Schmusen mit dem kleinen Sohn ist kein Missbrauch

Prozess – Der „Vorfall“ liegt bereits Jahre zurück. Ein Mann aus dem Bezirk Bruck/Leitha soll seinen damals sechsjährigen Sohn schwer sexuell missbraucht haben. „Er hat das Kind beim Herumspielen an allen möglichen und unmöglichen Stellen abgebusselt“, sagt der Verteidiger. Und dazu steht der heute 47-jährige Angeklagte auch. „Aber den eigenen Sohn missbrauchen? Wie kann man das für möglich halten?“, fragt er beim Prozess im Landesgericht Korneuburg.

Fotoausarbeitung

Ins Rollen gebracht wurde der Fall, als im Vorjahr eine Angestellte eines Drogeriemarktes auf die Fotos stieß. Denn die Filmrolle war jahrelang bei der Familie daheim gelegen und erst im Vorjahr zum Ausarbeiten gebracht worden. Die Fotos – der Bub ist darauf nackt, der Vater trägt nur eine Unterhose – landeten bei der Polizei. Zu sehen ist auch, wie der Mann das Kind im Intimbereich küsst. „Mein Sohn war damals frisch beschnitten. Die Wunde ist nicht geheilt. Ich wollte ihn trösten“, erklärt der Arbeiter türkischer Abstammung.

Seine Frau und auch der zweite Sohn waren dabei, als die Bilder entstanden. Die Aufregung kann der Mann nicht verstehen. „Übertriebene Vaterliebe“, nennt es sein Anwalt. „Aber kein sexueller Hintergedanke.“

Das sieht das Schöffengericht mit Richter Franz Furtner genau so – und spricht den Angeklagten frei. Staatsanwalt Christian Pawle ist anderer Meinung – er meldet Nichtigkeit an.

( Kurier ) Erstellt am 02.02.2012