Der Zauber der Langsamkeit

Manchmal fällt es mir gar nicht so leicht, meine Geschichte zu schreiben. Von Christa Koinig.
Seppy

Ich möchte nämlich heute etwas über Langsamkeit machen. Das Kätzchen aus unserem neuen Theaterstück brachte mich auf die Idee. Es heißt „Langsam“. Langsam geht es jedoch jetzt gerade in der Welt nicht zu. Rennläufer schießen im Olympiatempo über steile Pisten, fliegen über Schanzen oder jagen in rasendem Tempo durch Eistunnel. Schneller, höher, weiter, besser! Ich seh’s ja ein, jeder möchte gewinnen.

Alles ist schnelllllebig

Doch es ist nicht nur beim Sport so. Unsere Zeit ist eben schnelllebig, und es scheint, als möchte das Wort selbst mit doppelt so vielen L geschrieben werden – schnellllllebig –, damit es noch rasender klingt. Die Katze Langsam hingegen schleicht über die Bühne, setzt vorsichtig Pfote vor Pfote und bleibt manchmal stehen, um in sich hineinzuhören. Oder sie schaut verträumt auf einen Punkt, der sie wohl an etwas Schönes erinnert. Ich beneide sie, denn ich möchte auch alles um mich herum beobachten und genießen – jedes Lachen der Kinder, jedes kleine Abenteuer auf der Bühne – ohne dass das alles zu schnell vergeht. 

Unsere kluge Omama meint dazu: „Langsamkeit ist wie ein köstlicher Braten, der lange vor sich hin schmurgelt oder wie guter Kuchen, der Zeit braucht, um aufzugehen. Auch Gedanken werden klarer, wenn sie nicht gejagt werden. Der Zauber der Langsamkeit liegt darin, im Hier und Jetzt zu verweilen und nicht ständig der Zukunft entgegenhetzen zu wollen.“ Schön und gut, aber ein bissl ungeduldig darf ich jetzt schon sein. Der Braten im Ofen duftet nämlich gar zu verführerisch und langsam wird’s Zeit, dass er verspeist wird.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters

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