Chronik | Niederösterreich
21.08.2018

TG-Heime: Volksanwalt spricht von "massiven Missständen"

Es soll zu psychischer und physischer Gewalt gekommen sein, Kräuter kritisiert aber auch Vorgehensweise bei der Schließung.

Die angeblichen Missstände in den Wohngemeinschaften der Therapeutischen Gemeinschaften (TG) haben auch die Volksanwaltschaft auf den Plan gerufen. Am Dienstag legte sie ihren Bericht vor, das Urteil ist eindeutig. Laut Volksanwalt Günther Kräuter habe es „unhaltbare Zustände“ in den Einrichtungen gegeben, die Schließung sei deshalb „unvermeidlich“ gewesen.

Kräuter spricht von psychischer und physischer Gewalt, die an den Jugendlichen ausgeübt worden sei. Ein Hausleiter und manche Betreuer hätten zudem über keine qualifizierte Ausbildung verfügt, Personen ohne abgeschlossene Ausbildung verrichteten alleine Nachtdienst. Zudem, so die Volksanwaltschaft, wurden den Klienten Medikamente ohne die notwendige ärztliche Verordnung verabreicht.

Kritik wird auch an der Aufsichtsbehörde des Landes geübt, die über die meisten Missstände informiert gewesen sei, aber „lange Zeit nichts oder wenig unternommen habe“.

Ängste

Die Vorgehensweise im März, als die Heime geschlossen wurden, sei ebenfalls „sehr problematisch“ gewesen: So kritisiert der Volksanwalt, dass die Kinder nicht entsprechend auf die Übersiedlung vorbereitet worden seien und die Räumungen zweier Standorte im Beisein der Polizei Ängste ausgelöst hätten.

Seitens des Landes sei bezüglich des Prozederes von Schließungen Besserung gelobt worden. Die Volksanwaltschaft rege an, Therapeuten und Mediatoren beizuziehen, wobei es natürlich das primäre Ziel sei, von betreuten Minderjährigen als traumatisch empfundene Schließungen zu vermeiden, und vielmehr die Strukturen zu verbessern.

TG-Chef wehrt sich

Überraschend kommen die Erkenntnisse der Volksanwaltschaft nicht. Auch die vom Land eingesetzte Sonderkommission kam zu einem ähnlichen Ergebnis, zudem ist ein Kommissionsmitglied auch in der Volksanwaltschaft tätig. Ob die gesamte Causa auch die Gerichte beschäftigen wird, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat bisher noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

TG-Chef Hermann Radler wehrt sich unterdessen weiterhin gegen die Vorwürfe. „Der Bericht der Sonderkommission beruht primär auf den Aussagen von einer Handvoll entlassenen Mitarbeiter, die uns alle namentlich bekannt sind, und daher an Einseitigkeit kaum zu überbieten ist“, betont er.

Als „Unsinn“ bezeichnet Radler zudem den Vorwurf der falschen Medikation an den Jugendlichen. „Hier wiederholt die Volksanwaltschaft lediglich die falschen Informationen jener Mitarbeiter, die diese aufgebracht haben.“