Silke Kranz, Ernährungs- und Sportmedizinerin

© Pia Paulinec

Ernährung
10/09/2019

Finger weg von der Schilddrüse!

Die Schilddrüse hat eine Vielzahl von wichtigen Funktionen. Jod unterstützt sie. Von Silke Kranz.

Immer wieder suchen PatientInnen meine Ordination auf in der Hoffnung, an einer Störung der Schilddrüsenfunktion zu leiden, weil das eine plausible Erklärung für eine Gewichtszunahme oder eine fehlende Gewichtsabnahme wäre.

Stoffwechsel

Es stimmt, Schilddrüsenhormone sind unter anderem für den Stoffwechsel mitverantwortlich, doch besitzen sie noch eine Menge anderer Funktionen, sodass eine Erkrankung sicherlich nicht wünschenswert ist. Die Schilddrüse ist unsere größte endokrine Drüse. „Endokrin“ bedeutet, dass Hormone ins Blut abgegeben werden. Sie befindet sich vor dem Kehlkopf. Wofür ich als im Exil lebende Steirerin außer für meinen einzigartigen Dialekt aufgezogen werde, ist der für Steirer (früher) typische Kropf. Das ist eine teils massive Vergrößerung der Schilddrüse, die in Jodmangelgebieten sehr häufig aufgetreten ist. Denn tatsächlich stellen die Schilddrüsenhormone Jodverbindungen dar. Fehlt dieses, möchte das Organ trotzdem richtig funktionieren, arbeitet immer weiter und wird dadurch vergrößert.

Überfunktion

Kreisen zu viele Hormone im Blut, besteht eine Schilddrüsenüberfunktion. Diese äußert sich durch beschleunigten Herzschlag, erhöhten Blutdruck, unabsichtliche Gewichtsabnahme und Nervosität sowie Zittern. Durch diese Symptome entsteht auch häufig ein Hitzegefühl. Eine Unterfunktion bewirkt das Gegenteil: der Puls ist verlangsamt, das Energielevel befindet sich im Tal, ständiges Empfinden von Kälte und eben eine Gewichtszunahme können Begleiterscheinungen darstellen.

Blutprobe

In der Praxis ist eine Störung der Schilddrüsenfunktion leicht zu diagnostizieren: Ihr Hausarzt kann eine Blutprobe entnehmen. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, werden Sie zum Nuklearmediziner weitergeschickt. Ist tatsächlich etwas aus dem Lot, gibt es Medikamente, die die Schilddrüse soweit unterstützen, dass die Hormonkonzentration im Blut wieder stimmt. Wenn Sie nun denken: Super, dann könnte ich ja vor der nächsten Bikini-Saison einfach Schilddrüsenhormone einnehmen und dann erspare mir (und meiner Familie) die alljährliche Krautsuppendiät!

Kontrolle

Menschen mit Essstörungen – und auch Models – versuchen das in der Realität immer wieder. Da die Schilddrüse noch andere entscheidende Aufgaben für den Stoffwechsel und auch das Nervensystem hat, kann ich Ihnen nur mit aller Vehemenz sagen: Lassen Sie die Finger davon! Wollen Sie Ihre Schilddrüse unterstützen, achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Iod aber auch anderen Mikronährstoffen wie Selen. Vitamin D und K tragen ebenfalls zu einer optimalen Funktion bei. Wie immer ist es besser, diese Stoffe kontrollieren zu lassen, bevor man unkontrolliert etwas einnimmt oder etwas beeinträchtigt.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin