Chronik | Oberösterreich
29.04.2018

Am 6. Mai ist Färbermarkt in Gutau

Mühlviertel. Blaufärber-Experten aus mehreren Ländern treffen sich am kommenden Sonntag

Schon bei der Ankunft in Gutau fällt das Blick auf ein nahegelegenes Schloss. Eingebettet in die hügelige Mühlviertler Landschaft blickt Tannbach gleich einem Märchenschloss nach Gutau herüber. Vor 150 Jahren als Renaissancebau mit Erkertürmchen und einem Uhrturm errichtet, wurde es kürzlich von einem privaten Besitzer prachtvoll restauriert.

Wir starten die Rundtour auf dem Wanderweg Gu 1 und wechseln in Tannbach auf den gut markierten Weg NWO. Für längere Zeit geht es entlang des idyllischen Klausbaches. Schließlich wird die Klausmühle erreicht. Ebenfalls in Privatbesitz, ist sie nach einem katastrophalen Hochwasser bestens renoviert. Eine Augenweide, vom oberhalb vorbeiführenden Wanderweg auf die gepflegte Anlage zu schauen. Auf einem Ziehweg geht es weiter bis zum Vogelkundeweg. Der Lebensraum der Vögel wird in anschaulicher Weise dargestellt. Es ist wohltuend, in dieser gänzlich lärmfreien ländlichen Idylle ganz bewusst dem Konzert der Vögel zu lauschen. Ein am Weg angebrachter Spruch erinnert an ein altes Volkslied. „Ich lebe und weiß nicht, wie lang. Ich sterbe, und weiß nicht, wann. Ich gehe und weiß genau, wohin. Mich freut es, dass ich so fröhlich bin.“ Dennoch kann es passieren, dass an einer Wegkreuzung die Gehrichtung nicht eindeutig ist. Sofort gibt ein freundlicher Bewohner die richtige Orientierung und schwärmt von der Schönheit seines Heimatortes.

Die Idyllische Klausmühle bei Gutau

Ein kurzer Abstecher führt zur 1000-jährigen imposanten Eibe, ein Kraftplatz der besonderen Art. Dann aber geht es nach der zweistündigen Rundtour zurück ins Ortszentrum. Wer mit der Farbe seines T-Shirts nicht mehr zufrieden ist, kann jeden letzten Sonntag im Monat in der „Zeugfärberei“ in der Alten Schule nach Lust und Laune ein neues kreatives Design zaubern. Auch das Färbermuseum im „Färberhaus“ lohnt einen Besuch. Mit der Kunst des Blaudrucks – seit kurzem auch immaterielles Weltkulturerbe – wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Mühlviertler Leinen gefärbt. Redewendungen wie „der blaue Montag“ oder „ein blaues Wunder erleben“ erinnern an die alte Färberpraxis. Jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai, diesmal ist es der 6. Mai, treffen sich beim Färbermarkt Blaufärber-Experten aus Deutschland, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Österreich, sowie Leinenweber, Textildesigner und Kunsthandwerker zu einem fröhlichen Fest. Bürgermeister Josef Lindner: „Als Gast in der Färbergemeinde Gutau kann man das eigene Erleben mit der Kulturlandschaft verbinden. So findet man Ruhe und tankt neue Kraft.“ Das können wir bestätigen und verlassen voller Energie den Ort.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur