Chronik | Niederösterreich
26.03.2018

Von der Stinkstadt zur Glanzstadt: Bauboom in St. Pölten

Die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten wird als Wohnort immer beliebter

St. Pölten.

Mehr als 4500 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren gebaut werden.

Starker Zuzug auch

dank schneller Bahnverbindung nach Wien. 60.000. Diese Zahl wird in St. Pölten oft genannt, vor allem von Politikern. Sie ist wie eine Hürde, die es unbedingt zu nehmen gilt. Und es dürfte aller Voraussicht nach auch nicht mehr allzulange dauern, bis die Landeshauptstadt die 60.000-Einwohner-Marke knacken wird.

Die Stadt wächst also. Zuletzt um rund elf Prozent und damit schneller als die umliegenden Gemeinden. Einer, der sich entschlossen hat, St. Pölten zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen, ist Karl Heinz Kremser. Vor vier Jahren zog er von Wien nach St. Pölten, wohnt jetzt mit seiner Familie in einem Haus im Süden und betreibt das Geschäft „Schatztruhe“. „Die Übersiedelung hatte vor allem finanzielle Gründe. Wien ist einfach sehr teuer, hier konnte ich mir ein Haus leisten“, erzählt er.

Früher als „Schnarchstadt“ verschrien, hat sich St. Pölten zu einem Ort mit Lebensqualität entwickelt. Das sagen nicht nur jene, die für St. Pölten aus beruflichen Gründen die Werbetrommel rühren müssen, auch Kremser ist davon überzeugt. „St. Pölten ist eine tolle Stadt. Das können sie ruhig schreiben.“

Tatsächlich hat sich im letzten Jahrzehnt einiges zum Positiven hin verändert. Die Innenstadt kann endlich mit einem ordentlichen Gastro-Angebot aufwarten, Landestheater und Festspielhaus sorgen immer wieder für kulturelle Highlights und seit dem Vorjahr ist es auch an Sonn- und Feiertagen möglich, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dazu kommt, dass man per Zug in weniger als 25 Minuten Wien erreicht. Die „schnelle Schiene“ in die Bundeshauptstadt – da sind sich Immo-Experten einig – lässt St. Pölten immer mehr in den Fokus von Wohnungssuchenden rücken.

Große Projekte

Dass in den vergangenen Jahren Kräne das Stadtbild mitprägten, hat vor allem einen Grund: Es wird sehr viel gebaut. Die Zahlen bestätigen das. Wurden im Jahr 2002 noch 141 Wohnhaus- und Reihenhausanlagen errichtet, waren es im vergangenen Jahr schon 452.

Dazu kommt, dass große Projekte erst noch vor ihrer Umsetzung stehen. Am ehemaligen Areal der Glanzstoff etwa, die in früheren Zeiten dafür sorgte, dass an manchen Tagen der Geruch von faulen Eiern über der Stadt lag, sollen mindestens 1000 Wohnungen entstehen. Glanzstadt soll sie dann heißen. Nicht weit davon entfernt, in der Nähe der Viehofner Seen, sind es noch einmal 500. Insgesamt sind es rund 4500 Wohneinheiten, die in den kommenden Jahren geschaffen werden sollen. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht. Bürgermeister Matthias Stadler betont gerne, dass man noch über genügend Flächenreserven verfüge, die genutzt werden können.

Zwar sind die Mietpreise im Steigen begriffen, zieht man aber Vergleiche mit Wien, Salzburg oder Innsbruck, liegt man noch im unteren Bereich. Aber auch der Blick auf jene Städte, die einwohnermäßig über eine ähnliche Größe verfügen, zeigt, dass St. Pölten zum Beispiel nur ein unwesentlich teureres Pflaster als Wels ist. „Das Wohnbauvolumen wirkt sich preisdämpfend aus“, sagt Immobilien-Profi Paul Edlauer. Begehrt seien vor allem auch Immobilien, von denen man den Bahnhof in ein paar Minuten zu Fuß erreiche.