Die Aussichten für die Börsen sind positiv
Ein Fehler in der Geldanlage ist es, aus der regionalen Umgebung auf die Lage der Welt zu schließen; 2025 hat dies wieder bestätigt. Die Weltwirtschaft wird real um drei Prozent wachsen, nur das zählt in der Geldanlage – und nicht die Konjunktur im Heimatland.
Auch der Einfluss der Geopolitik auf die Börse wird überschätzt. Hätten Sie sich theoretisch das gesamte Jahr 2025 nicht mit den Aussagen des US-Präsidenten beschäftigt, hätten Sie dann ein schlechteres Anlageergebnis? Wohl nein. Auch im neuen Jahr wird es medialen Lärm geben. Ändert das etwas am Geschäftsmodell von erfolgreichen Unternehmen? In der Regel nein.
Übergeordnete Trends
„Debasement Trade“ ist das Börsenwort des Jahres. Die 30-jährigen Anleihen vieler Staaten wurden neu gepreist. Die Renditen sind so hoch wie seit Jahrzehnten nicht, die Finanzmärkte zeigten den Staaten die Gelbe Karte. Die hohen Schuldenstände, finanziert mit ungedeckten Währungen, schüren die Angst vor einer Abwertung, eben einem „Debasement“. Viele Gelder fließen daher in reale Assets, in Aktien und zuletzt auch massiv in Gold. Dieser übergeordnete Trend dürfte auch 2026 anhalten, zumal global betrachtet, viel Geld Veranlagung sucht.
Alois Wögerbauer ist Geschäftsführer der 3 Banken-Generali-Investmentgesellschaft
Die Weltwirtschaft wird auch 2026 wieder um drei Prozent wachsen. Die globalen Unternehmensgewinne sollten im Schnitt etwa acht Prozent zulegen. Künstliche Intelligenz (KI) wird an Breite gewinnen und die Produktivität in vielen Branchen verbessern. Das ist die zentrale Botschaft – und nicht die Diskussion, ob die eine Chip-Aktie überteuert ist. Wenn täglich über „Tech-Blase“ und „Crash-Gefahr“ diskutiert wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass dies eintritt. Börsenkorrekturen werden nie vorher in der Tageszeitung angekündigt.
Hälfte der Aktien in den USA anlegen
Der Leitzins der Europäischen Zentralbank wird wohl bis auf Weiteres auf dem Niveau von zwei Prozent bleiben. In den USA werden die Zinsen wohl noch zwei Mal um je 0,25 Prozent gesenkt werden. Insgesamt also eine Umgebung, aus der sich eine positive Sicht zum Aktienmarkt ableiten lässt. Die USA bleiben das Zentrum von Innovation und Produktivität, daher sollte mindestens die Hälfte des Aktienkapitals auch dort investiert sein. Sinkende US-Zinsen helfen grundsätzlich den Emerging Markets, China ist im Bereich KI und Elektromobilität mit an der Weltspitze. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung werden Emerging Markets von der Beimischung zum Pflichtteil.
Aufholpotenzial
Europa hat bewertungsmäßig Aufholpotenzial. Ebenso der heimische Aktienmarkt, der 2025 zu den zehn besten Börsenplätzen der Welt gehörte. Mit der heimischen Konjunktur hat dies wenig zu tun. Getragen war der Aufschwung von gut geführten Unternehmen mit internationalen Marktstellungen, vor allem in Osteuropa.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten der Geldanlage. Timing, was schwierig ist, oder Diversifikation, was einfach ist. Ein breites Investment in Anleihen, Aktien, Gold/Rohstoffen sollte auch 2026 eine Cash-Veranlagung schlagen. Warten Sie mit Ihren Investments nicht auf die perfekte Welt, es gibt sie nicht. Was es gibt, sind weltweites Wirtschaftswachstum und unternehmerischer Fortschritt.
Alois Wögerbauer ist Geschäftsführer der 3-Banken-Generali-Investmentgesellschaft.
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