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Chronik Niederösterreich
07/31/2012

Unwetter: Fahrlässige Tötung in Pöchlarn?

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet und einen Sachverständigen beauftragt, der die Beschaffenheit des Baumes prüfen soll.

Hätte das Mittelalterfest in Pöchlarn, bei dem am Samstag zwei Menschen ums Leben kamen, abgebrochen werden müssen? Hat der Veranstalter die Lage falsch eingeschätzt und zu spät gewarnt? Wurden die Bäume im Schlosspark ordnungsgemäß überprüft?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich nun die Staatsanwaltschaft St. Pölten. "Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung", sagt die Leitende Staatsanwältin Michaela Schnell. Ein Gutachter soll nun den Kastanienbaum, der für Familienvater Gerhard W. und Veranstalter Mirco K. zur Todesfalle wurde, unter die Lupe nehmen. Mit einem Ergebnis ist in einigen Wochen zu rechnen.

Interessant im Zusammenhang mit dem Unwetter-Drama in Pöchlarn ist, dass es in Niederösterreich ein anderes Veranstaltungsgesetz als beispielsweise in Wien gibt. "Das ist Ländersache, aber in der Bundeshauptstadt muss ein Fest geräumt werden, wenn Windgeschwindigkeiten von mehr als 80 km/h erwartet werden. Darauf sind Zelte und Bühnen genormt", erklärt Sascha Kostelecky, Geschäftsführer der Firma ProEvent. Diese organisiert seit Jahren das Donauinselfest, das heuer wegen Unwettern zeitweise abgebrochen werden musste.

"Bei einem Fest dieser Größenordnung gibt es eine Sicherheitszentrale, die alle Wetterwarnungen beobachtet. Bei kleinen Veranstaltungen ist das kaum finanzierbar." Exakte Unwetter-Prognosen seien aufgrund der Wetterkapriolen immer schwieriger geworden. Punktgenaue Vorhersagen sind zwar möglich und werden in der Formel 1 eingesetzt. So etwas ist aber sehr kostspielig. Kostelecky: "Wir vergleichen immer mehrere Anbieter."

Windgeschwindigkeit


Im nö. Veranstaltungsgesetz haben in puncto Sicherheit die Organisatoren folgende allgemeinen Auflagen zu erfüllen: Der Veranstalter oder die von ihm namhaft gemachte Ansprechperson hat die Veranstaltung sofort zu unterbrechen, abzubrechen oder abzusagen und die Besucher nötigenfalls zum Verlassen der Veranstaltung aufzufordern sowie alle sonst erforderlichen Maßnahmen zu setzen, wenn er erkennt, dass das Leben oder die Gesundheit von Menschen oder die Sicherheit von Sachen gefährdet wird.

Warum die Passage mit dem Wind fehlt? "Würde man das vorschreiben, müsste man bei jeder Veranstaltung ein Windmessgerät aufstellen", sagt Engelbert Müller vom Büro Veranstaltung der nö. Landesregierung.

Für eine Vereinheitlichung der Gesetze spricht sich Franz Stadlbauer, Sachverständiger für Zeltbau aus. "Seit Jahren kämpfe ich dafür, passiert ist leider noch nichts." Außerdem, so Stadlbauer, sollten Zelte vor Veranstaltungen besser geprüft werden.

Während die Suche nach den Schuldigen für die Tragödie beim Ritterfest läuft, wird der kleine Lukas, der bei dem Unglück zum Vollwaisen wurde, nach wie vor im Krankenhaus St. Pölten behandelt. Sein Vater soll am kommenden Freitag beerdigt werden.

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