Chronik | Niederösterreich
12.04.2012

St. Pölten: Bettler-Plage, die urbane Kehrseite

Abhilfe gefordert: Die Polizei liefert sich mit der Almosen-Brigade eine Art „Hase und Igel“-Spiel.

Bittehelfen, bittehelfen, bittehelfen“ ruft der eine gebetsmühlenartig, bis sich jemand mit einer Münze erbarmt. „Gutentaggutentaggutentag“ leiert zwei Häuser weiter ein Kollege, ein Dritter streckt in der Kremser Gasse stumm seinen Klumpfuß in den Passantenstrom. Schönwetter und Markttage locken Trupps von Bettlern teils rumänischer Herkunft ins Herz von St. Pölten. Ähnlich sieht die Situation, wie berichtet, in Krems aus. So weit sie nicht aggressiv sind, kann sie auch die nö. Bettlerverordnung nicht vertreiben. „Wenn wer wirklich in Not ist, hat ja niemand was gegen das Betteln. Aber ob das optische Erscheinungsbild günstig wirkt, ist die Frage“, meint Stadtmarketing-Chef Matthias Weiländer.

In der zuständigen Polizei-Inspektion Rathausplatz liefern sich die Beamten mit der Almosen-Brigade eine Art „Hase und Igel“-Spiel. „Die Rumänen versuchen jetzt, die City in Beschlag zu nehmen und wir versuchen halt, das Bettlerunwesen so gut es geht, ein zu dämmen“, erklärt Kommandant Werner Krückel. Organisierte Banden setzen gerne Invaliden ein. Dabei käme es auch zu wundersamen Lazarus-Effekten, wie Krückel berichtet: „Neulich hat so einer die Krücken weg geworfen, wie er uns gesehen hat und ist blitzartig davon gerannt.“ Der Bürgermeister dränge in der Polizeidirektion auf Kontrollen, sagt Rathausprecher Martin Koutny. „Das Thema ist eine Gratwanderung.“ Eine neue Kontroll-Variante steuert FPÖ-Mandatar Klaus Otzelberger bei: „Bettler sollten sich so wie Straßenmusikanten im Rathaus anmelden müssen.“