Chronik | Oberösterreich
24.06.2018

Durchkriechen befreit von Sünden

Wer durch die "Bucklweh Luck'n" in St. Thomas klettert wird vom Kreuzweh geheilt.

Nie mehr Rückenschmerzen. Die „Bucklweh Luck’n“, auch „Blasenstein“ genannt, soll es möglich machen. Die zwei markanten, fünf Meter hohen Granitsteine befinden sich direkt im Ortszentrum der Mühlviertler Gemeinde St. Thomas.

Es ist herausfordernd, durch die schmale Spalte zwischen zwei mächtigen Felsblöcken durchzukriechen, die die „Bucklweh Luck’n“ bilden. Diese Tradition dürfte bis in die Urgeschichte zurückreichen. Der magisch denkende Mensch glaubte damals, dass er beim Durchkriechen seine Krankheiten und auch seine Sünden abstreift. Der Legende nach wohnt tief unter den Steinen ein Ungeheuer, das vom Apostel Thomas persönlich eingesperrt wurde. Bisweilen stöhnt das Untier unter der Last und stößt heißen Dampf aus. Die moderne Wissenschaft bestätigt jedenfalls, dass hier eine starke Radonstrahlung aus den Tiefen des Granits austritt.

In der Nähe des Blasensteins befindet sich die oberste Station des Schmetterlingsweges. Die Duftstoffe an dem erhöht liegenden Landschaftspunkt locken die Schwalbenschwanz-Männchen zur Gipfelbalz. Die stärksten Männchen vertreiben ihre Konkurrenten durch gezielte Flugmanöver. Vielleicht haben sie dann auch Muße, die prächtige Aussicht zu genießen. Wir tun das jedenfalls ausgiebig. Der Blick reicht jenseits der Mühlviertler Hügel vom Ötscher über Priel und Dachstein bis zum Traunstein. Dann aber geht’s hinunter in die reizvolle Mühlviertler Landschaft. Aus mehreren Rundwanderwegen wählen wir den neun Kilometer langen S 4. Vom 723 m hoch gelegenen Ortszentrum führt der Weg in nördlicher Richtung talwärts. Ein kleiner Abstecher führt zum markanten Felsgebilde „Hoanl“, ein Ausdruck für einen kleinen Hain. Gewaltige Felsblöcke haben einen höhlenartigen Unterstand gebildet. Ein mystischer Ort, der auch von der Zunft der Wagner genutzt wurde. Holz wurde in einem Brennkessel erhitzt und dann in runde Schlittenkurven gebogen. Daher rührt auch der Name „Brennluck’n“ für diesen Ort.

Vorbei an einem zwölf Meter hohen Heimkehrerkreuz, das die Überlebenden zur Erinnerung an die zahlreichen Kriegstoten errichtet haben, führt der Weg zu einem Bauernhof. Friedlich weiden schwarze Alpakas. Die entspannten Tiere haben sich hier sichtlich gut eingelebt. Auf ihrer Weide ragen immer wieder Stellen mit blanken Granit aus der Wiese. Vielleicht fühlen sie sich so an ihre Urheimat Peru erinnert.

Auf Wald- und Wiesenwegen geht es fast 250 Höhenmeter hinunter bis zum Käfermühlbach, um sich in einem großen Bogen wieder dem Ausgangspunkt zu nähern. Der weithin sichtbare Kirchturm von St. Thomas gibt eine gute Orientierung. Ein sanft geschwungener Wiesenweg führt zu einem eingezäunten Wasserbecken. Hier gibt es Interessantes zu erfahren. Der Besitzer Hans Auer beobachtet gerade seine Fische, die er in dem früheren Löschteich züchtet. Täglich füttert er einen 140 cm langen Stör, der sich gut versteckt in der Tiefe aufhält. Mit gemächlichen Anstiegen wird wieder der Ausgangspunkt im hoch aufragenden St. Thomas erreicht, wo Interessierte in der Kirche sich den luftg’selchten Pfarrer besichtigen können.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Natur und Kultur.