Vom Lask zu den Wölfen: Oliver Glasner

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Chronik | Oberösterreich
05/25/2019

„Authentisch, ehrlich, geradlinig“

Oliver Glasner zieht zum Abschied Zwischenbilanz und blickt nach vorne _ und zwar nach Deutschland.

Mit einem Wort beschreibt Oliver Glasner die Erwartungen an seinen künftigen Job: „Freudig.“ Der 44-jährige Trainer wechselt vom LASK zum VfL Wolfsburg und macht damit einen nächsten, großen Karrieresprung. Jetzt steht erst einmal Wohnungssuche an, zu Pfingsten ist ein Kurzurlaub mit der Familie geplant, dann fährt er noch ein paar Tage mit Ehefrau Bettina weg.

Abenteuer deutsche Bundesliga

Am 30. Juni ist Trainingsbeginn, startet Glasner in das Abenteuer deutsche Bundesliga. „Wenn man 25 Jahre im Fußball tätig ist, gibt es schöne und schwierige Situationen“, rekapituliert Glasner im KURIER-Gespräch. Doch das sei in jedem Berufsleben so. Der Cup-Sieg mit SV Ried 1998 sei zweifellos ein Highlight gewesen, der verpasste Aufstieg mit dem LASK 2016 eine Enttäuschung. Dazwischen gab es viele Erfolge, aber auch Rückschläge.

"Zufrieden mit meinem Leben"

„Am schönsten ist, dass ich viele schöne Jahre mit Menschen verbracht habe, mit denen ich mich gerne umgeben habe.“ Und noch grundsätzlicher: „Ich bin sehr zufrieden mit meinem ganzen Leben wie es bisher gelaufen ist, privat wie beruflich.“ Lieber als zurück blicke er jedoch nach vorne, sagt der Innviertler. Und vorne ist der VfL Wolfsburg. Die „Wölfe“ haben mit Platz sechs die Qualifikation für die Europa League geschafft. Dort wird auch die Zielvorgabe für die kommende Saison liegen. Die Latte liegt also hoch. Über sich selbst redet Glasner nicht gerne, seine Arbeit sollen andere beurteilen. So viel nur: „Ich versuche immer, authentisch, ehrlich, geradlinig zu sein.“ Und er habe „eine gewisse Idee von Fußball: gemeinsam kompakt verteidigen und schnell nach vorne spielen“. Dieses Konzept versuche er ständig zu verfeinern und zu verbessern.

Respekt & Vertrauen

Seinen Führungsstil charakterisiert Glasner mit „Respekt und Vertrauen“. Oder anders gesagt mit „wertschätzender Akzeptanz“. Die Spieler sollen merken, dass sie ihm wichtig sind, auch als Menschen. „Meine Erfahrung ist, dass du dann sehr viel zurück kriegst.“ Glasner tritt in Wolfsburg mit seinem Trainerteam an. Sein bisheriger Co-Trainer beim LASK, Michael Angerschmid, und der ehemalige Coach von Blau-Weiß Linz, Thomas Sageder, werden als Assistenztrainer fungieren, Michael Berktold als Athletikcoach. Was er darüber hinaus aus Österreich mitnehme? „Alles“, sagt Glasner: „Erfahrung lässt sich nicht teilen. Dazu gehört das Positive wie das Negative. Wenn man clever ist, kann man von beidem viel lernen.“

Familie bleibt zu Hause

Was er in der Fremde vermissen wird, könne er noch nicht sagen. „Die Familie jedenfalls.“ Die bleibt in Riedau, wo die Glasners zu Hause sind. Die Kinder – zwei Burschen (14 und 17), eine Tochter mit acht – gehen hier zur Schule und sollen nicht aus der vertrauten Umgebung gerissen werden. Wie sich die Pendlerei zwischen Norddeutschland und dem Innviertel gestalten wird, werde sich weisen, sagt Glasner: „Wir werden das Beste daraus machen, es gibt für alles eine Lösung.“

"Mehr Aufmerksamkeit"

Wie er sich überhaupt überraschen lassen wolle, sagt Glasner. Gewiss sei in Wolfsburg alles größer als beim LASK: mehr Zuschauer, mehr mediale Aufmerksamkeit, mehr öffentliches Interesse. „Ich lasse mich darauf ein und möchte das Beste daraus machen.“

Wichtig sei ihm, immer mit Begeisterung bei der Sache zu sein. „Und das erwarte ich mir von meinem ganzen Umfeld.“

Autor: Gerhard Marschall