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Chronik Niederösterreich
09/27/2018

Unglück mit Bundesheer-Boot: Brisante Fotos aufgetaucht

Zwei junge Frauen wurden schwer verletzt. Neue Fotos verstärken den Verdacht, dass die Lage vor Ort falsch eingeschätzt wurde.

Fotoaufnahmen, die dem ORF zugespielt wurden, lassen die Rettungsaktion des Bundesheeres nach dem Bootsunglück auf der Donau bei Hainburg am 1. September in keinem guten Licht erscheinen.

Demnach hat das Heer mehr als eine halbe Stunde nicht nach den beiden vermissten Frauen – eine 22- und eine 18-Jährige waren Teilnehmerinnen eines Girl Camps – unter dem gekenterten Boot gesucht. Auch der Notruf nach dem Unglück wurde nicht vom Bundesheer, sondern um 10.19 Uhr von Feuerwehrleuten abgesetzt, die eine Übung abhielten. Um 9.49 Uhr war das Pionierboot gekentert.

Ein vom  ORF veröffentlichtes Foto zeigt, dass um 10.19 Uhr nicht zu erkennen ist, dass nach den beiden Frauen gesucht wurde.

Heeressprecher Oberst Michael Bauer relativiert, dass der abgesetzte Notruf keinerlei Relevanz hatte. "Es wurden Decken angefordert", sagt Bauer. Das Bundesheer verweist außerdem auf die noch laufenden Ermittlungen der eingesetzten Untersuchungskommission. Ein Abschlussbericht soll Anfang Oktober vorliegen.

Keine großen Schiffe in der Nähe

Nach bisherigen Aussagen ist das Bundesheer davon ausgegangen, dass das Heeresboot vermutlich durch die Wellen eines Schubverbandes zum Kentern gebracht wurde. Allerdings haben die Ermittlungen ergeben, dass zum Unglückszeitpunkt kein großes Schiff in der Nähe war.

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich durch die Einvernahmen aller Beteiligten des Camps neue Erkenntnisse, wieso so lange nicht nach den Frauen gesucht wurde. Beide befinden sich noch immer auf den Intensivstationen im AKH und im Wilhelminenspital. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) gibt seit vergangener Woche zum Gesundheitszustand der jungen Frauen keine Auskünfte mehr. Das geschehe auf Wunsch der Angehörigen, sagte eine Sprecherin.

"Wir wollen nicht spekulieren", sagte Sprecher Bauer am Donnerstag auf Anfrage. Der Untersuchungskommission würden "noch nicht alle Fakten" vorliegen, die für eine abschließende Beurteilung des Unglücks notwendig seien. Insbesondere fehlten die wellentechnischen Gutachten und die Befragung der unmittelbar am Unfall beteiligten Frauen, so Bauer.

Ein rekonstruierter Zeitablauf:

Der ORF Niederösterreich hat bereits am 4. September "aufgrund der Aussagen von Helfern und anhand verschiedener Einsatzprotokolle" folgenden Zeitablauf rekonstruiert:

9.49 Uhr: Das Bundesheerboot kentert, fünf Soldaten und acht Frauen werden in die Donau geschleudert.

10.04 Uhr: Ein Feuerwehrmann, der auf der Donau an einer Übung teilnimmt, setzt einen Notruf ab. Das Bundesheer selbst setzt keinen Notruf ab.

10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle löst Großalarm aus.

10.15 Uhr: Das gekenterte Boot kann zu einer Sandbank in der Donau gebracht werden. Nach Angaben des Bundesheeres hatten Soldaten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen unter dem Boot herausgezogen.

10.21 Uhr (aktualisiert 10.19 Uhr): Die örtlich zuständigen Feuerwehren werden alarmiert und rücken mit weiteren Booten aus.

10.28 Uhr: Die erste der beiden Frauen kann gerettet werden und wird reanimiert.

10.30 Uhr: Wie in einer Notiz vermerkt wurde, trifft ein Notarzt auf der Sandbank ein.

10.34 Uhr: Die zweite Frau wird aus dem Wasser gezogen. Laut einem Einsatzprotokoll ist jedoch noch unklar, ob noch jemand fehlt.

10.41 Uhr: In einer Statusmeldung wird festgehalten, dass beide Frauen reanimiert werden.

LINK: ORF-Bericht in "Niederösterreich heute"

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