NS-Expertin durchleuchtet Ehrenbürger

Untersuchung in Amstetten - FP ist dagegen

Mit voller Zustimmung und ohne Debatte gestanden Amstettens Gemeinderäte Mittwoch ihrem mit September ausgeschiedenen Ex-Bürgermeister Herbert Katzengruber das Ehrenbürgerrecht zu. Davor wurde aber über einen anderen Ehrenbürger, den früheren SP-Vizebürgermeister Paul Scherpon, sehr emotionell diskutiert.

Der Auftrag an die Historikerin Claudia Kuretsidis-Haider vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands das Leben des einstigen NS-Landrats Scherpon zu durchleuchten, stieß nur bei der FPÖ auf vehemente Ablehnung. Schon im Mai, als der Gemeinderat dem Nazi-Führer Adolf Hitler das einst verliehene Ehrenrecht aberkannte, war die FPÖ dagegen. Man werde dieser „nach rückwärts gewandten Politik“ nicht zustimmen, bekundete FP-Gemeinderätin Maria Harreiter höchst erregt. Die Bürger würden es in Sparzeiten nicht verstehen, wenn 8000 Euro für diese Expertise ausgegeben würden, meinte sie.

Außerdem: „Mit dem Tod ist Scherpons Ehrenbürgerschaft ohnehin erloschen.“ Noch im Mai stimmte die FP für eine Untersuchung der Causa, kritisierten Mitglieder anderer Parteien. Dass das etwas kosten würde, habe man nicht gewusst, lautete die FP-Antwort.

Eine Niederschrift, in der Scherpon vorgeschlagen hatte, Juden ins KZ zu transportieren, ließ die Grünen Alarm schlagen. Die Historikerin wird erst 2013 Licht in die Sache bringen können, vorher hat sie keine Zeit.

Erstellt am 16.12.2011