz rückläufig, sagt die Oberin. Die Bäckerei soll dennoch weiterhin betrieben werden. „Wir verstehen unsere Arbeit als Dienst an der Kirche.“

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