Von Naschkatzen und Fleischtigern

Zuckerl oder Braten? Essvorlieben sind angeboren und erlernt. Das zeigen Ergebnisse der Ernährungsforschung.

Man kennt die unbändige Gier mancher Kinder wenn es um Süßigkeiten geht. Ein Stück Schokolade reicht da meist nicht aus. Doch warum haben manche Kinder so ein starkes Verlangen nach Süßem und andere wiederum mögen kein Fleisch? "Die Entstehung von Geschmackspräferenzen ist vielschichtig", erklärt die Wiener Ernährungswissenschafterin Eva Derndorfer anlässlich einer Tagung des Verbands der Ernährungswissenschafter Österreich. SO betont die Wissenschaftlerin, dass manche Vorlieben oder Abneigungen angeboren, andere erlernt sein können.

Süße Versuchung

Die Lust auf Süßes ist evolutionär bedingt, das heißt angeboren. Da es äußerst wenige süße Lebensmittel gibt, die giftig sind, ist es schlicht der sicherste Weg etwas Süßes zu essen. "Auch dem süßen Geschmack des Fruchtwassers wird eine prägende Wirkung zugesprochen", sagte Derndorfer. Die Aversion gegenüber bitteren und sauren Nahrungsmitteln schützt demnach vor Verdorbenem oder Unreifem.

Der Reiz des Verbotenen

Um zu den Kindern zurückzukommen: Allen Eltern sei empfohlen die Essgewohnheiten und Vorlieben ihrer Kleinen nicht unter allzu strikte Restriktionen zu stellen. Wird beispielsweise Süßes gezielt von den Eltern verringert oder gemieden so entwickeln die Kinder ein verstärktes Verlangen nach diesen. Dieser Effekt konnte auch für andere Lebensmittel beispielsweise Obst nachgewiesen werden und kann so auch zum Guten genutzt werden. Es gilt: Restriktionen machen das betreffende Lebensmittel attraktiver.

Auch die Häufigkeit, mit der ein Lebensmittel genossen wird bzw. das Umfeld beeinflussen die Vorlieben. Kindern zeigt sich beispielsweise, dass sie im Beisein ihrer Geschwister mehr essen als in Gesellschaft von Unbekannten. Die Ursache dafür liegt im viel zitierten "Futterneid" sowie in der Vertrautheit.

Fleisch!?

Die Lust auf Fleisch ist aktuell noch weniger erforscht als die Liebe für Süßes. "Aus biologischer Sicht ist die Vorliebe für den Umami-Geschmack (Bedeutet: herzhaft-fleischlich) angeboren", erklärte Derndorfer. Der z. B. in proteinreichen Lebensmitteln auftretende Geschmack beeinflusst den Fleischkonsum. Dieser wiederum hängt bei Kindern unter anderem davon ab, ob eine Neophobie vorhanden ist: die Angst vor bzw. die Ablehnung von neuen Lebensmitteln.

Erstellt am 05.12.2011