St. Pölten vor der Wahl: Welche Projekte für Zündstoff sorgen

Domplatz in St. Pölten
Domplatz, Schnellstraße, Kulturfestival und der Windfänger gelten nicht nur als Polit-Zankäpfel - auch das Volk ist gespalten.

Es ist ein Job, den sich immer weniger antun wollen. Bürgermeister sind längst mehr als Regionalkaiser, die freundlich grüßend durch die Straßen laufen. Sie sind Manager, müssen in Rechtsangelegenheiten beschlagen sein, sollten sich im Finanzwesen auskennen und tragen Verantwortung für die Partei, der sie angehören.

Matthias Stadler dürfte seinen Beruf dennoch sehr gerne ausüben. Immerhin ist er schon seit 2004 Bürgermeister der Landeshauptstadt St. Pölten. Stadler, der bald 60 Jahre alt wird, würde seine Amtszeit gerne verlängern. Die Entscheidung darüber werden die Bürgerinnen und Bürger am kommenden Sonntag bei der Gemeinderatswahl treffen. Für den SPÖ-Politiker geht es dabei um die Verteidigung der absoluten Mehrheit.

Diese Mehrheit machte zwar ein bequemes Regieren möglich, aber jene Projekte, die umgesetzt wurden, tragen damit auch die Handschrift des Stadtchefs. Einige von ihnen sorgen nach wie vor für Diskussionen – und lieferten vor allem der Opposition Munition im Wahlkampf.

Der Domplatz

Die Idee, den Domplatz neu zu gestalten, gab es bereits in den späten 2000er-Jahren. Mit der Umsetzung sollte aber noch viel Zeit vergehen, weil zunächst umfangreiche archäologische Grabungen erforderlich wurden, die mehrere Jahre dauerten. Als das Projekt schließlich abgeschlossen war, war der Unmut in Teilen der Bevölkerung groß. 

In der großen KURIER-Regionalumfrage zeigten sich 51 Prozent mit der Neugestaltung „unzufrieden. Dass das Urteil so ausfiel, hat mehrere Gründe: Zum einen verbannte Stadler die Parkplätze vor dem Gotteshaus, die „Ersatzgarage“, die unter dem Bischofsgarten entstehen soll, lässt noch auf sich warten.

Viele hätten sich zudem mehr Grün gewünscht; immer wieder war das Wort „Betonwüste“ zu hören. Die Stadt installierte zudem eine Sprühnebel-Anlage, um im Sommer Abkühlung zu schaffen. Stadler kann aber argumentieren, einen Platz in der City geschaffen zu haben, auf dem große Konzerte stattfinden können. Zudem gibt es ein zusätzliches Gastro-Angebot.

Die Traisental-Schnellstraße

Seit Jahrzehnten geistert dieses Großprojekt bereits herum. Geplant ist, dass die S34 von St. Pölten nach Wilhelmsburg führen soll. Stadler hat sich immer wieder für den Bau der Traisental-Schnellstraße ausgesprochen, obwohl es eine große Gegnerschaft gibt – mehr als 10.000 Unterschriften wurden gegen die S34 gesammelt.

Gewessler und Initiative gegen die S34

Gegen die S34 gibt es laute Proteste.

„Wir brauchen eine Umfahrung“, betonte der Bürgermeister zuletzt im Interview mit dem KURIER.

Das "Tangente"-Festival

Mit 17 Millionen Euro, die von Stadt und Land bereitgestellt wurden, war das Tangente-Festival die höchst dotierte Veranstaltungsreihe, das jemals in der Stadt über die Bühne ging.

Die Event-Reihe war der Ersatz dafür, dass sich St. Pölten nicht in die Reihe der europäischen Kulturhauptstädte reihen konnte – auch wegen einer gescheiterten Bewerbung. Die Tangente setzte auf Gegenwartskunst, die Performances trafen aber nicht den Geschmack aller. Zudem verlief die Organisation einigermaßen chaotisch.

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Der Windfänger am Europaplatz.

Der Windfänger

Deutlich mehr als 800.000 Euro kostete die Errichtung des Kunstwerks am Europaplatz. Das Objekt, das aus etwa 16.000 Ziegeln besteht, sollte als Ort zum Verweilen dienen. Angenommen wurde der Windfänger von der Bevölkerung aber nicht.

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