© Kumplgut

Chronik Oberösterreich
01/06/2020

Eine unbeschwerte Auszeit von schwerer Krankheit

Auf dem Erlebnishof Kumplgut in Wels urlauben schwer kranke Kinder mit ihrer Familie zwei Wochen im Jahr kostenlos.

von Claudia Stelzel-Pröll

Alles begann mit einem persönlichen Schicksal: Als der ehemalige Profi-Fußballer Jürgen Müller an Krebs erkrankte, verbrachte er viel Zeit in Krankenhäusern. Dort kam er regelmäßig in Kontakt mit Kindern, die auch, gemeinsam mit ihren Familien, gegen die Krankheit kämpften. Daraus entstand die Idee, einen Erlebnishof ins Leben zu rufen, in dem schwer kranke Kinder mitsamt ihren Familien kostenlos urlauben und sich von den Strapazen erholen können.

Auf dem Erlebnishof

Für das Projekt wurde ein Bauernhof mit ruhiger Lage gesucht. Und gefunden: In Wels-Oberlaab stellte Familie Bauer ihren Hof zur Verfügung. Ab 2009 wurde mit vielen freiwilligen Helfer umgebaut und 2011 wurde aus der Idee Wirklichkeit: Das Kumplgut konnte eröffnet werden. In diesem Jahr verlor der Initiator Jürgen Müller seinen Kampf gegen den Krebs.

2016 übernahm dann Florian Aichhorn die Verantwortung und stellte das Kumplgut komplett neu auf. Der Tourmanager erklärt, wer denn aller ins Kumplgut kommen darf: „Schwerkranke Kinder zwischen 0 und 14 Jahren können mit ihrer gesamten Familie pro Jahr insgesamt zwei Wochen Urlaub bei uns machen.“

Gebucht wird wie im Hotel. Wenn frei ist, gibt es eine Zusage, sonst wird ein Ersatztermin gesucht. Ob die zwei Wochen am Stück oder verteilt über das Jahr konsumiert werden, bleibt den Familien ebenfalls offen. Maximal 21 Betten stehen zur Verfügung.

Mit Herz und Hirn

Außerdem gibt es pädagogische Betreuung von geschultem Personal für die Kinder, „halt alles mit Hirn, Herz und Hausverstand. Wenn ein Kind soeben eine Transplantation hinter sich hat, werden wir mit diesem Kind keinen Waldlauf machen,“, versichert Florian Aichhorn. Gemeinsame Ausflüge, der Besuch bei Therapiepferden und -hunden, Aktivitäten auf dem riesigen Freigelände, im Spielezimmer drinnen oder im soeben fertiggestellten Kinosaal sollen beim Abschalten helfen.

„Die Kinder und ihre Familien sollen die schrecklichen Erlebnisse der vergangenen Jahre und Monate bei uns zumindest für eine kurze Zeit vergessen können“, hofft der Leiter, und: „Familien sollen wieder zusammen geschweißt werden. Denn so eine schwere Erkrankung ist nicht nur schlimm für das Kind, sondern auch eine arge Belastung für alle beteiligten Familienmitglieder.“

Freundschaften

Ganz wichtig sei auch der Austausch zwischen den Familien, „Freundschaften entstehen und es wird viel geredet. Denn niemand versteht Betroffene natürlich so gut wie andere Betroffene.“ 40 Prozent der Kinder, die das Kumplgut besuchen, sind palliativ vor Ort: „Alleine diesen Sommer sind wir wieder acht Kinder gestorben, die schon ein Mal bei uns auf Urlaub waren“, sagt Florian Aichhorn. Umso wichtiger sei das Team, das die Familien in diesen oft extremen Situationen betreut: „Wir arbeiten nicht hier, wir leben für dieses Projekt. Das ist unsere Herzenseinstellung, bei unserer Reinigungsfachkraft genauso wie bei den Pädagoginnen und bei mir als Geschäftsführer.“

Patenschaften

Finanziert wird das Kumplgut durch Patenschaften und Spenden, „wir sind staatlich nicht subventioniert.“ Dafür hat Florian Aichhorn immer jede Menge spannende Ideen, das Kumplgut bekannter zu machen, etwa den jährlichen Kekserlmarkt. „Begonnen haben wir mit 300 Kilogramm, 2019 haben wir eine Tonne und 21 Kilogramm Kekse verkauft. 5287 Menschen haben uns an diesem einen Tag auf dem Kumplgut besucht“, freut sich der Geschäftsführer. Mit den Einnahmen können wieder allerhand Fixkosten des Erlebnishofes abgedeckt werden.

„Das Schönste wäre ja, wenn niemand mehr zu uns kommen müsste, weil es keine kranken Kinder gibt. Aber bis dahin geben wir hier unser Bestes, um den Familien eine unbeschwerte Auszeit zu ermöglichen.“

www.kumplgut.at