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Genuss
12/06/2020

Die Menge macht’s aus bei Keksen

Weihnachtskekse müssen nicht picksüß sein, um zu schmecken. Ernährungsexpertin Julia Plöchl erklärt die Alternativen

von Claudia Stelzel-Pröll

50 Kalorien pro verdrücktem Vanillekipferl sind ja ein Klacks, mag sich der eine oder die andere denken. Stimmt schon, nur wer zehn Stück davon mampft, hat bereits den Energiegehalt einer ganzen Hauptmahlzeit zu sich genommen. Wer es im Advent gerne süß mag und bei Keksen nicht widerstehen kann, braucht kein schlechtes Gewissen haben. Die Devise lautet hier – wie in vielen anderen Situationen des Lebens auch: Die Menge macht’s aus. Und die Inhaltsstoffe sind auch nicht unwichtig.

„Es macht keinen Unterschied, ob jemand weniger von ganz normalen oder mehr von gesunden Keksen isst. Die Balance muss einfach stimmen“, sagt eine, die es wissen muss. Julia Plöchl ist Diätologin und Ernährungsberaterin. Gemeinsam mit Marlene Jagersberger und Hildegard Lidauer betreibt sie die diätologische Praxis „Ernährungsliebe“ mit Standorten in Linz, Leonding und Wels.

Jahr der Chancen

Für die drei Unternehmerinnen war heuer natürlich ebenfalls ein angespanntes Jahr: „Es ist wirtschaftlich dramatisch, das kann man nicht beschönigen. Aber wir sehen 2020 auch als das Jahr der Chancen und konnten viele Dinge umsetzen, die wir schon lange in den Hinterköpfen hatten, für die nur bis jetzt immer die Zeit gefehlt hat.“ So bietet das Team von Ernährungsliebe nun verstärkt Online-Angebote an, etwa zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge oder auch ein virtuelles Einkaufstraining: „Viele Menschen sind durch die Fülle an Zutaten im Supermarkt überfordert, wissen nicht, worauf sie achten sollen. Es kursieren ja auch viele Mythen zu den verschiedensten Inhaltsstoffen. Da setzen wir an, klären auf und schaffen den Überblick“, erklärt Julia Plöchl.

Der Trend gehe derzeit definitiv dahin, viel zu Hause zu kochen und zu backen – „und das ist prinzipiell gut. Die Menschen haben aktuell mehr Zeit, sich mit der Ernährung und den verschiedenen Zutaten zu beschäftigen. Im Lockdown gibt es zwei Richtungen: Die, die sich bewusster ernähren. Und die, die aufgrund von Stress oder Frust mehr und ungesünder essen“, so die Expertin.

Auch bei den Weihnachtskeksen dürfen es heuer nicht nur die kalorienreichen Klassiker sein: „Es gibt viel Interesse an gesunden und jenen Keksen, die frei von weißem Zucker sind“, sagt Julia Plöchl. Für den KURIER hat das Ernährungsliebe-Team zwei besondere Rezepte, komplett ohne Industriezucker, entwickelt. Wer im Internet auf der Suche nach Rezepten ist, muss genauer hinschauen: „Da gibt es viele Kekse, die als gesund oder zuckerfrei angepriesen werden, aber trotzdem sehr kalorienreich sind. Außerdem muss man sich halt bei exotischen Alternativen wie Agavensirup oder Kokosblütenzucker überlegen, wo denn die Produkte herkommen und welche Transportwege sie bereits hinter sich haben.“

Zuckeraustauschstoffe wie Birkenzucker, Erythrit und Süßstoffe haben tatsächlich weniger Kalorien. Auch Honig oder Trockenfrüchte sind alternative süßende Lebensmittel.

