Chronik | Oberösterreich
14.10.2018

Angekommen im Fußball-Traumland

Pavao Pervan. Der Langzeittorhüter des LASK ist nach seinem überraschenden Wechsel zum deutschen Bundesligaklub VfL Wolfsburg rundum zufrieden. Fast.

Ja, sagt Pavao Pervan, er sei in der großen Fußballwelt angekommen. Definitiv sei die deutsche Bundesliga jene große Bühne, auf der irgendwann einmal zu spielen er sich schon immer gewünscht habe. „Das war ein Kindheitstraum.“ Im Sommer meldete der VfL Wolfsburg überraschend Interesse am LASK-Keeper an, und dann ging alles sehr schnell.

Vertrag bis 2021

Pervan hat in Wolfsburg einen Vertrag bis 2021 unterschrieben. „Das war ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Nicht so sehr des Geldes wegen, wie gemeinhin vermutet wird, sondern weil sich für ihn mit seinen gut 30 Jahren eine einmalige Gelegenheit aufgetan habe. „Ich hätte mich mein ganzes Leben lang fragen müssen, warum ich diese Chance nicht genutzt habe. Auch wenn ich am Ende kein einziges Spiel gemacht hätte.“

Ein Ligaspiel hat Pervan aber ohnehin bereits auf dem Konto. Beim 3:1-Auswärtserfolg in Leverkusen stand er im Tor. Koen Casteels, die Nummer 1, legte wegen der Geburt seiner Tochter einen kurze Babypause ein. „Seit diesem Einsatz habe ich ein ganz anderes Standing im Team, weil ich auf dem Platz zum Sieg beigetragen habe.“ Die Hierarchie auf der Torhüterposition sei dennoch eindeutig. Pervan wurde als Nummer 2 geholt, das sei von Anfang an klar gewesen und für ihn kein Problem: „Ich weiß, wie es den Torhütern gegangen ist, die zum LASK kamen und sich hinter mir anstellen mussten.“

Andere Dimensionen

Sein Rollenverständnis umschreibt er kurz und knapp: „Ich hole im Training alles aus mir heraus und warte auf meine Chance.“ „Ja, es wird hier härter gearbeitet“, sagt Pervan, will das aber nicht abwertend gegenüber seinem früheren Verein verstanden wissen. Der LASK habe eine Top-Philosophie und alle dort würden gute Arbeit leisten, „sonst wäre ich nicht hier beim VfL Wolfsburg gelandet“. Insgesamt jedoch spiele sich Spitzenfußball in Deutschland in anderen Dimensionen ab. Das reiche von den Rahmenbedingungen im Klub bis hin zum gesellschaftlichen Stellenwert.

„In Wolfsburg wird härter gearbeitet“: Pavao Pervan

Mit Trainer Bruno Labbadia komme er bestens aus. „Er ist ein sehr harter Arbeiter, der bereit ist, wahnsinnig viel zu intensivieren. Er begegnet mir mit Respekt und ich bekomme von ihm wertvolles Feedback.“ Pervans erste Wolfsburg-Bilanz: „Dank der tollen Möglichkeiten habe ich sicher Fortschritte gemacht.“ Nach zwei sportlich schwierigen Jahren ist der VfL mit drei Siegen im DFB-Pokal und in der Liga perfekt in die neue Saison gestartet. Seither stottert die Maschine ein bisschen, es folgten drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Dennoch ist die Stimmung im Verein laut Pervan gut. „Es stimmt uns positiv, dass wir in jedem Spiel auf Augenhöhe mit dem Gegner waren.“ Auch die Statistik belege, dass die Mannschaft nach allen Indikatoren – Zweikämpfe, Sprints, Passgenauigkeit – topfit sei. Es müssten nur die Torchancen konsequenter genutzt werden und sich das nötige Spielglück dazu gesellen. Am besten gleich nächstes Wochenende. Denn da kommen die krisengebeutelten Bayern in die Volkswagen Arena, die unbedingt auf Rehabilitation aus sein werden. „Bayern ist ein überragende Mannschaft und immer gefährlich.“ „Wir denken nicht an ihre Krise, das interessiert uns überhaupt nicht.“ Man werde in der Vorbereitung viel analysieren, auf die eigenen Stärken setzen „und es dann einfach genießen“. Die Nationalmannschaft sei dann ein Thema, „wenn ich konsequent spiele“.

Bereit für das Team

Einmal, 2017, gehörte er dem Kader an. Für Teamchef Franco Foda sei Spielpraxis wichtig, das verstehe und akzeptiere er. Die Torhüter, die jetzt einberufen werden, seien zurecht dort. Was aber nicht heiße, dass er sich das nicht zutraue, sagt Pervan: „Ich bin bereit, wenn man mich braucht.“ Den österreichischen Fußball verfolgt Pervan, wann immer es die Zeit zulässt. Er habe auch weiterhin Kontakt zu dem einen oder anderen ehemaligen Kollegen und gratuliere ihnen nach Siegen. „Ich wünsche dem LASK alles Gute und bin fest davon überzeugt, dass sie eine gute Saison spielen werden.“

Pervan wohnt in Wolfsburg. Keine Großstadt, eher überschaubar, aber es lässt sich hier gut leben. „Außerdem bin ich zum Arbeiten hier“, sagt Pervan, und im Job passe ebenfalls alles. Nur eines fehlt zum totalen Glück. Ehefrau Jeanine, Schulpsychologin von Beruf, ist noch in Österreich. Im Frühsommer war Hochzeit, gleich darauf hieß es für den Jungehemann Richtung Niedersachsen aufbrechen. Somit beschränkt sich die Gemeinsamkeit vorerst immer nur auf ein paar Tage. „Ich bin einfach ein Familienmensch.“ Nachwuchs sei daher jedenfalls geplant.