Prozess: Senioren betäubt und bestohlen?

Den größten EPU-Boom gibt es bei den Dienstleistern, etwa im Pflegebereich. © Bild: dpa/Uli Deck

Die 40-jährige Putzfrau wurde freigesprochen.

Laut Anklage wurde eine 40-Jährige verdächtigt, bei einem 80-jährigen Mann und einer 93-jährigen Frau Bargeld Schmuck, ein Handy und einen Laptop entwendet zu haben. Am Donnerstag wurde die vierfache Mutter am Landesgericht Korneuburg vom Vorwurf des Raubes und gewerbsmäßigen Diebstahls rechtskräftig freigesprochen. Der Schöffensenat sah keine Beweise für die Tat.

Betäubung und Diebstahl

Laut Anklage wurde die Frau, die als Putzfrau bei einem Senioren in Strasshof (Bez. Gänserndorf) tätig war, verdächtigt, dem 80-jährigen Mann bei einem privaten Besuch präpariertes Eis und Wein mitgebracht zu haben. Dieser sei daraufhin bewusstlos zusammengebrochen und erst zwei Tage später wieder zu sich gekommen. Bargeld, Handy und Laptop waren danach verschwunden.

Pensionist mittlerweile verstorben

Im Jänner ist der 80-Jährige verstorben, seine Tochter sah einen Zusammenhang zwischen dem Geschehenen und seinem Tod: "Er verkraftete nicht, dass ihm so etwas passiert ist." Sie vermutete, dass die Angeklagte gewusst habe, dass Geld im Haus war. Zudem hätte ihr Vater ihr nicht getraut, obwohl er wegen seiner Einsamkeit "empfänglich für weibliche Gesellschaft" gewesen sei. Bei der Verdächtigen hätte er aber ein "ungutes Gefühl" gehabt.

Keine Beweise

Laut Aussagen des Verteidigers sei im Haus seiner Mandantin nichts gefunden worden, im Blut des Pensionisten seien auch keine Substanzen nachgewiesen worden. Der 80-Jährige gab gegenüber der Polizei an, nachdem die Tatverdächtige weggegangen sei, auf dem Weg zur Toilette gestürzt zu sein. Es könne sich möglicherweise um einen Kreislaufkollaps gehandelt haben, argumentiert der Verteidiger.

Freispruch

Richterin Xenia Krafenbauer sah das ähnlich und verwies auf das umfangreich geführte Ermittlungsverfahren. Dabei konnten "keine Anzeichen für Verletzungen oder Vergiftungen" bei dem 80-Jährigen festgestellt werden, nachdem ihm insgesamt drei Mal Blut zur Untersuchung abgenommen wurde. Laut Krankengeschichte und Gutachten handelte es sich um eine Schwäche des Pensionisten.

Vorwurf gegenstandslos

Die Richterin erinnerte auch bei dem zweiten Vorwurf gegen die 40-Jährige, bei einer 93-jährigen Frau in Angern an der March (Bez. Gänserndorf) Schmuck gestohlen zu haben, an divergierende Angaben der Zeugin und Mutmaßungen, die nicht untermauert werden könnten. Mehrere Personen hätten in diesem Fall Gelegenheit zu einem Diebstahl gehabt. Die Anzeige erfolgte zudem erst einen Monat nach dem letzten Besuch der 40-Jährigen.

( Agenturen , kurier.at , ede ) Erstellt am 17.03.2016