Heimatkrimi "Mariandlmord": Wo die Wachauer Idylle Risse bekommt

Mit „Mariandlmord“ ist der dritte Heimatkrimi von Andrea Walter alias Fanny Svoboda erschienen. Im KURIER-Interview spricht die Autorin über Erwartungsdruck, KI und die Faszination für das Genre.
Eine Frau in schwarzer Kleidung sitzt auf einem Sofa, während ihr ein Buch ins Gesicht fällt.

Fährt Andrea Walter durch ihre Heimat, sieht sie mehr als eine von verschlungenen Kellergassen, pittoresken Häusern und terrassierten Weinhänge geprägte Landschaft. In ihren Gedanken entstehen Konflikte zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern idyllischer Ortschaften, Geschichten hinter harmlosen Fassaden – und Kriminalfälle gebettet in regionale Eigenheiten. Es sind diese Beobachtungen „direkt vor der Haustür“, die sie zur Handlung ihrer Wachau‑Krimis inspirieren.

Unter dem Titel „Mariandlmord“ ist kürzlich der dritte Band ihrer Reihe rund um Hobby-Ermittler Horvath erschienen. Die ersten beiden Teile – „Marillenknödelmord“ und „Sonnenwendmord“ – kamen bei Walters Leserschaft sehr gut an. Ein Erfolg, der sich im Schreibprozess bemerkbar machte: „Ich bin deutlich verkopfter an die Arbeit herangegangen, habe mehr hinterfragt, mehr abgewogen.“ Gleichzeitig nahm die Autorin Veränderungen bei ihrem Stil wahr. Sie habe begonnen, dichter zu schreiben, mehr zu wagen. Auch ihre Figuren seien gewachsen.

Im Zuge der Arbeit am dritten Teil habe sie zudem gelernt, bewusst mit Erwartungsdruck umzugehen – von außen wie von innen. Ihr Fazit: Gutes Schreiben entstehe aus der Freude am Schaffen, nicht aus dem Gefühl, sich Beweisen zu müssen. Eine Erfahrung, die in gewisser Weise auch der Protagonist ihrer Bücher macht.

Emotion statt KI

In „Mariandlmord“ lässt sich Horvath aus Zeitnot und Zweifeln an den eigenen Ideen dazu hinreißen, sein neuestes Buch von einer KI schreiben zu lassen. In dem vermeintlich eigenen Manuskript wird ein „Mariandl“-spielender Leierkasten zur giftigen Mordwaffe. Als schließlich ein Magier und eine Sängerin durch entsprechend präparierte Musikinstrumente zu Tode kommen, steckt der Autor bis zum Hals im Schlamassel – nicht zuletzt, weil seine Frau Mimi ins Visier der Ermittlungen gerät.

Künstliche Intelligenz fasziniere sie sehr, so Walter. Sie sei jedoch eher praktisches Werkzeug als Ersatz für Autorinnen und Autoren. „Schreiben ist mehr als das Aneinanderreihen korrekter Sätze. Es ist Leidenschaft, Intuition, manchmal auch ein sehr emotionaler oder skurriler Prozess“, beschreibt sie. In ihrem Buch setzt Walter KI-generierte Texte bewusst ein – für die Manuskriptseiten.

Ein weiteres Stilmittel, auf das sie bereits in ihren vorherigen Regional-Krimis zurückgegriffen hat, ist die Überzeichnung. Ihre Charaktere wirken teils beinahe karikaturesk. Für Walter eine Möglichkeit, mit sozialen Spannungsfeldern zu spielen. „Ich arbeite nicht mit einem realistischen Gesellschaftsspiegel, sondern eher mit einem ganzen Spiegelkabinett“, sagt sie. Dabei setzt die Autorin auf Augenzwinkern statt Moralkeule.

Heimatkrimis sind besonders im deutschsprachigen Raum ein beliebtes Genre, das von vielen Autorinnen und Autoren bedient wird. Angst, dass bereits alles erzählt wurde, hat Walter dennoch nicht. Wenn sie das glauben würde, hätte sie nie mit dem Schreiben der Reihe begonnen.

Trends in der Unterhaltungsliteratur beobachte sie dennoch: „Motive wie Amnesie, Doppelgänger oder andere dramaturgische Konstellationen tauchen phasenweise gehäuft auf.“ Entscheidend seien jedoch Figuren und Perspektiven, diese würden je nach Autorin oder Autor variieren. Auserzählt ist die Geschichte rund um Horvath und Mimi also noch nicht. Ein neuer Thriller ist bereits im Entstehen – diesmal wieder mit weniger Druck.

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