© vog.photo/Florian Voggeneder

Chronik Oberösterreich
01/27/2020

Das Miteinander von Mensch und Maschine

Medienpsychologin Martina Mara forscht, wie Mensch und Roboter interagieren können, nach dem Motto: „Ergänzen statt ersetzen.“

von Claudia Stelzel-Pröll

„Das Wichtigste bei diesem Thema ist, nicht immer in die Science-Fiction-Sphäre abzudriften.“ Martina Mara kennt die Sorgen und Ängste der Menschen, wenn es um Roboter und Künstliche Intelligenzen (KI) geht.

Seit 2018 ist sie Professorin für Roboterpsychologie am Linz Institute of Technology der Johannes Kepler Universität – und ständig bemüht, Mythen und erfundene Horrorgeschichten rund um menschenähnliche Maschinen zu entkräften. Mit ihrem Team forscht die 39-Jährige, wie Roboter gestaltet sein müssen, dass wir Menschen möglichst gut mit ihnen zurechtkommen, dass wir sie vielleicht sogar als Teamkollegen akzeptieren: „Aktuell forschen wir an der Wahrnehmung synthetischer Stimmen“, erklärt Martina Mara. „Also wie müssen die Stimmen Künstlicher Intelligenzen, sprich von Siri, Alexa und Co., gestaltet sein, damit sie für uns akzeptabel und vertrauenswürdig sind.“

Zusammenarbeit

In einem zweiten Projekt geht es um so genannte Co-Bots, also Collaborative Roboter. Partner aus ganz Österreich bauen gemeinsam an einer VR (Virtual Reality)-Umgebung, in der sich Roboter und Menschen auch physisch nahe kommen und gemeinsam Dinge erledigen sollen. Ein konkretes Beispiel: Roboter hält Teil A, der Mensch schraubt Teil B dran, also eine tatsächliche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Roboter werden Menschen nie ganz ersetzen können, aber sie haben bestimmte Stärken, die wir Menschen zu unserem Vorteil nutzen können: Roboter können riesige Datenmengen durchforsten, Muster in diesen Datenmengen erkennen, sind rund um die Uhr einsetzbar, ohne müde zu werden. Autonome Fahrzeuge treiben sich während der Fahrt nicht auf facebook herum oder telefonieren mit dem Ehemann.“ Dabei ginge es nie um ein Ausschlusskriterium, sondern „man darf diese Entwicklungen wirklich unter dem Gesichtspunkt ’ergänzen statt ersetzen’ sehen“, ist sich Mara sicher. „Und ja, es werden manche Jobs wegfallen, aber dafür kommen andere dazu.“

Einsatzgebiete

Die größten Einsatzgebiete für KIs sieht Mara in der Pflege, im Klimaschutz, in der Industrie und in der Medizin: „Das heißt nicht, dass ein Roboter das Diagnosegespräch mit der Ärztin ersetzt. Das kann aber zum Beispiel heißen, dass der Roboter weltweit Daten von Millionen von Patienten filtert und konkrete Infos abliefert, die genau für Frau Mayers Erkrankung aus Traun relevant sind.“ Oder dass der Pflegeroboter Materialien transportiert, das Personal beim Heben unterstützt, Patientenakten aktualisiert und so dem Pflegepersonal mehr Zeit für Interaktion und Kommunikation bleibt. „Wir müssen uns jetzt überlegen: Welche Tätigkeiten wollen wir an KIs abgeben und welche nicht? Und dann müssen wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen.“

Dass Roboter nicht unfehlbar sind beweist Martina Mara bei ihrem Vortrag am Do., 30. 1., im AEC, wenn es darum geht, „Warum Siri meine Oma nicht versteht.“ „Denn auch Maschinen sind nicht nur fair, neutral und gerecht“, weiß die Wissenschafterin, „sondern wurden von Menschen gemacht, die ihre Perspektiven und unbewussten Vorurteile da reingepackt haben."

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