Trügerisches Idyll in den Bergen

© Bild: Christophorus 3

In hochalpinen Lagen in Ostösterreich herrscht noch Winter. Die Gefahr wird unterschätzt, die Folge sind schwere Unfälle.

Es ist jedes Jahr etwa zur selben Zeit das gleiche Phänomen: Während man im Flachland bereits im T-Shirt einen Kaffee im Schanigarten genießen kann, herrscht in hochalpinen Lagen vor der Haustüre immer noch tiefster Winter. „Diese Kombination ist mitunter verheerend. Die Ausflügler und Tourengeher unterschätzen die schwierigen Verhältnisse am Berg und es kommt reihenweise zu Unfällen“, warnt Karl Tisch von der Bergrettung Puchberg am Schneeberg. Seit dem vergangenen Wochenende zählte die Ortsstelle fünf schwere Bergunfälle am höchsten Berg Niederösterreichs – alle aus dem selben Grund. „Die Leute sind für die derzeit widrigen Verhältnisse zu schlecht ausgerüstet. Die meisten Passagen und nordseitigen Abfahrten auf dem Schneeberg beziehungsweise der Rax sind stark vereist. Ohne Harscheisen für Tourenski oder Steigeisen hat man keinen Halt“, schildert Tisch.

300 Meter Absturz

Erst am Mittwoch überlebte ein 31-jähriger Wiener einen Absturz auf dem Schneeberg nur knapp. Der Mann wollte mit Tourenski über die Lahningries abfahren. Auf einem Eisfeld rutschte er aus und schlitterte 300 Meter in die Tiefe. Er musste vom Notarzthubschrauber mittels Taubergung geborgen und ins Landesklinikum Wiener Neustadt geflogen werden.

Auch im Mostviertel kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu schweren Alpinunfällen. Zuletzt musste ein verletzter Tourenskifahrer am Großen Ötscher per Hubschrauber geborgen werden. „Die Tourenplanung ist das Um und Auf“, betont Alpinpolizist Michael Hochgerner. „Nur weil das Wetter in den Städten wunderbar ist, muss es deshalb nicht auf den Bergen genauso sein. Da können auch schwierige Bedingungen herrschen.“

Die Bergrettung rät Skitouren nicht alleine und gut ausgerüstet zu unternehmen. „Es bringt nichts, wenn man Steigeisen mit hat, sie aber nicht anlegt“, so Karl Tisch.

Erstellt am 23.03.2012