Chronik | Oberösterreich
13.01.2019

Erfahrung ist der beste Lehrmeister

Wilhelm Raabe meint, man muss in den Dreck hineingeschlagen haben, um zu sehen, wie weit er spritzt

„Dem, was ich selbst geschaut, gehört, gelernt habe, gebe ich den Vorrang“, wusste schon der alte Grieche Heraklit. Der Römer Julius Cäsar pflichtete ihm bei: „Die Erfahrung ist die Lehrmeisterin in allem.“

Als Erfahrung bezeichnet man allgemein die durch Wahrnehmung und Lernen erworbenen Kenntnisse und Verhaltensweisen oder im Sinne von Lebenserfahrung die Gesamtheit aller Erlebnisse, die eine Person jemals gehabt hat. Erfahrungen sind Erlebnisse. Wir müssen mit jeder Erfahrung leben und daraus lernen. Primärerfahrungen sind unmittelbare Erfahrungen, die in direkten Kontakt mit Mitmenschen oder einem Objekt gemacht werden. Erfahrungen, die man aus der Wahrnehmung anderer übernimmt, sind Sekundärerfahrungen. Hierzu zählen beispielsweise Erfahrungen, die durch Massenmedien vermittelt werden.

Unter Erfahrungsaustausch versteht man das gegenseitige Lernen. Wir machen als Kinder Erfahrungen. Aber nicht nur als Kinder, sondern wir machen sie bis zum Schließen unserer Augen. Das Leben besteht aus Erfahrungen. In der Regel wollen wir in der Jugend keine Erfahrungen mitnehmen, da wir meist selbst die Erfahrung sind. Zumindest glauben wird das. Wir sind die Schönsten, die Besten und wissen alles besser. Für die Jugend sind erfahrene Menschen alte Menschen. Das ist auch nichts Schlechtes, denn jeder muss seine eigenen Erfahrungen sammeln. Diese sind gerade in diesem Jugendalter oft sehr schmerzhaft und sie können für den weiteren Lebensweg prägend sein. Leider zerbrechen sehr viele Jugendliche an diesen Erfahrungen, weil sie sich vernachlässigt fühlen und keine Unterstützung bekommen. Sie können mit den gemachten Erfahrungen nicht richtig umgehen. Das Abgleiten in negative Verhältnisse ist dann häufig die Folge. Hier sind die Eltern aufgerufen, ihren Kindern Unterstützung zu geben, alleine mit der Freiheit ist es hier nicht getan. Nehmen Sie an den Erfahrungen Ihres Kindes teil. Aber nicht im Sinne von Schulmeistern. Geben Sie keine Ratschläge, sondern sagen Sie vielmehr, Du bist in dieser Erfahrungssituation, ich kann Dir nur Unterstützung geben mit allem, was ich habe.

Teuer bezahlen

Die Erfahrungen sind verschiedenartig: Erste Erfahrung mit falschen Menschen, erste Erfahrungen mit schlechten Leistungen. erste Erfahrungen mit sich selbst. Abschließend einige Zitate. „Für Erfahrungen muss man teuer bezahlen, und trotzdem will niemand sie haben, wenn man sie verschenken möchte“ (Ludwig Börne war ein deutscher Journalist, Literatur- und Theaterkritiker im 18.Jahrhundert). „Erfahrung ist der beste Lehrmeister, nur das Schulgeld ist hoch“, meinte Thomas Carlyle, schottischer Philosoph im 18./19. Jahrhundert. „Vergeben und Vergessen heißt, gemachte kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen“, so der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer. „Man muss in den Dreck hineingeschlagen haben, um zu wissen, wie weit er spritzt“, so der der Schriftsteller Wilhelm Raabe. „Vieles erfahren haben heißt noch nicht, Erfahrung zu besitzen“ (Marie von Ebner-Eschenbach).

Alois Zangerle ist Unternehmensberater und akademischer Exportkaufmann, www.alois-zangerle.at, office@alois-zangerle.at