Unwetter: Regierung kündigt rasche Hilfe an - erneut Starkregen prognostiziert

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Südburgenland rüstet sich für nächsten Regen. 1.000 Haushalte in Oststeiermark ohne Strom. Kinder in NÖ aus Fluten gerettet.

Angesichts der Verwüstungen durch schwere Unwetter in Teilen Österreichs haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) am Mittwoch rasche Hilfe für Betroffene angekündigt. Die Bereitstellung von Mitteln aus dem Katastrophenfonds werde geprüft, hieß es aus dem Kanzleramt.

Nach den anlaufenden Aufräumarbeiten sollen zügig die entstandenen Schäden erhoben werden. Man sei mit den zuständigen Stellen der Länder in Kontakt, um Hilfsmaßnahmen unbürokratisch in die Wege zu leiten. Dank gelte den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern.

Steiermark: Tausend Haushalte ohne Strom

Nach der heftigen Gewitterfront, die am Dienstagabend über die Steiermark gezogen ist, waren Mittwochfrüh immer noch rund 1.000 Haushalte vor allem in der Oststeiermark ohne Strom. Besonders im Raum Fischbacher Alpen seien viele Zufahrtswege noch von Bäumen versperrt.

Die Feuerwehr zog eine erste Bilanz: Rund 1.500 Kräfte waren im Einsatz. Der steirische Feuerwehrverband sprach von orkanartigen Windböen mit Spitzen über 100 km/h, einer Vielzahl von entwurzelten bzw. geknickten Bäumen sowie heruntergebrochenen Ästen. Dächer wurden beschädigt oder abgedeckt. Straßen, Gehwege und Gleisanlagen waren blockiert. Im Stadtpark in Graz kam ein 26-jähriger Rumäne ums Leben, als er von einem umfallenden Baum getroffen wurde. Im oststeirischen Raabtal hatte ein Baum nahe dem Bahnhof Studenzen-Fladnitz die Gleise der Ostbahnstrecke der ÖBB blockiert.

Bilder: Unwetterschäden in NÖ, Burgenland und der Steiermark

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©Einsatzdoku/ Lechner Chr

Schwere Unwetter gab es in Feistritz am Wechsel und Kirchberg am Wechsel.

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Schwere Unwetter gab es in Feistritz am Wechsel und Kirchberg am Wechsel.

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In Graz musste die Stiege zum Schlossberg gesperrt werden.

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Die Feuerwehr Vordersdorf im Bezirk Deutschlandsberg beseitigte Unwetterschäden.

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In Rudersdorf (Burgenland) wurden Straßen überflutet.

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Ein Lastwagen stürzte Dienstagabend während des Gewitters von einer Brücke in Dobersberg (NÖ) in die Thaya.

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Feuerwehrleute waren auch in Krems im Unwettereinsatz.

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Auch in Altenberg an der Rax richtete die Regenmengen Schäden an.

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Vor allem der Bezirk Neunkirchen wurden schwer von den Unwettern getroffen.

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Vor allem der Bezirk Neunkirchen wurden schwer von den Unwettern getroffen.

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In Neunkirchen hagelte es auch kräftig.

Burgenland rüstet sich für nächsten Regen

Das Bangen um die nächsten Unwetter-Einsätze im Burgenland reißt nicht ab. Im Landessüden zählte am Dienstagabend die Gemeinde Rudersdorf (Bezirk Jennersdorf) zu den Hotspots. Da für heute bereits die nächsten Gewitter und Starkregen angekündigt sind, rüstet sich die Feuerwehr im Vorfeld. "Wir haben 150 Sandsäcke hergerichtet", schilderte Kommandant Patrick Kainz der APA.

"Kurz vor 19 Uhr hat das Unwetter gestern eingesetzt. Kurz darauf sind wir bereits alarmiert worden. Zuerst waren es zwei Verkehrswege, die wir freimachen mussten. Dann sind die Wassermassen gekommen. Die Bundesstraße Richtung Deutsch Kaltenbrunn wurde überflutet", berichtete der Feuerwehrkommandant.

Ein eher ungewöhnliches Bild bot sich den Einsatzkräften in der Garage eines Einfamilienhauses. "Dort ist ein Pkw bis zur Decke aufgeschwommen." Einige Keller mussten ausgepumpt werden. "Die Wassermassen in dem Bereich waren massiv", so Kainz.

