Toten-Waschraum als Aufreger

Im türkischen Kulturzentrum soll ein Raum für rituelle Totenwaschungen eingerichtet werden. Was für Wirbel sorgt.

Dass der türkische Kulturverein in seinem Haus einen Raum für die rituelle Waschung von Toten einrichten will, sorgt in Traiskirchen für Diskussionsstoff. Die Nachbarn haben Einspruch eingelegt, die FPÖ übt harsche Kritik und die Behörden sind mit einem recht außergewöhnlichem Verfahren beschäftigt.

Die Waschung des Verstorbenen ist ein wichtiger islamischer Ritus. Nun soll das auch in einem Haus in der Pfaffstättnerstraße passieren. „Dort befinden sich auch eine Gaststätte, ein Lebensmittelgeschäft, Schulungsräume, Gebetsräume und eine private Kinderbetreuung“, sagt FPÖ-Obmann Anton Lojowski. Er befürchtet „Verkehrsbelastung und Lärm durch das laute Beweinen des Toten“. Und er fragt sich, ob ein Toten-Waschraum mitten in eine Wohngegend passt und ob das nicht auch der Gewerbeordnung unterliegt.

Das kann Bezirkshauptmann Heinz Zimper dezitiert verneinen: „Rechtlich fällt das in die Zuständigkeit der Gemeinde als Baubehörde und Sanitätspolizei.“ Eine rituelle Waschung als Teil der Religionsausübung sei aus der Gewerbeordnung ausgenommen. „Es handelt sich dabei um einen Teil des Totenkultes und einen Teil unserer Integrationsvorstellungen“, sagt Zimper.

Einsprüche

Am Traiskirchner Bauamt stellt man fest, dass „rein von der Bauordnung her nichts gegen das Projekt spricht“. Allerdings sei man natürlich das erste Mal mit einem derartigen Thema befasst und werde deshalb genau prüfen. Vizebürgermeister Franz Gartner (SPÖ) verweist auf das schwebende Bauverfahren und dass es noch keinen Baubescheid gebe. Dafür liegen aber Einsprüche der Nachbarn vor.

Erdal Kaymaz vom Türkischen Kulturverein erklärt zu dem Vorhaben: „Ein Verstorbener muss einer solchen Waschung unterzogen werden. Spezielle Räume dafür gibt es derzeit in Wien, aber nicht im Bezirk Baden. Der Tote wird hergebracht, die Waschung selbst dauert 15 Minuten und dann wird er wieder im Sarg abtransportiert. Es finden hier keine Begräbnisse statt.“

Erstellt am 12.01.2012