Erneuerbare Energien sind alternativlos

Die Umstellung auf Erneuerbare ist wichtiger denn je – um das Klima zu schützen und die Abhängigkeiten aus dem Ausland zu verringern. Potenzial für den Ausbau gibt es genug. Von Karl Leitner.
Hopfen-Agri-Photovoltaik-Anlage

„Wir leben in einer Zeitenwende“, sagte Christoph Dolna-Gruber von der Austria Energy Agency beim Energie-Event „Energie-Zukunft“, zu dem die Chefs der eww-Gruppe, Florian Niedersüß und Wolfgang Nöstlinger, kürzlich ins Museum Angerlehner nach Wels geladen hatten.

Im Mittelpunkt der Vorträge stand die Transformation von einer „fossilen“ Gesellschaft zu einer, die auf nachhaltige Energieträger setzt. Das Ziel müsse sein, die Eigenversorgung noch mehr zu stärken, so Dolna-Gruber. Der Anteil der Erneuerbaren am Verbrauch liege in Österreich bei 43 Prozent, somit entfallen 57 Prozent noch immer auf fossile und damit klimaschädliche Energieträger. Der größte Teil davon wird importiert – darunter Gas, das mit dem Rückgang der russischen Gaslieferungen durch „extrem klimaschädliches“ (Dolna-Gruber) Liquified Natural Gas (LNG bzw. Flüssiggas) ersetzt wurde. Aktuell hat US-LNG-Gas 25 Prozent Anteil an den Gasimporten nach Österreich.

„Wärmewende“

Dolna-Gruber sieht die Lösung u. a. in einer „Wärmewende“ – d. h. noch mehr Einsatz von Wärmepumpen, Geothermie, Biomasse und Nutzung von Abwärme – „und es gibt noch genug Potenzial zum Ausbau von Windkraft und Photovoltaik“. Dass um Erneuerbare kein Weg herum führt, belegte eww-Chef Niedersüß mit Zahlen: So wurden 2024 weltweit 585 Gigawatt (GW) Energieleistung neu installiert, wobei 92,5 Prozent „Erneuerbare“ waren. Niedersüß: „Wir sind in einer exponentiellen Entwicklung in Richtung Erneuerbare.“ Das zeige, „wie stark die Energiewende da ist.“ eww habe sich der Dekarbonisierung verschrieben, was sich unter anderem im 2020 finalisierten, 48 Millionen Euro teuren Kraftwerk Traunleiten zeige, das jährlich 90 Gigawattstunden grünen Strom liefert.

Grüner Stahl

Auch bei der voestalpine AG, mit zehn Prozent Anteil am österreichischen Gesamt-CO2-Ausstoß größter Emittent der Republik, stehen die Zeichen auf Klimaschutz. In exakt einem Jahr, am 8. Februar 2027, soll die erste Stufe des bisher größten Umweltprojekts in der Unternehmensgeschichte – die Erzeugung von grünem Stahl – in Linz in Betrieb gehen, wie Hubert Zajicek, Vorstand der Division Steel, schilderte. Gemeinsam mit dem Start eines Elektrolichtbogenofens in Donawitz wird der CO2-Ausstoß der Voest schlagartig um 30 Prozent gesenkt.

2050 kein CO2 mehr

In einem weiteren Schritt soll er ab Mitte der 2030er-Jahre auf 50 Prozent des Wertes von 2019 sinken, so Zajicek. „Unser Ziel ist ,Net Zero‘ im Jahr 2050.“ Der letzte Schritt sei noch technologieoffen, denn der Strom dafür ist nach derzeitigem Stand noch nicht verfügbar. Es werde an drei Optionen geforscht, darunter die Herstellung von Rohstahl mithilfe von Wasserstoffplasma.

Wie dringend die weitere Senkung des CO2-Ausstoßes ist, zeigte der ehemalige ORF-Wetterexperte Marcus Wadsak auf: „Die die letzten zwölf Jahre waren die wärmsten zwölf der gesamten Klimamessung.“ Das Klimaziel von 1,5 Grad Erderwärmung sei de facto nicht mehr haltbar und werde 2030 „endgültig durchbrochen“. Es sei zu befürchten, dass die Erwärmung im Jahr 2100 bei 2,8 Grad liegt – mit unabsehbaren Folgen. Wadsak: „Mehr Wärme heißt mehr Energie und somit noch mehr Extremwetterereignisse.“

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