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Chronik Oberösterreich
05/30/2021

„Impfen schützt in jedem Fall“

Experte Bernd Lamprecht über fehlende Antikörper nach der Impfung und wie T-Zellen wirken

von Claudia Stelzel-Pröll

Es klingt nach einem dieser Mythen, die herumgeistern, ist aber wahr: Es gibt tatsächlich doppelt geimpfte Menschen, deren Körper nach dem Vakzin kaum oder gar keine Antikörper bildet. Warum das passiert und wie der Körper das ausgleichen kann, erklärt Bernd Lamprecht. Er ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepleruniklinikum in Linz und hat sich als profunder Experte, der komplexe Inhalte verständlich erklären kann, hervorgetan.

Medikamente

„Jeder Körper reagiert anders auf eine Impfung. Und ja, es gibt Menschen, die nach einer oder zwei Corona-Teilimpfungen wenige Antikörper haben. Das sind Menschen, die eventuell Medikamente nehmen, die das Immunsystem dämpfen, die sich vielleicht gerade einer Chemotherapie unterziehen müssen“, erklärt Lamprecht.

Dabei gäbe es aber noch viele unbekannte Faktoren, denn die Antikörper seien nur ein Teil des großen Ganzen: „Es gibt die B-Zellen, die Antikörper produzieren. Und es gibt auch die T-Zellen, die infizierte Zellen im Körper erkennen und diese eliminieren können. Ein negativer Antikörpertest nach einer Impfung bedeutet also nicht, dass man ungeschützt ist. Denn in dieser Testung werden nur die B-Zellen und nicht die T-Zellen abgefragt.“ Sowohl B- als auch T-Zellen seien aber einigermaßen ebenbürtige Partner im Immunsystem.

Das nationale Impfgremium drückt das in seinen Anwendungsempfehlungen so aus: „Antikörperbestimmungen zur Bestätigung eines durch die Impfung induzierten Schutzes erscheinen derzeit nicht zielführend, weil kein Schutzkorrelat etabliert ist und auch die maßgeblich zum Schutz beitragende zelluläre Immunität so nicht messbar ist. Von der Bestimmung von Antikörpern zur Impferfolgskontrolle wird daher bei immunologisch kompetenten Personen abgeraten.“

Maßnahmen nicht über Bord werfen

Sprich, ein Antikörpertest nach der Impfung macht nur in seltenen Fällen Sinn, da er nur bedingt Auskunft über die Immunität gibt. „Deswegen rate ich Menschen, die sich ihres Schutzes nicht ganz sicher sind oder vielleicht Zweifel haben, dass sie alle anderen Maßnahmen wie Handhygiene, Maske und abstand, trotzdem nicht über Bord werfen“, sagt Primar Lamprecht. Eine dritte Impfung werde vom nationalen Impfgremium nicht empfohlen, da unbekannte Impfreaktionen nicht ausgeschlossen werden können. „Fakt ist, Impfen schützt in jedem Fall“, versichert der Experte.

Übrigens, bei Menschen, die bereits infiziert waren, ist eine Impfung ausreichend.

"Ich möchte mich sicher fühlen"

Erfahrung. Er leitete selbst 29 Jahre lang ein Blutlabor in Linz, ist also vom Fach. Als Corrado Rocchetti nach seiner Covid-Impfung einen Antikörper-Nachweis machte, staunte der pensionierte Mediziner nicht schlecht: „Ich musste es einfach wissen, deswegen bin ich in mein ehemaliges Labor gegangen. Der Test ergab, dass mein Immunsystem nur sehr wenige Antikörper gebildet hat, viel zu wenige, um nach internationalen Richtlinien als immun zu gelten.“

Mit dem aktuellen Wert habe er  ein unsicheres Gefühl: „Ich habe in den vergangenen Monaten in meinem Umfeld gesehen, was diese Krankheit anrichten kann. Deswegen werde ich mich ein drittes Mal impfen lassen und hoffe, dass ich mich danach sicher fühlen kann.“ Medizinisch spreche nichts gegen eine dritte Impfung, „deswegen werde ich es  probieren“, so Corrado Rocchetti, und „ich werde  trotzdem weiter aufpassen und in Innenräumen eine Maske tragen.“

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