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Chronik Oberösterreich
09/05/2021

Er lässt sich nicht behindern

Walter Ablinger hat in Tokio zum zweiten Mal Olympiagold gewonnen. Von Gerhard Marschall.

In Taufkirchen an der Pram (Bez. Schärding) haben sie vor Kurzem ihrem „Luki“ eine eigene Straße geschenkt. Die Zufahrt zum Sportplatz ist jetzt nach Lukas Weißhaidinger benannt, der bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille im Diskuswurf errungen hat. So etwas will gewürdigt werden. Der 1.500-Einwohner Gemeinde Rainbach gleich nebenan steht das jetzt bevor. Walter Ablinger kehrt sogar mit Gold und Bronze von den Paralympics in Japan heim.

„Eine Straße können wir nicht nach ihm benennen“, sagt Bürgermeister Gerhard Harant, „weil die hat er schon“. Aber man werde sich etwas einfallen lassen, das dem Anlass gerecht werde. Schließlich kommt Ablinger nicht zum ersten Mal als Olympiasieger nach Hause. 2012 hat er in London ebenfalls Gold gewonnen, vier Jahre später in Rio Silber. Dazu kommt eine lange Liste weiterer Siege. Dabei sah es vor Kurzem gar nicht gut aus. Wegen eines Harnwegsinfekts musste der 52-Jährige heuer eine Rennpause einlegen, gefolgt von einem kompletten Formneuaufbau. Zur optimalen Vorbereitung gehörte auch die Reduzierung des Körpergewichts auf 58 Kilo.

Maßgeschneidertes Rad

Getragen wird Ablinger von seiner Familie – Ehefrau Marietta und drei Kindern – sowie von einem eingespielten Team: Headcoach Christoph Etzlstorfer, Sportwissenschafter Markus Kinzlbauer, Mentaltrainer Bernhard Streif, Physiotherapeut Christoph Kohlbauer, Radmechaniker Erwin Sommergruber, Medienprofi Robert Wier. Und dann ist da noch Ludwig Hackinger. Er hat das Olympia-Handbike auf Ablinger maßgeschneidert. Es wiegt knapp 8,5 Kilo und ist exakt auf die hügelige Strecke in Tokio mit schnellen Bergabkurven abgestimmt. Hunderte Stunden Tüftelei und Arbeiten machten sich bezahlt. Ablinger gewann mit 1,89 Sekunden Vorsprung auf den Zweiten Gold im Einzelzeitfahren, tags darauf holte er im Straßenrennen als Draufgabe die Bronzemedaille.

„Ja, sicher“ gehöre ein Teil des Erfolgs auch ihm, räumt Hackinger ein, „aber weit wichtiger sind natürlich die Fahrer.“ Der 54-Jährige arbeitet als Konstrukteur bei Fill in Gurten und sitzt wegen einer Rückenmarkskrankheit ebenfalls im Rollstuhl. Das erste Handbike baute er für sich selbst. „Ich habe mir gedacht, das kann ich mindestens so gut wie andere Hersteller.“ Eindeutig besser, wie Tokio bewiesen hat. Das gesamte österreichische Team war mit Rennmaschinen made by Hackinger unterwegs. Mit vier Medaillen habe er gerechnet, sagt der Innviertler, geworden sind es sechs: „Genial, ein Wahnsinn!“

1999 Sturz vom Dach

„Ich lass’ mich nicht behindern“, lautet ein Lebensmotto Ablingers. Seit einem Arbeitsunfall – der Zimmermann stürzte 1999 vom Dach – ist er vom Nabel abwärts gelähmt. Nach der Umschulung zum Bürokaufmann wurde der Sport für ihn immer wichtiger, so gelangte er zum Biken. „Ich habe echt keine Ahnung, wo ich das ganze Glück herkriege“, sagte der Heeressportler im Ö3-Liveinterview unmittelbar nach dem Olympiasieg. Den Einwand, dass er doch besonders viel Pech gehabt habe, ließ er so nicht stehen: „Jeder von uns hat in irgendeiner Phase des Lebens mit Schicksalsschlägen zu kämpfen.“ Seine Empfehlung: „Einfach glücklich sein.“ Offen ist, ob Ablinger seine glanzvolle Karriere fortsetzen wird, und wenn ja, wie lange. Ludwig Hackinger wird jedenfalls weitermachen und denkt bereits an die nächsten Paralympics: „Natürlich sind solche Erfolge Treibstoff für die Zukunft. Paris 2024 kommt!“

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