Chronik | Oberösterreich
24.06.2018

Hunde schützen die Schafe vor den Wölfen

Auch beim Nachbarn in der Schweiz sind die Wölfe geschützt. Speziell ausgebildete Hunde der Rasse Maremmano Abbruzzese schützen Schafherden vor den Wölfen.

Vielleicht wird es auch in Österreich zu einem gewohnten Bild. Schutzhunde bewachen eine Schafherde gegen Wolfsangriffe. Eine oberösterreichische Delegation unter der Leitung von Landesrat Max Hiegelsberger informierte sich in der Schweiz über den Umgang mit dem Wolf. Im gesamten Alpenbogen der Schweiz wurden bereits Wölfe gesichtet. Seit 1992 ist er gemeinsam mit Bär und Luchs geschützt.

Alwin Meichtry betreibt seit Jahrzehnten eine Schafzucht und ist Präsident des Schweizer Schafzuchtverbandes. Er sieht aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen den Wolf kritisch. „Die Schäden an Nutztieren sind hoch, nicht mehr nur im hochalpinen Gelände. Vor allem Schafe sind betroffen. Der Aufwand für den Herdenschutz ist enorm. Elektrozäune sind häufig geländeuntauglich und, wenn einmal installiert, sehr störungsanfällig.“

Autor: Josef Leitner

Städter für den Wolf

Er sieht bei der Akzeptanz des Wolfes ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Das Auftauchen des Wolfs als Teil der Biodiversität wird vor allem von Stadtbewohnern positiv gesehen. Im vergangenen Jahr wurden drei Rudel mit 43 Wölfen gesichtet. Seit 2000 wurden 187 gerissene Schafe von der öffentlichen Hand vergütet. 17 Wölfe wurden zum Abschuss freigegeben, von denen neun erfolgreich ausgeführt wurden. Meichtry plädiert dafür, dass in der Gesetzgebung der Schutz der Nutztiere in mindestens ebensolchem Maß gewichtet wird wie das der Raubtiere. Auch die latente psychische Belastung der Tierhalter wird von ihm hervorgehoben.

Der Präsident für die Herdenschutzhunde Schweiz, Ueli Pfister, sieht den Wolf ebenfalls als emotionales Thema. Er betont, dass alle Schäden durch den Bund bzw. den Kanton ersetzt werden. Er hält den Einsatz von Schutzhunden für ein geeignetes Mittel für die Abwehr von Wölfen. Besonders die Rasse Maremmano Abruzzese ist dafür geeignet. Die Anschaffung eines Tieres kostet den Halter zwar 5000 Franken (4600 €), wird aber vom Staat mit 1500 Franken pro Jahr vergütet. Die Tiere wachsen gemeinsam mit den Schafen auf und müssen auch mit dem Menschen vertraut sein. Erst mit dreizehn Monaten werden sie nach sorgfältiger Ausbildung und einer bestandenen Prüfung als Schutzhunde eingesetzt. Ihre Aufgabe ist es, den Wolf abzuwehren, also als Türsteher ihrer Herde zu arbeiten, nicht als Wolfsjäger. Ein Besuch auf dem Schafbauernhof von Adrian Brenzigofer im Emmental bestätigt die Wachsamkeit, aber auch Friedlichkeit der großen weißen Hunde.

Der für Österreich zuständige Wolfsbeauftragte Georg Rauer schildert die Situation hierzulande. „In Österreich sind bis jetzt nur wenige Vorfälle mit Wölfen bekannt. Nur im niederösterreichischen Allentsteig ist ein Rudel beheimatet. Da bis zu dreißig Prozent Zuwachs einer Wolfspopulation pro Jahr möglich ist, ist auch eine rasche Verbreitung in andere Gebiete möglich.“ Hiegelsberger begrüßt es, dass auch in Österreich das Wolfsmanagement in Form eines Österreich-Zentrum für Wolf, Luchs und Bär professionalisiert werden soll, um rechtzeitig auf das verstärkte Auftreten des Wolfes vorbereitet zu sein.

Bei übergroßer Population und Gefährdung landwirtschaftlicher Tiere soll der Wolf geschossen werden dürfen, so der Landesrat. Die Jäger treten generell für die Freigabe der Wolfsabschüsse auf.