Jetzt ist viel Zeit für gemeinsame Mahlzeiten

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Chronik Oberösterreich
03/21/2020

Auf dem Boden der Tatsachen gelandet

Die Coronakrise hat das schnelle Leben ein Stück eingebremst. Nun bleibt Zeit für sich selbst.

von Silke Kranz

Heute möchte ich mich einmal bedanken. Derzeit erreichen mich unheimlich viele Nachrichten – auch von Menschen außerhalb meines Familien- und Freundeskreises. Mir wird für meinen Einsatz gedankt sowie viel Kraft und Gesundheit gewünscht. Glauben Sie mir, das hilft meinem Team und mir ungemein und stärkt uns den Rücken – denn auch wir sind manchmal kurz davor, die Nerven wegzuschmeißen.

Wie sieht mein Alltag derzeit aus? Meine Ordination dürfen Patienten derzeit nur aufsuchen, wenn es sich nicht vermeiden lässt – was natürlich nicht warten kann, sind zum Beispiel Kinder mit Ohrenschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Wundversorgungen. Meine Assistentinnen erledigen Krankschreibungen und Rezepte digital, sodass deshalb niemand zu uns in die Praxis kommen muss. Den weitaus größten Teil meiner Arbeit machen derzeit Telefongespräche aus: für Befundbesprechungen und andere Gesundheitsanliegen, aber natürlich vor allem für Fragen bezüglich des Coronavirus.

Silke Kranz

Sobald ich die Ordination verlasse, versuche ich, gut auf mich zu schauen. Einerseits weiß ich nicht, was in den nächsten Wochen auf mich zukommen wird. Andererseits versuche ich jede Aufgabe, die mir das Leben stellt, auch als Chance zu betrachten.

Wenige Tage vor dem Auftreten von Covid-19 sprachen mein Partner und ich darüber, dass das Tempo, in dem wir unser Leben führen, zu hoch ist. Und jetzt – kurze Zeit später – sehe ich, dass gar nicht alles sein muss. Ich muss nicht Vorträge halten, eine Lehrtätigkeit ausüben und Fortbildungen besuchen, dazwischen ins Fitnessstudio hetzen und dann noch ins Kino oder in die Stadt shoppen gehen, damit man die freie Zeit auch ja nutzt.

Zur Ruhe kommen

Ich fahre in die Arbeit und komme dann wieder nach Hause zu meiner Familie, die auch ein paar Gänge zurückgeschaltet hat. Die gemeinsamen Mahlzeiten dauern viel länger. Ich betreibe auch jetzt täglich Sport, aber ich muss nicht für etwas trainieren. Ich gehe einfach an die frische Luft, um zur Ruhe zu kommen und die Sonnenstrahlen zu genießen.

Bescheidener

Das spüre ich auch in meiner Umgebung: Vielleicht haben wir alle zu schnell und unachtsam gelebt und werden jetzt auf den Boden gezwungen. Ausnahmesituationen machen uns offensichtlich bescheidener. So bin ich auch jeden Tag aus tiefstem Herzen dankbar dafür, wenn ich zu meinem Sohn und meinem Mann nach Hause fahre, einfach deshalb, weil ich nicht wie in Italien in einem Not-Lazarett arbeite, sondern nach Hause fahren DARF und meine beiden gesunden Lieblingsmenschen ganz fest in die Arme schließen kann.

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