Chronik | Oberösterreich
07.10.2018

Aus Erkenntnissen Lehren ziehen

Leben. Erkenntnisse sind gut, aber Wissen ist noch besser – die Umsetzung ist entscheidend

„Jede unserer Erkenntnisse hat ihren Ursprung in der Empfindung“, sagte Leonardo da Vinci. „Nicht alles Wissenswerte ist erreichbar, nicht alles Erkennenswerte ist erkennbar“, meint Goethe. „Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt und aus dem, was wir vergessen haben“ (Marie von Ebner-Eschenbach).

„Am Pfad der Erkenntnis steht der Zweifel als Wegweiser ohne Inschrift“ ( Karl Heinrich Waggerl). „Bei manchen Menschen sind die Früchte der Erkenntnis nichts weiter als eine Mischobst-Konserve“ (Chris Hornbogen, Literat). Wenn alle Leute ihre Erkenntnisse zu Wissen machen würden, bestünde die Welt nur mehr aus lauter Einsteins.

Was ist Erkenntnis?

Für den Begriff Erkenntnis existiert keine einheitliche Definition. In einer ersten Annäherung kann man Erkenntnis als den Prozess und das Ergebnis eines durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen. Grundsätzlich kann man sagen, dass jede Erkenntnis auf Sinnesdaten basiert. Erkenntnis und Wissen sind auf Begriffe angewiesen. Begriffe sind durch Definitionen gekennzeichnet, die sie von anderen Begriffen abgrenzen und ihre Eigenschaft beschreiben. Sie sind Grundlage des Wissens, denn der Begriff ist die gedankliche Vorstellung von einer Sache, eines Gegenstandes in Gedanken. Erkenntnis muss jeder aus sich selbst finden, sie ist nicht wie eine Ware zu übertragen, sondern nur zu erwecken. Eigentlich müsste es heißen von der Erkenntnis und der Erkenntnis vom/zum Wissen.

Nichtwissen

Im Vordergrund philosophischen Denkens, steht die Erkenntnis des eigenen Nichtwissens. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Selbsterkenntnis. Bei Sokrates ging es vor allem darum, diese im Dialog zu erlangen. Der Dialog ist eine Methode, um zum Wissen zu gelangen. Durch kritisches Fragen soll das Wissen geweckt und hervorgeholt werden. Das in jedem schlummernden Wissen soll gewissermaßen „entbunden“ werden. Hier ist die sokratische Methode die Hebamme. Sokrates gibt nicht, sondern lässt andere hervorbringen. Nichtbewusstes bewusst gemacht werden. Du weißt es, nur weißt du nicht, dass du es weißt. Durch den Dialog und durch gute Gespräche und gute Bücher gilt es das passive Wissen, das alle Menschen haben in aktives zu verwandeln.

Dazu einige Theorien aus der Erkenntnislehre. Beim Empirismus wird jegliche Erkenntnis aus sinnlicher Erfahrung, insbesondere über die Sinnesorgane vermittelt. Der Positivismus geht vom Gegebenen, Tatsächlichen, Sicheren, Zweifellosen und somit vom Positiven aus und hält metaphysische (übersinnliche, übernatürliche) Überlegungen für nutzlos.

Pragmatismus kommt im Handeln des Menschen zum Ausdruck. Wahr ist das, was sich durch seine praktische Konsequenz bewährt. Realismus behauptet das Vorhandensein einer außerhalb des Bewusstseins liegenden Wirklichkeit. Die Philosophie der Gegenwart ist vorwiegend realistisch.

Relativisten vertreten die Auffassung, dass es keine absoluten Werte gibt. Jede Erkenntnis ist relativ, die Wahrheit hängt vom Beobachter ab.

Bei der Skepsis ist der Zweifel das Prinzip des Denkens, auch grundlegende Wahrheiten müssen bewiesen werden.

Wie man sieht, gibt es verschiedene Ansätze über das, wie wir zu Erkenntnissen gelangen. Nur eines ist sicher. Wie wir zu unseren Erkenntnissen gelangen oder glauben zu gelangen, ist sekundär. Das Wichtigste ist, dass wir aus den erlangten Erkenntnissen Lehren für unser Leben ziehen, das heißt positives, praktisches Lebenswissen gewinnen und es auch umzusetzen. Was nützt einem die ganze Erkenntnis und das daraus resultierende Wissen, wenn Sie es nicht umsetzen. Das heiß Tun, mein Lieblingswort.

Kenntnis und Wissen

„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“, meinte der Dramatiker Bert Brecht. „Die Summe der Erkenntnis: nach der Erfahrung ist man kein Weiser, sondern ein Sachverständiger. Aber worin?“, fragt der französische Schriftstellerund Philosoph Albert Camus. „Nichts im Leben außer Gesundheit und Tugend, sind schätzenswerter als Kenntnis und Wissen“ (Goethe). Erkennen ist schön, Wissen noch schöner, aber das eine geht nicht ohne das andere.

Alois Zangerle ist Unternehmensberater und akademischer Exportkaufmann www.alois-zangerle.at, office@alois-zangerle.at