Chronik | Niederösterreich
07.07.2018

Weg mit dem Geschäft: „Der Park ist keine Hunde-Toilette“

© Bild: KURIER/Schaffer Hans Peter

Seit einer Woche patrouilliert der Ordnungsdienst in Wiener Neustadt auch in Sachen Hundekot

Die beiden stattlichen Herren, groß gewachsen und mit dunkler Sonnenbrille, streifen aufmerksam durch den Stadtpark. Richtete sich ihr Augenmerk bisher voll und ganz auf Parksünder, so ist der Ordnungsdienst der Stadt Wiener Neustadt seit vergangenen Montag als vereidigtes Organ auch in Mission „Hundekot“ unterwegs.

Weil Kinder und Eltern auf den Spielplätzen und Parkanlagen viel zu oft in die übel riechenden „Tretminen“ tappten, fletscht die Stadt nun ihrerseits die Zähne gegen undisziplinierte Hundebesitzer. Wer das Gackerl seines Vierbeiners nicht ordnungsgemäß im Mülleimer entsorgt, dem dürfen die Aufsichtsorgane sogar einen Strafzettel (Organstrafverfügung) von 35 Euro aufs Auge drücken.

 

Dass sie als Ordnungshüter und Park-Sheriffs in der öffentlichen Wahrnehmung auf der Beliebtheitsskala zusammen mit Journalisten und Polizisten vermutlich relativ weit unten rangieren, ist für die Aufsichtsorgane gar kein Problem. „Man gewöhnt sich daran. Erst diese Woche haben wir einen zu schnellen Radfahrer in der Fußgängerzone einbremsen wollen. Er hat uns den Finger gezeigt und ist einfach weiter gerast. Das gehört zum Job“, erzählt Reinhard H.

Wenn man ihn und seinen Kollegen Wolfgang B. bei ihrem Streifgang durch die Grünoasen der Stadt begleitet, strömt den beiden aber auch viel Sympathie entgegen. Man kennt die Aufsichtsorgane.

 

© Bild: Wammerl Patrick

Die Sache mit den Strafzetteln für den Hundekot hat sich bereits herumgesprochen. Eine Pensionistin mit Fahrrad bleibt stehen. „Das ist toll, dass das endlich geahndet wird. Man traut sich na nicht einmal mehr in die Wiese“, so die Passantin, die ein weiteres Problem anspricht.

Seejuwel

Mit dem Achtersee gibt es in Wiener Neustadt ein Naturjuwel, das von der Bevölkerung gerne als Badesee und zum Auslauf der Hunde frequentiert wird. Auch dort streifen nun die Aufsichtsorgane. „Viele lassen die Hunde frei herumlaufen. Erst wenn die Leute uns sehen, werden die Leinen angelegt“, berichtet Reinhard H.

Der Chef der Aufsichtsorgane am Magistrat, Oliver Schmidtbauer, setzt auf die präventive Wirkung der Ordnungshüter. „Die Bewusstseinsbildung bei den Leuten ist sofort da. Strafen wollen wir nur als allerletzte Konsequenz“, meint Schmidtbauer. 90 Prozent der Hundehalter würde sich ohnedies an die Regeln halten. „Die anderen versuchen wir zu bekehren. Schließlich ist der Park keine Hunde-Toilette“. Die Erfahrungen sind sehr positiv. In der ersten Woche wurde niemand gestraft.

© Bild: Deutsch Gerhard

100.000 Sackerln landen in Wien täglich im Müll

Den Blick nur nicht zu lange vom Gehsteig heben, weil da möglicherweise ein Hundekot im Weg liegen könnte – das war lange Zeit auch in Wien ein Problem. Bis sich die Stadt des Themas annahm.  Zuerst wurde sensibilisiert, danach gestraft, heißt es aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). 2007 wurden die ersten kostenlosen „Gackerl fürs Sackerl“-Automaten  und  Wiesenstecker in Parks und Grünanlagen aufgestellt. Seit 2008 müssen Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften  ihres Vierbeiners nicht wegräumten, zahlen. Aktuell sind es 50 Euro.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, findet Sima (SPÖ).  Kaum ein Trümmerl bleibt vom Geschäft der  55.600 in Wien gemeldeten Vierbeiner   zurück. 100.000 „Sackerln fürs Gackerl“ landen  täglich im Müll – entweder in öffentlichen Mistkübeln oder in Restmüllbehältern auf privaten Liegenschaften. Das sind rund 36 Millionen Sackerln im Jahr. Insgesamt gibt es dafür 3500 Automaten in der Stadt. Gleichzeitig stehen 25.000 Mistkübel für die Entsorgung der tierischen Hinterlassenschaften bereit.
Beißkorb und Leine Im Frühjahr nahm sich die Stadt eines weiteren Problems an: Der (Nicht-)Einhaltung der Leinen- und Beißkorbpflicht. Polizei und Veterinäramt waren dafür Mitte Mai verstärkt unterwegs.

Wurden Hundehalter mit Listenhunden (Tiere, die per Gesetz als gefährlich gelten) angetroffen, wurde zusätzlich der Hundeführschein geprüft. Auch darauf habe sich die Stadt zuletzt verstärkt konzentriert. Das Ergebnis laut  Polizei: Es werden kaum noch Listenhunde-Halter ohne Schein angetroffen.