Chronik | Oberösterreich
22.07.2018

Das größte Salzvorkommen Österreichs

Sandling. 1147 wird der Ausseer Salzabbau erstmals urkundlich erwähnt. Die Nazis nutzten die Stollen zum Verstecken ihrer Raubkunst. Der 1717 Meter hohe Sandling kann über zwei Routen bestiegen werden.

Das Ausseer Land ist nicht nur eine landschaftliche Schönheit, es bietet auch verborgene Schätze. Im Sandling, einem 1717 Meter hohen Berg, der zum Toten Gebirge gehört, wird immer noch Salz abgebaut, der Großteil im sogenannten Soleverfahren. Die Sole wird in der Ebenseer Saline vor allem zu Industrie- und Streusalz verarbeitet. Der Gebirgsstock birgt die größten Salzvorkommen Österreichs.

Natursalz

Die Bewohner des Ausseer Landes verwenden seit jeher das Natursalz, „Bergkern“ genannt. Dieses wird in kleinen Mengen im Trockenbau aus dem Berg geschlagen, hat eine braune Farbe und wird mittels einer Mühle immer frisch gemahlen. Spitzenköche schwören auf dieses naturreine Würzmittel.

Raubgut im Stollen

Die kundige Ausseerin Waltraud Zach erzählt von einem bedeutenden geschichtlichen Ereignis: „Die Bergleute haben nicht nur Salz gefördert, sie haben auch eine wahre Heldentat vollbracht. Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kunstschätze, Raubgut der Nazis, in den Salzstollen des Sandlings gelagert. Gegen Ende des Krieges befahlen die Fanatiker des Naziregimes, diese durch Sprengung der Stollen zu zerstören. Unter größter Lebensgefahr verhinderten dies die Bergleute und retteten so unschätzbare Kunstwerke vor der Vernichtung. Viele Museen der Welt wären heute wesentlich ärmer, hätten diese Menschen nicht ihr Leben dafür riskiert.“

Ausgangspunkt für eine Besteigung des Sandling ist der Parkplatz nahe dem ehemaligen Gasthof Sarsteinblick in der Altausseer Ortschaft Waldgraben. Erstes Wegziel ist die Lambacher Hütte. Der Weg windet sich abwechslungsreich durch Mischwald, häufig unterbrochen von Lichtungen und kleinen Wiesen.

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Sandling

Aufstieg mit Seilsicherung

Sandling

Almrausch, Weiße Germer und Felsblöcke begleiten den Wanderer

Sandling

Eindrücke beim Aufstieg

Sandling

Almrausch, Weiße Germer und Felsblöcke begleiten den Wanderer

Sandling

Der Gipfel belohnt die Mühe mit einem großartigen Ausblick

Bergsturz

Als besondere akustische Würze plätschern munter kleine Bächlein den Weg entlang. Manchmal benutzen sie auch die Wanderroute für ihren Weg talwärts. Gutes Schuhwerk ist angebracht. Mehrere Male heißt es, wie ein Akrobat auf Steininseln zu balancieren, um den Sandlingbach zu überqueren. Ein sehr abwechslungsreiches Dahingehen. Schließlich wird die Vordere Sandlingalm erreicht. Friedlich weiden die Kühe – gänzlich unbeeindruckt von der mächtigen Westwand des nahen Sandlingmassivs. Fast 1000 Jahre lang wird sein Inneres bereits ausgehöhlt und aus zahlreichen Bergwerksstollen wertvolles Salz gefördert. Vielleicht war dies ein Mitauslöser, dass sich im September 1920 ein gewaltiger Bergsturz ereignete. Unvorstellbare neun Millionen Kubikmeter Gestein und damit ein Teil der gesamten Sandlinger Westwand, donnerten in die Tiefe. Ein riesiges Meer an Schutt und haushohen Kalkblöcken zeugt noch heute von dieser zerstörerischen Urkraft.

Vor dem Aufstieg machen wir noch einen 15-minütigen Abstecher auf die Lambacher Hütte. Die großzügige Terrasse mit ausgezeichnetem Rundumblick ist der perfekte Rastplatz nach dem eineinhalbstündigen Aufstieg. Die Hütte ist zwar nicht bewirtschaftet, ein Kühlschrank als „Flüssigtankstelle“ garantiert jedoch ausreichende Versorgung mit Bier und Limonade. Hier kann man auch entspannt über die weitere Route entscheiden. Die gemütliche Variante führt direkt zur Ausseer Sandling alm, umrundet so den Sandlinggipfel und erreicht in zweieinhalb Stunden wieder den Ausgangspunkt. Uns zieht es jedoch auf den Gipfel, dem wir uns – wieder zur Vorderen Sandlingalm absteigend – nähern. Zunächst geht es auf gemütlichem Pfad bergauf. Unzählige hohe giftige Germerpflanzen färben die Wiesen weiß. Dazwischen blühen Orchideen und immer wieder der meterhohe rosarote Alpendost und der gelbe Fingerhut. Dann wird es sportlich: Der Weg wird steiler. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich. Über ausgesetzten Felsstufen und mit Stahlseilen und Eisenklammern gesicherte Gassen klettern wir nach oben.

Zwischen den Felsen und auf Grasinseln der flacheren Passagen blüht der Almrausch. Nach einer Stunde sind die dreihundert Höhenmeter überwunden. Auf dem Gipfeldach auf 1717 m Höhe bietet sich ein grandioser Rundblick. Ein besonderer Blickfang ist der Loser, der Ausseer Hausberg. Dahinter dehnt sich das weite Plateau des Toten Gebirges.

Via Salis

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast geht es an den Abstieg. Für die nächste Stunde wendet sich die Wanderroute in Richtung Loser. Wieder sind einige Steilabbrüche zu überwinden, flache Passagen wechseln mit bizarren Felsformationen und beschaulichen Abschnitten. Bald erreicht man die Ausseer Sandlingalm: Wieder eine wahre Idylle mit vielstimmigen Kuhglocken. Schließlich verläuft der Weg Richtung Lupitsch und auf einer Höhe von 1000 Metern wird die Via Salis erreicht. Schautafeln informieren über die lange Tradition des Salzabbaus. Vor dem Breunerbergstollen machen Arbeiter gerade Rast. Sie erneuern den im Jahr 1695 angeschlagenen Stollen, durch den die Hüttenwässer aus dem karstigen Berginneren abgeleitet werden. Exakt vorbereitete Holzelemente werden als neuer Boden, neue Seitenwände und neue Decke – genannt Sohle, Ulme und First – eingebracht.

Die nächsten 40 Jahre wird dieser Stollen wieder seinen Dienst verrichten und sicherstellen, dass sich das Wasser nicht im Berg staut, sondern kontrolliert abfließt.