Damals in Wolfsburg: Oliver Galsner (2.v.re.), Michael Angerschmid (re.), Thomas Sageder (2.v.l.): Freundschaft als Arbeitsbasis

© regios24/VfL Wolfsburg/Darius Simka

Chronik Oberösterreich
01/03/2022

Angerschmid - Der kongeniale Kompagnon

Linz, Wolfsburg, Frankfurt – Michael Angerschmid ist stets an Oliver Glasners Seite. Von Gerhard Marschall.

Wenn Oliver Glasner von seinem Arbeitsplatz aufspringt, um seine Spieler nach vorne zu dirigieren oder zurückzupfeifen, eine neue Matchstrategie auszugeben oder sich über eine Entscheidung des Schiedsrichters zu empören, bleibt der Mann neben ihm auf der Bank ruhig sitzen: Michael Angerschmid. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt. Der eine steht als Trainer im Licht, der andere wirkt im Hintergrund. Der 47-jährige Glasner und der gleichaltrige Angerschmid, beide gebürtige Innviertler, beherrschen das Zusammenspiel.

2015 Co-Trainer

2015 wurde Angerschmid beim LASK Glasners Co-Trainer. Von Linz ging es 2019 in die deutsche Bundesliga zum VfL Wolfsburg, mit dem in der Vorsaison die Qualifikation für die Champions League gelang. Dennoch verabschiedete sich Glasner im Sommer Richtung Süden: Eintracht Frankfurt statt Zwietracht Wolfsburg. Co-Trainer Thomas Sageder (38) zog es heimzu, für ihn kam Ronald Brunmayr (46). Ein ehemaliger Coach von Blau-Weiß Linz für einen anderen.

Holpriger Start

Der Neustart verlief eher holprig, der 2:1-Auswärtssieg gegen Bayern München markiert den Wendepunkt. Frankfurt schloss die Hinrunde mit 27 Punkten auf Platz sechs ab. „Klar sind wir bei unserem Konzept geblieben“, sagt Angerschmid. „Mit jedem Sieg steigt das Selbstvertrauen, auf einmal passieren Dinge automatisch.“ „Er ist ein Perfektionist in allen Dingen und eigentlich nie zufrieden“, charakterisiert Angerschmid seinen Chef. „Er findet immer etwas, was wir besser machen könnten.“

Offener und ehrlicher Umgang

Glasner habe ein sehr gutes Auge für den Fußball, sein Umgang mit den Spielern sei offen und ehrlich. „Die schätzen das.“ Und was schätzt Glasner an ihm? „Sicher meine Loyalität. Das ist kein Arbeitsverhältnis, sondern Freundschaft.“ Da ließen sich einmal auch unangenehme Dinge ansprechen. Andererseits wisse er, „wann es besser ist, nichts zu sagen“. Im Trainerteam werde viel diskutiert, entscheiden müsse am Ende jedoch der Boss.

Zusammen seit der SV Ried

Die beiden kennen sich seit ihrer Aktivzeit bei der SV Ried. Angerschmid hat sein ganzes Kickerleben dort verbracht und für den Klub 406 Spiele bestritten. Selbst gespielt zu haben sei jedenfalls kein Nachteil. „Du kannst dich gut in die Spieler hineindenken.“ Der Arbeitstag beginnt für das Oberösterreicher-Trio in der Regel gegen acht Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück, danach gibt es ein Meeting mit dem gesamten Staff. Eine Trainingseinheit am Vormittag, eine am Nachmittag, dazwischen Mittagessen. Angerschmid ist in erster Linie für die Standardsituationen zuständig. Irgendwann zwischen 16 und 18 Uhr ist Feierabend. „Wir schauen schon immer wieder, dass wir vom Fußball wegkommen“, erzählt Angerschmid. Frankfurt habe einiges zu bieten.

Daheim in Eitzing

Was vermisst er? „Die Innviertler Kost, den hausgemachten Schweinsbraten mit Semmelknödel.“ Den beherrsche er selbst, als Haubenkoch würde er sich nicht bezeichnen. „Aber bis jetzt war alles essbar, was ich gekocht habe.“ Der Weihnachtsurlaub bei der Familie – Ehefrau Karin, Tochter Lena und Sohn Philipp – daheim in Eitzing (Bez. Ried) war kurz. Skifahren stand auf dem Programm, auch das eine oder andere Treffen mit Freunden – stressige Tage. Es gebe mehrere Saisonziele, sagt Angerschmid. Das eine sei geschafft: Als Gruppenerster steht die Eintracht in der Europa League im Achtelfinale. Jetzt gehe es darum, die Mannschaft weiterzuentwickeln. „Grundsätzlich wollen wir uns schon nach vorne orientieren.“ Die Champions League als unausgesprochenes Ziel.

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