Gespenster der Vergangenheit

Seppy
Unsere neueste Geschichte spielt in einem Schloss. In einer alten Kiste, die dort in einer Ecke steht, wohnen angeblich Gespenster. Von Christa Koinig.

Doch keine Angst: Wer unsere Theaterstücke kennt, weiß, dass es bei uns nichts zu fürchten gibt. Unsere Gespenster sind Puppen – und viel zu gemütlich, um nachts durchs Schloss zu spuken. Es mag ja sein, dass in manch alter Kiste ein Gespenst wohnt. Aber darin steckt vor allem eines: Vergangenheit. Und die meldet sich manchmal, wenn man gar nicht damit rechnet. Wir Puppen bleiben ja immer gleich. Vielleicht bekommen wir ein neues Gewand oder frische Farbe im Gesicht, aber innen drin sind wir immer dieselben. Menschen verändern sich. Sie wachsen, werden älter, vorsichtiger, manchmal auch ein wenig fremd.

Die alte Kiste wieder öffnen

Oft treffen Menschen nach Jahren wieder aufeinander, die früher unzertrennlich waren. Dann kam das Leben dazwischen. Sie schauen sich an, zögern, lächeln vorsichtig und fragen sich leise, ob das alte Band noch hält. Und dann merken sie: Da ist nicht nur Freundschaft. Da ist diese vertraute Herzenswärme und vielleicht sogar ein bisserl Herzklopfen, das man nie ganz vergessen hat. Echte Zuneigung verschwindet nicht, nur weil man lange nicht miteinander spricht. 

Sie liegt wie ein Gespenst in der Kiste – still, geduldig, wartend. Ein Lachen hier, ein Satz dort, und plötzlich ist sie wieder da. Ein wenig verstaubt vielleicht, aber heil geblieben. Freundschaft braucht keinen Beweis. Man muss nur den Mut haben, die alte Kiste wieder zu öffnen. Dann merkt man: Das, was zählt, ist nie ganz verschwunden – und manchmal kommt sogar wieder ein bisserl Zuneigung ans Tageslicht.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters

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