Das Musical „Ein Amerikaner in Paris“, das im Linzer Musiktheater gespielt wird, ist bis zum Spielende im März ausverkauft.

© Landestheater Linz/Barbara Palffy

Chronik Oberösterreich
01/06/2019

„Eine ganz problematische Debatte“

Der Theater-Zank zwischen Stadt Linz und Land droht zu spalten, meinen Kulturverantwortliche

Politik ist immer auch Verteilungskampf: Wofür wird wie viel Geld ausgegeben? Welche Prioritäten werden gesetzt? Was hat Vorrang, wo wird gekürzt? Und das alles im Lichte unterschiedlicher, wechselnder Mehrheitsverhältnisse, budgetärer und ideologischer Zwänge.

Die Aufkündigung des Theatervertrags mit dem Land Oberösterreich durch die Stadt Linz hat eine politische Debatte über diese Fragen eröffnet. Während gewisse Gesellschaftsbereiche in der Regel außer Streit stehen, geraten andere rasch in die Konfliktlinie. Kultur versus Sport ist eine solche Sollbruchstelle. In der Breite, etwa bei der Ausrüstung von Musikkapellen oder beim Bau von Sportanlagen in den Gemeinden, herrscht weitgehende Einigkeit.

Für ein Miteinander

Je mehr es in die Spitze geht, umso strittiger wird das Ganze. Und je mehr sich Politik in einfachen Sprachbildern selbst erklärt, umso mehr verläuft der öffentliche Diskurs flach und mündet allzu leicht im simplen Abtausch. Was ist wichtiger: Geld für die Kunst oder für ein neues Fußballstadion an der Peripherie?

„Ich finde das sehr schade und plädiere für ein Miteinander“, sagt Hemma Schmutz, Künstlerische Direktorin des Museum Lentos. „Es ist auch innerhalb der Kunst schlecht, wenn etwas gegeneinander ausgespielt wird.“ Das gelte ebenso für das Verhältnis zwischen Kultur und Sport, der ohne Zweifel viele Aspekte und nicht zuletzt auch eine gesundheitspolitische Funktion habe. „Aber es gibt auch Auswüchse“, kritisiert Schmutz politische Einseitigkeit: „Zum Beispiel ein Stadion zu bauen, das niemand benutzt.“ Sie rede von Kärnten, ihrem Heimatland, betont die Museum-Chefin. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2008 seien Millionen in ein neues Stadion in Klagenfurt geflossen, in dem mangels sportlicher Verwendung jetzt allerlei Events stattfänden. Heuer sollen gar im Rahmen eines Kunstprojekts auf dem zumeist brachliegenden Rasen 200 Bäume gepflanzt werden. Für das geplante LASK-Stadion gebe es seit langem politische Versprechen, die eingehalten werden sollten, legt Schmutz Wert auf Differenzierung und Verlässlichkeit: „Man wird sehen, wie es mit diesem Projekt weitergeht.“

„Ich sehe da gar keinen Konflikt“, sagt Landestheater-Intendant Hermann Schneider. Alle Beteiligten – Sportbegeisterte, Kulturschaffende, Politik, Medien – sollten sich keinesfalls in einen solchen Verteilungsdiskurs begeben, warnt er. „Das ist eine ganz problematische Debatte. Man spielt unterschiedliche gesellschaftliche Interessen gegeneinander aus. Und das führt dazu, dass plötzlich Verwerfungen und Risse in der Gesellschaft entstehen.“ Schneider möchte das Thema grundsätzlich diskutiert wissen. „Mit welcher Ausstattung des öffentlichen Lebens bildet man den Humus in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft völlig zentrifugal ist?“ Beides, Sport wie Kultur, böten die Möglichkeit zur Begegnung von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft. Hier wie da würden Menschen zusammengeführt, während alles auseinander drifte. Pflicht der Politik und große Herausforderung sei es deshalb, beide Bereiche zuzulassen und zu fördern. Nicht zuletzt gehe es darum, voneinander zu profitieren, argumentiert Schneider. Kultur könne sehr viel vom Sport lernen, etwa wie sich junge Menschen aktiv beteiligten und nicht nur Konsumenten seien. Umgekehrt könne sich der Sport von der Kunst zu einer Wertedebatte jenseits von Sieg und Kommerz animieren lassen. „Was bedeuten Fairness, Offenheit, Toleranz für eine Gesellschaft?“

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