Chronik | Oberösterreich
14.10.2018

Fitness-Stationen und Bio-Läden

Australien. Down Under hat wegen der zunehmenden Fettleibigkeit das Ruder radikal herumgerissen

Habe ich Ihnen vergangene Woche noch vom Großglockner geschrieben, melde ich mich heute vom anderen Ende der Welt, nämlich aus Australien. Ich darf wieder das härteste Mountainbikerennen der Welt, die Crocodile Trophy, als Rennärztin begleiten. Zurzeit hat mich allerdings weniger das Radfieber, sondern mehr der Jetlag voll im Griff.

Acht Stunden Zeitverschiebung bringen die innere Uhr gehörig durcheinander. Heute Nacht lag ich wach und habe nur darauf gewartet, bis es hell genug zum Laufen wurde. So machte ich mich bei Sonnenaufgang zur wunderschönen Esplanade in Cairns auf und war auf einen einsamen Lauf eingestellt. Falsch gedacht - bereits um sechs Uhr morgens war die Promenade stark bevölkert, wahre Menschenmassen tummelten sich beim Joggen oder Walken. Entlang der Strecke sind alle paar hundert Meter Fitnessstationen eingerichtet, ähnlich den alten Trimm-dich-Pfaden bei uns. Nur, dass hier tatsächlich Geräte wie in einem Studio stehen. Alt wie Jung nutzt diese Stationen für ein paar Bauchübungen, Bankdrücken, Leg Curls oder Lat-Ziehen. So fördert Australien die Gesundheit der Bevölkerung, was mich schwer beeindruckt hat.

Bereits gestern ist mir in einem Einkaufszentrum etwas sehr positiv aufgefallen. Der Food-Court, also die Genussmeile, besteht nicht nur aus Fast Food-Läden, im Gegenteil. Das Angebot reichte von der Smoothie Bar über mehrere Bio-Bäckereien und Obststände bis zum Sushi-Stand. Nachdem auch in Australien nach dem Milleniumswechsel die Fettleibigkeit zu explodieren drohte, versucht man nun seit einigen Jahren das Ruder herumzureißen. Und das gefällt mir gut: in Einkaufszentren nicht nur Essen von amerikanischen Ketten anzubieten, sondern lokale Nahrungsmittel, fettarm und frisch. Von öffentlicher Hand gebotene Möglichkeiten, kostenlos und leicht zugänglich zu trainieren – so kann das wirklich funktionieren!

Die Australier befanden sich 2015 auf Platz 30 der fettleibigsten Völker, nun rutschen sie bereits weiter nach hinten. Natürlich liegt es nicht nur an den Regierungen, ob die Bevölkerung übergewichtig wird, einen Löwenanteil in der Ernährung macht natürlich auch die Portionsgröße aus. Auch hier ist mir gestern etwas aufgefallen. Traditionellerweise besuchen wir vom Team ein Mal die Night Markets, eine Halle mit durchwegs asiatischen Ständen.

Night Markets

Auch hier gibt es einen Food Court. Ich habe mir eine Portion Sushi gegönnt, meine Kollegen vietnamesische oder chinesische Gerichte. Hinter uns in der Halle saß eine Frau, die sich sage und schreibe dreistöckig frittiertes Essen aufgeladen hatte und tatsächlich alles vertilgte.

Es gibt aktuelle Untersuchungen, die zeigen, dass sich die Portionsgrößen fatal auswirken. Selbst für jene, die als Kinder nicht aufessen mussten. Man isst nämlich nicht nur mehr – selbst wenn man etwas übrig lässt –, sondern nimmt auch größere Bissen. So kommt im Bauch gleich doppelt mehr an. Auch mit der Größe des Tellers kann man sich austricksen: Erstens ist ein kleiner Teller schneller voll. Und zweitens konnte in Studien gezeigt werden, dass man aus einer großen Schüssel mit Knabbereien insgesamt mehr isst als aus einer kleinen, selbst wenn diese nicht bis oben gefüllt ist.

Die Mountainbiker bei der Crocodile Trophy kennen diese Probleme natürlich nicht. Nächste Woche werde ich Ihnen berichten, was im australischen Outback gekocht und gegessen wird, und natürlich auch, wie sich die österreichischen Starter schlagen.

Silke Kranz ist Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell