Trinkwasser muss tabu bleiben

Der riesige Gasfund nahe der Weinstadt ist Tagesgespräch. Der KURIER fragte zwei Winzer der Region um ihre Meinung.

Als ich von dem Gasfund der OMV erfuhr, war ich zuerst euphorisch. Als ich dann aber las, dass es sich um Schiefergas handelt, war die Euphorie auch schon wieder verflogen." Fritz Rieder alias "Weinrieder" aus Kleinhadersdorf bei Poysdorf erzählt, dass vor nicht allzu langer Zeit ein deutscher TV-Sender einen Bericht über die Förderung von Schiefergas in Polen gesendet hat: "Das ist mit dem Einsatz vieler Chemikalien und Risiken verbunden. Wir haben rund um Poysdorf ein Brunnenschutzgebiet. Wir haben erstklassiges Trinkwasser und ich glaube nicht, dass es - wie der Professor der Montanuniversität Leoben (Gerhard Thonhauser, Anm.) verspricht - in zwei bis drei Jahren möglich ist, ein ökologisch verträgliches Verfahren zur Förderung des Schiefergases zu entwickeln."

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© Bild: Franz Eder

Falls doch, sei es ihm, Rieder, auch recht: "Nur die Zeit drängt nicht. Das Gas ist eine eiserne Reserve, ein Schatz, der jeden Tag mehr wert wird. Wir haben Zeit, um in aller Ruhe alternative Fördertechniken zu entwickeln."

Transparenz

Schaffe es die OMV, ein "clean fracking" (fracking nennt man die Fördertechnik von Schiefergas, Anm.) zu entwickeln, sieht Rieder kein Problem. Aber: Die OMV müsse alle Probleme offen legen, wenn sie uns ins Boot holen will", betont er. Schließlich: "Auch unsere Kinder müssen in Zukunft bedenkenlos ein Glas Wasser aus unserer Wasserleitung trinken können."

Im benachbarten Wilhelmsdorf beginnt auch Winzer Rainer Schuckert, sich seine Meinung über den Schiefergasfund in seiner Heimat zu bilden: "Die Besucher der Weinstadt, der Region, dürfen niemals das Gefühl bekommen, in einem Industriegebiet zu sein. Das Landschaftsbild darf nicht in Gefahr sein. Der Wildwuchs bei den Windkraftanlagen in manchen Gemeinden ist schon schlimm genug."

Trinkwasser

Für die Finanzen der Stadt wäre - so Schuckert - die Förderung des Schiefergases sicher gut. Auch für Schuckert steht die Sicherung der Trinkwasservorkommen an vorderster Stelle: "Die OMV muss die Fördertechnik im Griff haben. Dem Grundwasser darf nicht passieren!"

Umweltminister Nikolaus Berlakovich erteilt einer Schiefergas-Förderung in Poysdorf eine Absage: "Das Gas soll im Gestein bleiben", sagte er nach Kritik von Umweltschutzorganisationen zum "Standard". Negative Erfahrungen habe man in den USA gemacht.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011