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Chronik Niederösterreich
03/15/2019

Sebastian Kurz als Wahlhelfer für „Sturm auf die rote Bastion“

Seit 75 Jahren ist Stockerau, die größte Stadt des Weinviertels, in roter Hand. Die Wahl am 24. März verspricht Spannung.

von Kevin Kada

Am 24. März wird in Stockerau gewählt. Ein Jahr früher als in fast allen anderen niederösterreichischen Gemeinden (siehe Geschichte unten). Seit 1893 wurden in Stockerau elf Bürgermeister der SPÖ oder einer ihrer roten Vorgängerparteien gewählt. Andrea Völkl tritt an, die erste ÖVP-Bürgermeisterin zu werden und es werden ihr keine schlechten Karten eingeräumt.

Die Chancen auf eine Umfärbung der größten Stadt des Weinviertels dürften auch der Bundespartei nicht verborgen geblieben sein, schickte man am Donnerstag im Wahlkampf-Endspurt doch den Bundeskanzler auf Stimmenfang.

Völkl selbst wollte vor rund 70 ÖVP-Anhängern nicht vom Bürgermeister-Amt sprechen: „Wir wollen gestärkt in die neue Legislaturperiode gehen und Stockerau gemeinsam positiv verändern.“

Firmenbesuch

Zuvor besuchten Kurz und Völkl noch das Stockerauer Holzhandelsunternehmen J.u.A Frischeis. Der Bundeskanzler gab sich bei der Führung durch die Zentrale des Unternehmens gewohnt volksnah. Da wurden fleißig Selfies mit dem prominenten Gast gemacht. „Zwei Mitarbeiter sind sogar extra nach ihrer Schicht geblieben, damit sie den Besuch nicht verpassen“, erzählt Frischeis-Geschäftsführer Werner Stix während der Führung.

Knappes Rennen

Die rote Bastion des Weinviertels einzunehmen ist eine schwierige, aber machbare Aufgabe. Die Ausgangslage: Nur fünf Mandate trennt die ÖVP (12) von der regierenden SPÖ (17). Im Fahrwasser von Sebastian Kurz sehen die städtischen Schwarzen nun ihre Chance gekommen.

„Ich habe selbst nicht gewusst, dass Stockerau seit jeher in der Hand der SPÖ war“, erzählt Kurz den rund 70 Gästen, „aber ich verfolge die Entwicklung natürlich sehr genau und drücke Andrea (Völkl, Anm.) die Daumen.“

SPÖ Mehrheit soll halten

Nach dem Rücktritt von Langzeit-Stadtchef Helmut Laab soll SPÖ-Spitzenkandidat Othmar Holzer den Wahlsieg holen. Er blickt gespannt auf den Wahltag: „Sicher ist man angespannt, aber ich zittere nicht. Nach fast 75 Jahren SPÖ-Mehrheit hoffe ich, dass das auch so bleibt.“

Warum in drei Gemeinden vorzeitig gewählt wird

In Stockerau hat die vorgezogene Gemeinderatswahl mit den Umbauten in der Stadt-SPÖ zu tun. Im Oktober  2018 gaben Stadtchef Helmut Laab, Vizebürgermeisterin Susanne Hermanek sowie weitere sieben rote Mandatare ihren Rücktritt mit 30. November bekannt.  

Für die Opposition war dieser Umbau zu viel. Nach dem Auszug bei einer Gemeinderatssitzung im Herbst 2018 legten die ÖVP- und FPÖ-Gemeinderäte ihre Mandate nieder. Da der Gemeinderat folglich nicht mehr beschlussfähig war, musste ein Neuwahl-Termin fixiert werden.

Mit der Mandatsrückgabe besiegelte die Opposition in Wolkersdorf eine vorgezogene Wahl. Der Wolkersdorfer ÖVP-Bürgermeisterin Anna Steindl wurde von der Opposition ein Alleingang beim Bau eines neuen Veranstaltungssaales vorgeworfen. In Pillichsdorf musste sich Bürgermeister Franz Treipl (ÖVP) mit der eigenen Partei herumschlagen. Nachdem die Mandatare mit dr Arbeitsweise des Bürgermeisters nicht zufrieden waren, legte ein Teil der ÖVP ihre Mandate nieder. Somit müssen am 24. März drei Gemeinden vorzeitig wählen.