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Chronik Niederösterreich
12/05/2011

Tante tiefgekühlt, Rente kassiert

Ihr Neffe wollte weiterhin Pflegegeld und Pension kassieren. Schließlich rückten Verwandte mit der Polizei an.

Schockierend und abstoßend. Aber einen Mord trauen wir dem Gerhard nicht zu." Der KURIER-Bericht über eine vermutlich von ihrem Neffen in der Tiefkühltruhe eingefrorene 89-Jährige in Neuhofen/Ybbs bei Amstetten sorgt in der Gemeinde für Betroffenheit und Aufregung. Gemeindeverantwortliche und Nachbarn konnten die schaurige Tat im kleinen, abgewirtschafteten Bauernhaus nicht fassen.

Eigenbrötler

Der noch Montag Abend in Untersuchungshaft genommene Gerhard B., 47, galt im Ort als Sonderling und Eigenbrötler. Er war in keinem Verein Mitglied und mied Nachbarschaftsfeiern. Früher betrieb er die kleine Landwirtschaft. Vieh steht aber jetzt nicht mehr im Stall. "Er hat niemanden an sich herangelassen. Auch in das Haus ist niemand gekommen. Dass die Minnerl krank war und von ihm gepflegt wurde, wussten alle. Ich glaube, ich habe sie im Sommer des Vorjahres das letzte Mal reden gehört", erzählt Nachbar Anton Pilsinger. Auch Neuhofens Bürgermeister Gottfried Eidler ist erschüttert: "Wir wussten, dass er den Pflegedienst abbestellt und selbst übernommen hat. Es gab auch nie Beanstandungen oder beunruhigende Meldungen."

Gegenüber den Beamten des nö. Landeskriminalamts (LKA) gab der arbeitslose Neffe Gerhard B. bei den nächtlichen Einvernahmen an, dass seine kranke Tante heuer am 3. Juni eines natürlichen Todes gestorben sei. Zuvor will B. mit ihr abgemacht haben, dass er den Tod geheim halten werde, um weiter monatlich Pflegegeld sowie die Pension (rund 1000 Euro), kassieren zu können. Über sonstige Einkünfte verfügt der 47-Jährige nicht. Weitere Erklärungen des Verdächtigen hätten religiöse Hintergründe, seien verwirrend und wenig schlüssig, sagt LKA-Oberst Franz Polzer. Angeblich hatte B. Pläne, wegzuziehen.

Kein Besuch

Bei seinem Plan machte der Neffe die Rechnung aber ohne die Verwandten der Tante. Der 69-jährigen Schwester von Hermine B. verwehrte er mehrmals einen Besuch. Sie war es, die Beamte der Polizeiinspektion Ulmerfeld alarmierte. Sie habe große Bedenken, ob für Hermine ordentlich gesorgt würde, meldete sie. Gegenüber dem KURIER wollte die Frau keine Stellungnahme abgeben, äußerte aber generelle Kritik an der Pflege der Schwester.
Die Polizisten, die Montag Nachmittag Nachschau hielten, log B. vorerst noch an. Seine Tante sei momentan nicht anwesend. Er gewährte den Beamten aber Zutritt zum Haus. Wenig später gestand er, wo die Leiche zu finden sei. Die beiden Polizisten fanden daraufhin die tote Hermine B. in der Tiefkühltruhe. "Wir waren gefasst, der Schock war daher nicht so groß, als wir die Gefriertruhe öffneten und darin die Frau sahen", schildert einer von ihnen.

Tatort Die an den Einsatzort beorderten Tatortermittler des nö. Landeskriminalamtes fanden vorerst keine Anzeichen auf äußere Gewalteinwirkung am Leichnam. Im Haus und an der Tiefkühltruhe gesicherte Spuren werden mit den Aussagen des Verdächtigen verglichen. Eine Obduktion der Leiche soll die tatsächliche Todesursache der Frau klären. Zuvor musste der Neuhofener Bestatter Rudolf Beer eine schaurige Mission erfüllen. Über Nacht ließ er den Leichnam leicht auftauen. "Eine gruselige Sache", sagt er. "Ich kenne ja beide.

Pflegebezüge "schwierig zu kontrollieren"

Dass Angehörige unrechtmäßig das Pflegegeld und die Pension von Verstorbenen weiter kassieren, komme laut Beatrix Böhm von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) "alle paar Jahre einmal vor". Es handle sich aber um Einzelfälle. "Wenn da eine kriminelle Intention dahintersteckt, tun wir uns schwer, das zu kontrollieren", erklärt Böhm.

Regelmäßige Überprüfungen von behördlicher Seite, ob der Versicherte noch lebt, gibt es nicht. Die PVA vertraut bei Todesfällen auf die automatische Mitteilung der Personenstandsbehörde oder wird von Angehörigen bzw. Hilfsdiensten informiert.

Per Gesetz ist jeder mündige Bürger dazu verpflichtet, einen Todesfall zu melden. Im Normalfall sind es die Hinterbliebenen, die - bei natürlichem Tod eines Familienmitglieds - Gemeindearzt und Bestatter verständigen. Der informiert über weitere Schritte. Dazu gehört auch die Abmeldung von den Pensions- und Pflegegeldzahlungen. Wer die zu Unrecht weiter kassiert, macht sich strafbar.

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