Bereits am Dienstag habe man versucht, mit Sandsäcken das Wasser zurückzuhalten. "Einen Teil der Sandsäcke haben wir bereits auf die aus unserer Sicht gefährdeten Häuser aufgeteilt. Der Rest ist auf Paletten gelagert, damit wir - sollte heute noch Bedarf da sein - gerüstet sind", erzählte der Kommandant.

Laut Hagelversicherung hat es am Dienstag besonders das "Blaufränkischland" im Bezirk Oberpullendorf getroffen. "Hier machte der Schaden am Dienstagabend bereits eine Million Euro aus", sagte Pressesprecher Mario Winkler im APA-Gespräch.

Der Deutschkreutzer Ortschef Manfred Kölly (LBL) berichtete von entwurzelten Bäumen. "Es war nicht so wild. Die Rückhaltebecken bei uns und in Neckenmarkt, an denen wir uns auch finanziell beteiligt haben, sind uns sehr zugutegekommen. Aber in der Landwirtschaft kannst du nichts machen - außer beten", meinte Kölly.

Seit knapp zwei Wochen halten Unwetter vor allem die Einsatzkräfte im Südburgenland in Atem. Besonders stark betroffen waren Ende Mai und Anfang Juni unter anderem die Gemeinden Riedlingsdorf und Loipersdorf-Kitzladen im Bezirk Oberwart.

NÖ: Aufräumarbeiten und keine Entwarnung

Im Bezirk Neunkirchen sind nach dem Unwetter vom Vortag am Mittwoch in der Früh die Aufräumarbeiten fortgesetzt worden. 200 Feuerwehrleute standen dabei u.a. im Einsatz, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando auf Anfrage. Seitens des Landes Niederösterreich gibt es eine Zusage zur raschen Schadensabwicklung.

Die Aufräumarbeiten würden sicher den ganzen Tag und vermutlich auch noch am Donnerstag andauern, sagte Resperger. Ein Katastrophenhilfszug aus dem Bezirk Wiener Neustadt war angefordert, bestätigte Landesrat Stephan Pernkopf ( ÖVP). Er wollte sich noch am Mittwoch ein Bild von der Lage im südlichen Niederösterreich machen. Es gebe "keine Entwarnung in den kommenden Tagen", so der Landesrat.

Der Bezirk Neunkirchen war noch am Dienstagnachmittag zum Katastrophengebiet erklärt worden. Die zugesagte rasche Schadensabwicklung soll laut Pernkopf eine zumindest "kleine Hilfe" für die Betroffenen sein.

Die mächtigen Gewitter, die über die Bezirke Neunkirchen, Wiener Neustadt, Krems, Zwettl, Gmünd und Waidhofen a.d. Thaya gezogen waren, führten zu 350 Feuerwehreinsätzen, die 1.100 Mitglieder auf Trab hielten. Insgesamt wurden in den Unwetterregionen 120 Keller und Häuser teilweise bis zu einem Meter hoch überflutet. Nachdem eine ersten Gewitterzelle am Nachmittag bereits enormen Schaden im Bezirk Neunkirchen angerichtet hatte, zog gegen 20.00 Uhr eine zweite Front über die Region und sorgte wiederum für weiträumige Überflutungen, wobei auch mehrere Bäche und Flüsse über die Ufer traten.

Frau mit zwei Kindern gerettet

In Otterthal (Bezirk Neunkirchen) hat das Rote Kreuz zudem am Dienstagabend eine Frau mit zwei Kindern im Alter von zwölf und sechs Jahren aus den Fluten gerettet. Die drei Personen seien in einem Auto von den Wassermassen überrascht worden und seien weder vor noch zurück gekommen, teilte das Rote Kreuz in der Nacht auf Mittwoch in einer Aussendung mit.

Zwei Rotkreuz-Mitarbeiter hätten die Frau mit den Kindern bei einer Erkundungsfahrt durch die überfluteten Straßen Otterthals entdeckt. Die Familie sei befreit und dann mit dem Rettungswagen in ihren Heimatort Kirchberg gebracht worden.

( Agenturen , best , sho ) Erstellt am 13.06.2018