Keine Verbote

„Wie gesagt, es kommt einfach auf das richtige Maß an. Zucker per se ist nicht gesundheitsschädigend und komplette Verbote oder starke Einschränkungen helfen niemandem“, erklärt die Expertin.

www.ernaehrungsliebe.at

Weihnachtliche Hafercookies ohne weißen Zucker

Zutaten für ca. 1 Blech 

•    120 g Haferflocken
•    60 g geriebene oder ganze Walnüsse
•    2 EL Apfelmus
•    1 EL Rapsöl
•    1 EL Rosinen oder Cranberries
•    1 EL Honig
•    1 TL Zimt oder ein anderes weihnachtliches Gewürz

Zubereitung

Die Walnüsse in der Küchenmaschine hacken. So lange, bis das Öl aus den Nüssen tritt und eine feine Masse entsteht (dauert in etwa 5 Minuten). Dann Haferflocken, Apfelmus, Rapsöl, Rosinen sowie Honig und Gewürze dazugeben und in der Küchenmaschine alles vermengen. Gleichmäßige Kugeln formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, dann zu Cookies zusammendrücken.
Bei 170° C Ober-/Unterhitze ungefähr 10 bis 12 Minuten backen, je nachdem wie dick die Cookies sind.

„Hafercookies“ und „Nussecken“  wurden vom „Ernährungsliebe“-Team für den KURIER entwickelt und getestet 

Nussecken, gesüßt mit Birkenzucker oder Erythrit

Zutaten für 1 Auflaufform

•    2 Eier
Prise Salz
•    80 g Erythrit (oder Birkenzucker)
•    150 g Haselnüsse
•    40 g Zartbitterschokolade
•    Zimt/Lebkuchengewürz und Zartbitterschoko als Deko
 

Zubereitung

Eier trennen. Den Eischnee mit einer Prise Salz steif schlagen und beiseitestellen. Die Haselnüsse in der Küchenmaschine fein hacken und wieder in eine Schüssel geben. Die Eidotter zusammen mit dem Erythrit schaumig schlagen. Gehackte Haselnüsse dazugeben. Zartbitterschokolade hinzufügen und alles  kurz durchmischen. Zum Schluss den Eischnee unter die Masse heben. Die Masse in eine mit Backpapier belegte Auflaufform streichen. Im Ofen bei 160 °C Ober-/Unterhitze ca. 30 Minuten backen. Sehr gut auskühlen lassen (Masse ist anfangs weich), danach in Ecken schneiden. Zartbitterschokolade in einer Edelstahlschüssel über Wasserdampf schmelzen, die Nussecken mit Schokolade sowie mit Zimt dekorieren

200 Kilo Kekserl aus der eigenen Backstube

Handwerk. Wenn die Felder abgeerntet sind, alles Obst verarbeitet und verkocht ist, geht es für Stefanie Langeder ab in die Backstube. Die ersten Bestellungen trudeln zwar schon im August herein, der Ofen wird aber erst im Oktober eingeschalten. Und ab dann geht es rund: Rund 200 Kilogramm Kekse backt die 30-Jährige jährlich, liefert aus, verkauft im Hofladen oder heuer auch über den eigenen Online-Shop.
Unter dem Namen Kekxeria (www.kekxeria.at) hat sich die Bewirtschafterin des Karglhofs in Mitterkirchen bereits einen Namen gemacht, „die Bestellungen werden jedes Jahr mehr.“ Und rein in die Kekse kommen nur beste Zutaten, „das meiste davon kommt direkt von mir vom Hof, die Marmeladen, die Nüsse, Dinkel und Weizen, die Eier. Mir und meinen Kunden sind die Inhaltsstoffe sehr wichtig“, sagt Langeder. 14 Sorten werden als genüsslicher Mix angeboten, „ich überlege mir auch jedes Jahr was Neues, heuer gibt es zum Beispiel Hokkaidokürbis-Dinkelkekse.“

Wenn das Backen vorbei und Weihnachten gekommen ist, kann die selbstständige Landwirtin keine Kekse mehr sehen: „Jeden Abend, wenn ich aus der Backstube rauskomme, rieche ich nach Butter und Zucker. Die Kekse, die ich selbst esse, kann man an einer Hand abzählen. Aber mein Papa, der ist der beste Tester“, lacht die Jung-Unternehmerin.

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