Die ängstliche Katze

Seppy
Wir freuen uns immer, wenn viele Kinder zu uns ins Puppentheater kommen. Manchmal sind sie schüchtern und ganz still, dann wieder sind sie mutig und fiebern lautstark mit. Von Christa Koinig.

Aber auch hinter der Bühne ist es jedes Mal anders. Da gibt es vieles, was das Publikum zum Glück nicht sieht. Meistens geht’s ohnehin lustig zu, wenn einmal jemand falsch singt oder vor Aufregung kein Wort herausbringt. Hie und da kann es aber auch ein bisserl peinlich sein. Zum Beispiel, wenn die Zauberkiste nicht aufgeht, obwohl das zigmal geprobt wurde, oder der Kasperl stolz seine neue Mütze präsentiert, die er gar nicht aufhat, weil die Spielerin vergessen hatte, sie ihm aufzusetzen. Da können wir nur hoffen, dass uns das Publikum das nicht übel nimmt.

Die Katze will einfach nicht

Kürzlich wollte die Katze, die in unserem neuesten Stück mitspielt, absolut nicht auf die Bühne gehen. Alle haben gewartet, aber sie kam nicht. Sie hatte sich im hintersten Winkel versteckt und zitterte vor Aufregung. Da war guter Rat angesagt. Und der kam zum Glück in Gestalt unserer Omama. Sie ist nämlich immer mit dabei und unterstützt uns, auch wenn sie einmal keine Rolle zu spielen hat. Kurzerhand schnappte sie die Katze, drückte sie ganz fest an sich und strich ihr zärtlich über das Fell. 

Und was soll ich sagen? Schwupps sprang die Katze auf, tapste voller Freude auf die Bühne und spielte ihre Rolle großartig. Und sie bekam ganz viel Applaus. Aber was war passiert? Hatte Omama ihr etwas ins Ohr geflüstert? „Gar nichts habe ich zu ihr gesagt“, hat Omama gemeint, „manchmal ist man eben nicht stark genug, um stark zu sein. Da möchte man einfach nur festgehalten werden.“

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters

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