Die Teamköche Fritz Grampelhuber (re.) und Bruder Tamino (l.) beim Fischen im Hallstädtersee

© ©2017 wolfgang stadler

Chronik Oberösterreich
06/08/2021

Ein Präsident, ein Tormann und zwei Köche

Oberösterreich ist bei der Europameisterschaft mit einem Quartett vertreten. Manche träumen vom Aufstieg Österreichs ins Achtelfinale. Von Gerhard Marschall.

„Devot, geschlossen und fokussiert.“ So sollen laut ÖFB-Präsident Leo Windtner die Herren Nationalkicker bei der anstehenden Europameisterschaft auftreten. Dann könnten sie 2016 vergessen machen, als Österreichs Team mit überzogenen Erwartungen angetreten war und kläglich scheiterte. Und sie könnten zum ersten Mal die Gruppenphase überstehen.

Schwierig werde das, vermutet Katharina Meßthaler: „Es muss alles zusammenspielen. Aber sind wir optimistisch und sagen wir ja.“ Die 22-jährige Studentin ist Kapitänin von Union Kleinmünchen. Österreich verfüge über gute Individualspieler, ob die auch als Mannschaft funktionieren, müsse sich erst zeigen. Generell erwartet sie „frischen Fußball: wenig hohe Bälle, viele spielerische Lösungen“.

Kommenden Freitag startet die Euro mit einjähriger Verspätung, von der üblichen Begeisterung ist noch nicht viel zu spüren. Corona hat einerseits für Entwöhnung, andererseits für Übersättigung gesorgt: kein Stadionerlebnis, dafür jede Menge seelenloser TV-Kick in leeren Stadien. Oberösterreichs EM-Beitrag ist auf den Präsidenten und einen Spieler reduziert: LASK-Torhüter Alexander Schlager. Seine Vereinskollegen Gernot Trauner (29), Reinhold Ranftl (29) und Husein Balic (25) hatten dem erweiterten Kader angehört, wurden jedoch von Teamchef Franco Foda aussortiert. Ob der 25-jährige Schlager Österreichs Tor behüten darf, ist noch offen. Foda lässt sich mit der Einser-Frage Zeit. „Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie richtig guten Fußball spielen kann“, ist LASK-Trainer Thalhammer (50) voll des Lobes für das rot-weiß-rote Team. Es werde „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ das Achtelfinale erreichen. „Dann muss man schauen, wie es weitergeht.“ Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit rechnet Thalhammer nicht mit neuen taktischen Trends. Sehr wohl werde es „eine Palette an Spielsystemen und viel Dynamik“ zu sehen geben, weil die Trainer sehr flexibel seien.

„Die Mannschaft hat das Zeug, eine gute EM zu spielen“, ist auch Ried-Trainer Andreas Heraf (53) zuversichtlich. „Wir haben eine sehr, sehr gute Generation.“ Er geht davon aus, dass sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen wird, sprich: extremer Tempofußball, viel Ballbesitz, ein schnelles Hin und Her. Ronald Brunmayr (46), Meistertrainer von Blau-Weiß Linz, ist skeptisch: „Die Saison war für die Spieler herausfordernd. Ich weiß nicht, ob sie auf dem höchsten Level sein werden.“ Europameister werde, wer am besten mit den äußeren Umständen umgehen könne. „Nicht euphorisch, demütig, hoch motiviert“ sollten die Österreicher in das Turnier gehen. Den Aufstieg in das Achtelfinale hält er für möglich.

Ob verdient oder glücklich, eines der 24 Teams wird am Ende den Pokal stemmen dürfen. ÖFB-Boss Windtner beschreibt seinen Favoritenkreis so: „Tatsache ist, das England sehr stark sein wird, Frankreich zu den führenden Nationen zählt und man Italien nicht unterschätzen darf.“ Katharina Meßthaler vermutet, „dass Spanien heuer wieder gute Karten haben wird“. England und Frankreich schätzt sie ebenfalls hoch ein. Frankreich, England, Belgien sind für Thalhammer die heißesten Titelanwärter. Heraf weicht vorerst aus: „Immer, wenn ich so etwas gesagt habe, bin ich meilenweit danebengelegen.“ Dann wagt er doch eine Prognose: „Belgien ist sicher sehr hoch einzuschätzen.“ Brunmayr hat ebenfalls Belgien auf der Rechnung, hinter Frankreich. Sein „Außenseitertipp“ lautet Deutschland, womöglich eine höfliche Geste. Er wird bald bei Eintracht Frankfurt Oliver Glasner als Co-Trainer zuarbeiten. Dass bei der EM nicht mehr Landsleute dabei sind, ist nach Ansicht des Oberösterreichers Windtner wesentlich darauf zurückzuführen, „dass der LASK zum Saisonfinale nicht so performt hat wie vorher“. Thalhammer ist nicht enttäuscht, sondern stolz auf Schlager. Und er ist zuversichtlich, dass in Zukunft wieder mehrere Schwarz-Weiße dabei sein werden. Ried-Coach Heraf hat auch einen Kandidaten anzubieten: Samuel Sahin-Radlinger (28). „Er hat eine überragende Saison gespielt und war im Frühjahr mit Sicherheit der beste Torhüter in Österreich.“ Er bringe alles mit und sei „ein Prototyp von einem Nationaltorhüter“. Dieses Mal sei es sich nicht mehr ausgegangen, die EM sei jedoch ein Cut, argumentiert Heraf: „Ich bin überzeugt, dass er ein Thema wird.“

Taktik, Spielsystem, Motivation – letztendlich geht der Erfolg auch durch den Magen. Somit ist eine zentrale Position im rot-weiß-roten Team gleich mit zwei Oberösterreichern besetzt. Fritz Grampelhuber (37), Juniorchef vom Steegwirt in Bad Goisern, und sein Bruder Tamino (29) bekochen die Nationalkicker. Sie stehen seit einigen Jahren in Diensten des ÖFB, kennen die Vorlieben der Spieler. Und ihre Extravaganzen „Gesund und gschmackig“ nennt Haubenkoch Fritz Grampelhuber seine kulinarische Devise.

Was er vor dem Auftaktspiel gegen Nordmazedonien am kommenden Sonntag Stimulierendes auftischen wird, ist noch Küchengeheimnis.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.