Der neue LASK-Trainer Valerien Ismael

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Chronik | Oberösterreich
06/21/2019

Der neue LASK-Trainer setzt auf die Offensive

Der neue LASK-Trainer Valérien Ismaël wünscht sich vor allem eines: Zeit

Valérien Ismaël weiß, wie Fußball geht, kennt das Geschäft. Immerhin war er fast 16 Jahre lang Profi, um danach in das Trainerfach zu wechseln. Der LASK ist seine siebente Station, die bisherige durchschnittliche Verweildauer beträgt ein gutes halbes Jahr. Das Karussell dreht sich rasant. Dementsprechend zurückhaltend ist Ismaël, wenn er auf die kommende Saison ausblickt.

Ziele in Etappen

„Es ist momentan zu früh, um über Ziele zu sprechen“, pariert er die Frage, wo der LASK in einem Jahr stehen soll. „Wir müssen in Etappenzielen denken.“ Nach einer guten Vorbereitung müsse der Start im Cup und in der Liga gelingen, dann die Qualifikation zur Champions League. Es folge – sofern alles nach Plan läuft – die Doppelt- oder Dreifachbelastung im Herbst. „Fakt ist, dass wir uns in allen Wettbewerben sehr gut präsentieren wollen“, versucht der neue Coach, Druck abzubauen.

Aufbauarbeit

Doch nach der Vizemeisterschaft liegt die Latte hoch, wenngleich niemand beim LASK die prompte Wiederholung fordert. Allzu viel hinter den Erfolgen der vergangenen Saison dürfen die Schwarz-Weißen aber nicht bleiben, wollen sie ihre Fans nicht enttäuschen. Zudem wird alles noch von Oliver Glasner überstrahlt, an ihm wird Ismaël gemessen werden. Vorerst jedenfalls. Dennoch begründet der 43-Jährige seine Entscheidung pro LASK mit der Aufbauarbeit des Vorgängers.

 

„Eigentlich immer offensiv“, beschreibt er seine bevorzugte Spielphilosophie. „Immer von Pressing geprägt, immer versuchen, den Gegner unter Druck zu setzen.“ Das sei mit ein Grund gewesen, nach Linz zu kommen: „Ich wusste, dass die Mannschaft diese Tugenden verinnerlicht hat.“ Und weil immer weniger Zeit bleibe, etwas zu entwickeln, „war für mich sehr wichtig, auf einem bestimmten Level zu beginnen“.

Kein Verteidigungsfreak

Als ehemaliger Abwehrspieler sei er kein Verteidigungsfreak, erklärt Ismaël: „Meistens kassieren die Mannschaften, die oben mitspielen, die wenigsten Tore, schießen aber auch die meisten. Es geht immer um die Balance zwischen Offensive und Defensive.“ Wie das im Idealfall aussehen kann, zeige der FC Liverpool. „Jürgen Klopp hat seine Philosophie implantiert“, sagt Ismaël. Seine Konsequenz daraus: „Wenn man inhaltlich von einem Trainer überzeugt ist, dann sollte man ihm Zeit geben. Denn am Ende sieht man, was möglich ist.“

Schnelligkeit entscheidet

Der Fußball werde sich weiterhin in Richtung Schnelligkeit entwickeln, ist Ismaël überzeugt. Schnelles Umsatzspiel erfordere immer schnellere, athletischere, technisch versierte Spieler. Zugleich sei Kreativität gefragt. „Wenn die Räume sehr eng sind, ist es sehr wichtig, dass ein Spieler eine Idee hat, einen genialen Pass spielt oder aus einer unmöglichen Situation ein Tor erzielt.“

Flexibilität

Diese Flexibilität im Kader zu haben, sei wichtig, denn das mache den Unterschied. Ein Trainer-Vorbild habe er nicht, sagt der gebürtige Franzose. Thomas Schaaf sei bei Werder Bremen wichtig für seine Karriere gewesen: „Er war offen und kommunikativ, wusste aber auch, wann er streng sein musste.“ Im Übrigen habe er sich von allen früheren Coaches etwas abgeschaut, gehe aber seinen eigenen Weg.

Mehr Titel holen

Und was er besser machen möchte als sie? „Ich würde mehr Titel holen.“ Mountainbike und Snowboard nennt Ismaël als Hobbys. Weil ihm die Nähe zu den Bergen wichtig sei, habe er bisher in der Nähe von München gewohnt. Jetzt ist die Familie – Ehefrau Karolina und zwei Kinder – nach Linz übersiedelt. Man sei bereits durch die Stadt gebummelt, der erste Eindruck sei bestens. „Bis jetzt ist alles gut.“ Da klingt sie wieder durch, die Vorsicht, weil in diesem Job eben nichts von langer Dauer sein muss.

Autor: Gerhard Marschall