Chronik Niederösterreich
05/03/2019

„Wir müssen Gräben zuschütten“

Die neue Bürgermeisterin Andrea Völkl spricht über die politische Konstellation und ihre Zukunftspläne

von Kevin Kada

Die 55-jährige Andrea Völkl (ÖVP), vom Brotberuf Leiterin einer betreuten Wohneinrichtung, ging als große Wahlsiegerin aus der Gemeinderatswahl in Stockerau (Bezirk Korneuburg) hervor.

Damit beendete sie eine 75-jährige Vorherrschaft der Sozialdemokraten in der größten Stadt des Weinviertels. Im KURIER-Interview spricht sie über ihre Ziele und den „neuen Stil“, den sie in die Stadtpolitik bringen will.

KURIER: Die Wahl ist knapp ein Monat her. Die Stadtregierung steht. Heute Abend werden Sie als Bürgermeisterin von Stockerau angelobt. Fällt nun eine gewisse Last von ihren Schultern, oder kommt der Druck erst? Andrea Völkl: Die Freude am Wahltag war natürlich riesengroß. Der Lohn dafür, wie viel wir gelaufen sind und dass die Menschen von Stockerau das bestätigt haben. Mein Wunsch war, dass wir mit allen Parteien zusammenarbeiten. Das Übereinkommen ist unterschrieben und jetzt folgt die konstituierende Sitzung. Die letzten Wochen haben schon Kraft und Energie gefordert, aber ich freue mich jetzt auf die Arbeit, die auf mich zukommt.

Sie haben das Übereinkommen selbst angesprochen. Es sitzen vier Parteien im neuen Gemeinderat. Das Übereinkommen wurde just mit den Wahlverlierern, SPÖ und FPÖ geschlossen. Ist das nicht eigentlich Arbeit gegen den Wählerwillen?

Die ÖVP hat 18 Mandate errungen, der Wähler hat dafür gestimmt, dass ich den Auftrag bekomme. Die Menschen in Stockerau haben mich als Spitzenkandidatin gewählt, weil ich ein Kind dieser Stadt bin. Viele kennen mich auch schon seit ich ein Kind war. Und die wissen, wie ich bin. Ich bin eine Verbinderin. Ich suche immer den Konsens und die Diskussion, dass man auf eine gute Lösung kommt. Was man von den Menschen gehört hat, ist, dass sie die Politik satt haben, wo nur gestritten wird. Wo es nicht um Sachthemen und Lösungen für die Stadt geht, sondern wo persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund stehen.

Aber jetzt hat man mit den Grünen dennoch eine Oppositionspartei, die auch durchaus Konfliktpotenzial in den Gemeinderat bringt und wo es zu Streitigkeiten kommt. Und es bedeutet ja auch nicht, dass SPÖ und FPÖ bei jedem Vorschlag mitgehen müssen.

Nein, denn das Übereinkommen ist ganz frei. Es regelt ausschließlich die Struktur der politischen Zusammenarbeit, die Ausschussgrößen und die Menge an Ressorts und Stadträten. Da war die Sichtweise der Grünen eine andere als meine. Wir haben das diskutiert. Ich wollte alle Parteien im Stadtrat. Aber es ist nicht meine Sichtweise, dass es friedenstiftend für die Zukunft ist, wenn wir alte Fehler aus der Vergangenheit wiederholen. 2015 wären die Grünen ausgeschlossen worden und nun hätten wir das unter anderen Vorzeichen wieder gehabt.

Die FPÖ hat nur einen Stadtratsposten, weil die ÖVP ihr einen gibt. Die SPÖ hat den zweiten Vize-Bürgermeister. Es ist zwar kein Knebelvertrag, aber stehen die beiden Parteien nicht irgendwie bei Ihnen in der Schuld?

Nein. Wir haben ein System aufgesetzt, in welchem wir gut zusammenarbeiten können. Wir müssen Gräben zuschütten und alle sind zur Mitarbeit aufgefordert, so, wie es für sie passt.

Hier sehen Sie das Interview in voller Länge

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