Chronik | Oberösterreich
20.01.2019

Als sich 40.000 Bauern erhoben

Peuerbach. Die Bauern fügten bei ihrem Aufstand 1626 Statthalter Adam Graf Herberstorff die erste Niederlage zu.

Wer mit der LILO (Linzer Lokalbahn) nach Peuerbach fährt, kann sich an der winterlich-idyllischen Landschaft erfreuen. Am Zielbahnhof angekommen, benötigen wir nur wenige Gehminuten, um vom Bahnhof ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Wir blicken in einen weitgehend intakten Ortskern, bei dem sich Giebelhäuser mit gotischen, barocken und klassizistischen Fassaden abwechseln.

Postwirtshaus

An den Häusern angebrachte Tafeln berichten über ihre bewegte Geschichte. „Das uralte Postwirtshaus“ mit gotischer Bausubstanz ist ein besonders markantes Beispiel. Das an der Fassade angebrachte Zunftzeichen mit Pferden und Postkutsche scheint zu bestätigen, dass hier bereits im Jahr 1501 die erste Postverbindung mit berittenen Boten von Linz über Peuerbach nach Regensburg führte. In diesem Haus soll auch 1683 der Kaiser auf der Flucht vor den Türken nach Passau abgestiegen sein. Überdies hatte hier eine von vier Erbpostmeistereien in Oberösterreich ihren Sitz. Peuerbach war damals Grenzstadt zu Bayern, weil das benachbarte Innviertel noch zu Bayern gehörte.

Alte Siedlung

Der ehemalige Hauptschuldirektor Hubert Haslehner verweist auf die noch viel ältere Geschichte des Ortes: „Peuerbach ist auch eine der ältesten Siedlungen zwischen Inn, Donau, Traun und Hausruck. Der Name geht vermutlich auf „Boierpah“, also „Bayerngau“ zurück.“ Wir folgen dem Kulturexperten zum zentralen Platz der Stadt, der vom Überbleibsel des Renaissanceschlosses dominiert wird. Im Jahr 1626 wurde dieses von aufständischen Bauern unter der Führung von Stefan Fadinger belagert und erobert. Daran erinnert in beeindruckender Weise das im zweiten Stock des Gebäudes eingerichtete Bauernkriegsmuseum. Mehr als 20.000 Zinnfiguren und historische Waffen illustrieren das dramatische Kriegsgeschehen zwischen Mai und November 1626, bei dem sich in ganz Oberösterreich 40.000 Bauern erhoben.

Wie die heute noch gebräuchliche Redewendung „von der Pike auf lernen“ entstanden ist, demonstriert Haslehner: „Die Pike war ein fast sechs Meter langer Speer, dessen Handhabung die Landsknechte in ihrer militärischen Grundausbildung als erstes erlernen mussten. Damit sollten die Bauern in der Schlacht auf Distanz gehalten werden.“ Makaber wird die Redewendung „Zu Tode lachen“ mittels Zinnfiguren dargestellt. Ein gefangener Bauer ist mit nackten Füssen an einen Sessel gefesselt. Seine Fußsohlen wurden mit Salz bestreut, das von einer Ziege abgeleckt wird. Der dadurch ausgelöste Lachreiz wird zu einer Folter und führt zum Ersticken des bedauernswerten Gefangenen.

Landeskrippe

Weitaus friedlicher, geradezu idyllisch, geht es der im angrenzenden Raum aufgebauten oberösterreichischen Landeskrippe zu. Der Name „Krippe“ trifft nur zum Teil zu. Denn nur die Geburtsszene mit den orientalisch gekleideten Heiligen Drei Königen erinnern an das biblische Geschehen. Die übrigen 200 Figuren stellen in der jeweiligen Tracht Volks- und Brauchtum der vier Viertel von Oberösterreich dar. Die heimische Bergkulisse umrahmt in dieser Miniaturlandschaft Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Weinberg, typische Hofformen wie den Traunviertler Vierkanter, das Mondseer Rauchhaus sowie mehrere Klöster wie St. Florian und Lambach. Dazwischen gibt es Szenen mit Glöcklerläufern, Aperschnalzer und Georgireiter. Eine in ihrer Art einmalige Heimatkrippe.

Josef Leitner besucht interessante Plätze der Natur und Kultur.