Fiebern der Ernte von 16.000 Rebstöcken entgegen: Christian Größlbauer (l.), Christian Pumberger

© Gerhard Marschall

Landwirtschaft
09/22/2019

Der Weinanbau kehrt nach Oberösterreich zurück

Zwei Jung-Winzer aus dem Innviertel fiebern ihrer ersten Weinlese entgegen. Der Jahrgang „Eins“ am „Weingut Christian“ hat gute Voraussetzungen.

Wir sind zwei Verrückte, die Wein machen“, sagt Christian Größlbauer. Täglich durchstreift er zurzeit die schnurgeraden Rebstockreihen, pflückt da und dort eine Traube, kostet und begutachtet die Kerne. Sind sie braun, ist die physiologische Reife erreicht. „Es ist spannend, wenn man die Natur mitkriegt und erlebt, wie sich alles jedes Jahr steigert.“ Der 35-Jährige steht vor einer besonderen Premiere, die zugleich Prüfung ist: Vor zwei Jahren wurde der Weingarten in Mehrnbach nahe Ried im Innkreis angelegt, jetzt steht die erste Lese an.

Alles begann – wie könnte es anders sein – bei einem Glas Wein. Größlbauer und Christian Pumberger, ein Freund schon aus Kindergartenzeiten, saßen nach Feierabend beisammen und schauten in die Landschaft, als die Idee aufkam, ob aus den paar Weinstöcken im Garten nicht mehr werden könnten. Schließlich ist Größlbauer vom Fach. Er hat Koch/Keller gelernt, kehrte nach 16 Jahren in der Top-Gastronomie zurück ins Innviertel, nahm Bildungskarenz und holte die Matura nach. Die Ausbildung in Weinbau und Kellerwirtschaft hatte er zuvor schon berufsbegleitend in Krems absolviert.

Aus Spaß wurde Ernst

Ein geeignetes Grundstück stand auch zur Verfügung. Auf dieses wollte Pumberger zuerst einen Betriebsneubau stellen. Dann bot sich ein anderes Gebäude an, hier ist jetzt der Installations- und Malereibetrieb mit 30 Mitarbeitern angesiedelt. So wurde aus Spaß Ernst. Die Aufgabenteilung ist klar: Pumberger kümmert sich um das Wirtschaftliche, Größlbauer um den Wein.

Im Mai 2017 wurden händisch die ersten Stöcke gepflanzt. Mit dem einen Hektar sollte es aber nicht getan sein, also wurden Pachtflächen gesucht. Mittlerweile sind es gut vier Hektar, verteilt auf vier Gemeinden, und an die 16.000 Stöcke: Grüner Veltliner, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Gelber Muskateller.

Biowein

„Für uns war von Anfang an klar, dass wir ohne Herbizide arbeiten wollen“, erklärt Größlbauer: „Das widerstrebt mir sowohl als Weinliebhaber als auch als Weinbauer.“ Da die Bewirtschaftung bisher rein biologisch bestens funktioniert, will man den Betrieb als Biobetrieb zertifizieren lassen. Auf rund 30.000 € pro Hektar beläuft sich die Anfangsinvestition, exklusive Maschinen. Das müsse jetzt einmal wieder eingespielt werden, dann werde man sich um weitere Anbauflächen umsehen, sagt Pumberger. „Ich sehe das Projekt als meine Pension“, denkt er langfristig: „Ich hoffe, dass ich mit 50 voll angreifen kann.“

Die Blätter der Chardonnay-Reben sind dicht und dunkelgrün, sie speichern Nährstoffe für den Herbst. „Man sieht, dass die Stöcke gesund sind“, ist Größlbauer zufrieden. Mit dem Refraktometer misst er den Zuckergehalt. Der nähert sich täglich der Idealmarke. Da Weinanbau im Innviertel noch jung ist, gibt es für die Region keine Daten, etwa über den Reifezeitpunkt.

Gutes Jahr

Eigentlich war die Lese schon früher geplant, weil zuletzt Regen dazwischen kam, wurde sie verschoben. An diesem Wochenende ist es soweit: Freunde und Bekannte sind angesagt, um die erste Ernte einzufahren. „Dann werden wir sehen, welches Potenzial wir haben“, sagt Größlbauer. Er ist zuversichtlich: „Heuer war ein gutes Jahr. Niederschläge und Temperaturen haben gepasst, der Sommer war nicht so heiß wie 2018.“ Für Qualitätswein gibt es ein Limit, wie viel pro Hektar geerntet werden darf. Fürs erste rechnet Größlbauer mit einem Ertrag von 3.000 Liter, „im Vollausbau sollten sich 25.000 bis 30.000 Liter ausgehen“. Mittels Kühltransporter werden die Trauben zu einem befreundeten Winzer im Bezirk Mistelbach gebracht, der seine Anlage zur Verfügung stellt und den Keller vermietet.

Der Rest ist Warten. Anfang nächsten Jahres wird abgefüllt. Dann kommt der Erstling auf den Markt und stellt sich dem gestrengen Urteil der Weinliebhaber . Die Marke steht bereits fest und leitet sich aus den Vornamen der beiden Jung-Winzer ab: „Weingut Christian“.

Klimawandel verhilft alter Tradition zu neuem Start

Zurzeit gibt es in Oberösterreich an die 50 Winzer, die zusammen rund 82 Hektar Rebflächen bewirtschaften – Tendenz steigend. Heimo Strebl, Geschäftsführer des OÖ. Weinbauverbands, geht davon aus, dass es in 20, 30 Jahren 500 Hektar oder sogar mehr sein werden. Immer wieder kommen  Interessenten zu ihm, um sich zu informieren. Für Weinanbau über die Eigenversorgung hinaus braucht es ein Pflanzrecht. „Durch die höheren Temperaturen werden die Bedingungen besser“, erklärt Strebl.

Überwiegend Weißwein
 Während die Klimaveränderung andere Agrarbereiche zum Teil vor massive Probleme stellt, eröffnen sich Chancen für neue Kulturen, die früher hier nicht möglich gewesen wären. Überwiegend wird in Oberösterreich Weißwein angebaut, der sich für Böden und Klima am besten eignet. Weinanbau gab es in Oberösterreich bereits im 17. Jahrhundert, speziell in den östlichen Regionen des Bundeslands, weiß Strebl. Damals wüteten im heutigen Niederösterreich die Türkenkriege, weshalb mit dem Wein hierher ausgewichen wurde. Da und dort erinnern noch Terrassenreste in der Landschaft daran, aber auch Ortsnamen oder die Weingarthofstraße in Linz.

Strebl kann die Geschichte des Weinbaus in Oberösterreich mit einer Episode untermalen: 1624 gab es die Befürchtung, die anstehende starke Weinernte nicht unterbringen zu können. Deshalb wurde der Mathematiker Johannes Kepler beauftragt, das Gebinde mit optimalem Verhältnis von Oberfläche zu Volumen zu erforschen. „Auf seine Berechnungen geht das traditionelle Holzweinfass zurück“.


Winzer in OÖ: Florian Eschlböck in Axberg; Eschlböck/95 Tage Weinbau in Hörsching; Leo Gmeiner in Perg; Innviadla Weinbau/Wolfgang Költringer in Weilbach; Kienesberger in Schlüßlberg; Nußböckgut/ Velechovsky in Leonding; Rinnerthaler in Regau; Schiefermair in Kematen, Schmuckenschlager in Enns; Stütz in Lasberg; Wurm in St.Florian.

Autor: Gerhard Marschall

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